Interaktionen durch Polypharmazie sowie mangelnde Compliance

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Axel Rhindt
Axel Rhindt
MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

Interaktionen durch Polypharmazie, unkontrollierte Einnahme von OTC-Präparaten sowie mangelnde Compliance bleiben oft nicht ohne Folgen.

Etwa jeder zweite ältere Patient leidet an vier bis fünf behandlungsbedürftigen Erkrankungen. Deswegen ist die sogenannte Polypharmazie ein häufiges Phänomen in der Behandlung älterer Patienten. Schließlich wird dabei noch immer unterschätzt, welche negativen Auswirkungen dieser Polypharmazie auf den Gesundheitszustand und letztendlich das Überleben der Patienten haben kann.

Zahlen zur Polypharmazie zeigen eine große Schwankungsbreite. Ältere Patienten (>75 Jahre) nehmen durchschnittlich acht verschiedene Substanzen ein. Ergänzt wird die ärztlich verordnete Medikation durch weitere drei bis vier »over the counter«(OTC)-Medikamente.

Zwei Drittel der eingenommen OTC-Präparate zählen zum Bereich der Analgetika. Die Zahl der »drug-drug-interactions« steigt exponentiell mit der Zahl der verordneten Substanzen. Die Anzahl und Art der Interaktionen und Nebenwirkungen sowie die damit verbundenen Risiken sind für klinisch tätige Ärzte kaum noch überschaubar.

 

Erfolg einer Pharmakotherapie und Compliance des Patienten

Der Erfolg einer Pharmakotherapie hängt entscheidend von der Compliance des Patienten ab. Wissenschaftler konnten bereits 1984 zeigen, dass diese mit der Anzahl der verordneten Substanzen signifikant abfällt. Bereits bei täglich vier erforderlichen Medikamenteneinnahmen sinkt die Compliance-Rate auf unter 50%.

In diesem Zusammenhang muss der Umstand beachtet werden, dass Patienten in der Regel primär eine ärztlich verordnete Therapie beenden, während sie ihre selbst verordnete OTC-Medikation weiterhin einnehmen. Daten aus den USA zeigen, dass 20% aller durch Medikamente verursachten Einweisungen in das Krankenhaus durch OTC-Substanzen ausgelöst werden.

Die zahlreichen Interaktionen, die unkontrollierte Einnahme von OTC-Präparaten sowie die mangelnde Compliance bleiben natürlich nicht ohne Folgen. 35% der älteren, selbstständig lebenden Bevölkerung leiden an unerwünschten Wirkungen ihrer Medikation, ein Drittel davon nimmt ärztliche Hilfe in Anspruch. Für die USA liegen die Schätzungen bei 100.000 Todesfällen durch unerwünschte Nebenwirkungen bzw. als Folge von Interaktionen durch Polypharmazie. Wobei man etwa die Hälfte dieser Fälle vermeiden könnte.

Bis zu 7% aller Krankenhauseinweisungen werden auf unerwünschte Wirkungen und Interaktionen von Medikamenten zurückgeführt. Zusätzlich kann man bei der Gruppe der Hochbetagten von der zwei- bis dreifachen Prävalenz ausgehen.

Weiters sind etwa 20% der stationären Wiederaufnahmen älterer Patienten auf Nebenwirkungen und Interaktionen zurückzuführen. Außerdem verursachen die OTC-Substanzen 20% aller durch Medikamente verursachten Einweisungen in das Krankenhaus.

Schließlich bilden Polypharmazie und mangelnde Compliance einen für den Patienten einen gefährlichen Cocktail. Allerdings wird das Problem nach wie vor von der Fachwelt bei weitem noch nicht im erforderlichen Umfang wahrgenommen.

Literatur:

Golchin N, Frank SH, Vince A, Isham L, Meropol SB. Polypharmacy in the elderly. J Res Pharm Pract. 2015 Apr-Jun;4(2):85-8. doi: 10.4103/2279-042X.155755.


Quelle: Multimedikation und ­Compliance. OA Mag. Dr. Markus Gosch, MAS. MEDMIX 10/2008

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