Starker Effekt von Placebo bei Depressionen im Alter

Placebo bringt bei älteren Menschen mit Depressionen starke Effekte. © happy / shutterstock.com

Ältere Menschen mit Depressionen entwickeln bei der Behandlung starke Placebo-Effekte – unabhängig vom Schweregrad der Depression.

Menschen im höheren Alter mit Depressionen sind bei einer Behandlung mit Medikamenten sehr für Placebo-Effekte anfällig, ohne Einfluss darauf ist der Schweregrad der Depression. Und zwar ganz im Unterschied zu Patienten im jüngeren Jahren. Das zeigte eine unlängst veröffentlichte Meta-Analyse verschiedener Studien zu Altersdepressionen mit über 5700 Patienten.

 

Altersdepressionen haben starken Einfluss auf Lebensqualität und Funktionsfähigkeit

Altersdepressionen sind weit verbreitet und die häufigste psychische Störung bei älteren Menschen. Sehr oft entwickeln sie sich wegen verschiedener Begleiterscheinungen des Alters wie nachlassende körperliche und geistige Leistungsfähigkeit, Gedächtnis, Zunahme körperlicher Gebrechlichkeiten wie Arthrose, Herzkreislauferkrankungen oder Tabuthemen wie Harn- und Stuhlinkontinenz u.v.m.

Nicht verursachen auch äußere Umstände das Entstehen von Altersdepressionen wie Verlust des Partners nebst Einsamkeit, mangelnde Anerkennung bzw. Bestätigung im sozialen Umfeld (Arbeitsplatz).

Altersdepressionen haben einen stark negativen Einfluss auf die Lebensqualität und Funktionsfähigkeit sowie den Verlauf von körperlichen Erkrankungen. Richtlinien zur Behandlung von Altersdepressionen empfehlen neben psychotherapeutischen Interventionen neuere Antidepressiva.

Bedeutsam in der Behandlung von Altersdepressionen sind persönliche Zuwendung und subjektive Plausibilität der Therapie – und unabhängig vom Schwergrad der Depression.

Bei Erwachsenen lassen sich laut bisherigen Studien gewisse Vorteile der Antidepressiva gegenüber Placebobehandlungen nachweisen. Die Effekte sind aber moderat und werden von der Schwere der ursprünglichen depressiven Symptomatik bestimmt: Stark depressive Erwachsene sprechen stärker auf Medikamente im Vergleich zum Placebo an.

 

Psychosoziale Unterstützung bringt bei älteren Patienten mit Depressionen auch starke Placebo-Effekte

Forscher der Universität Basel und der Harvard Medical School analysierten die Daten von 19 Studien, die insgesamt 5’737 ältere Menschen ab 55 Jahren untersucht hatten. Die Ergebnisse zeigen, dass hier bei der Behandlung grosse und klinische bedeutsame Placeboeffekte beobachtet werden können. Diese sind bei Altersdepressionen nicht vom ursprünglichen Schweregrad der Depression abhängig.

Die Autoren gehen aufgrund ihrer Analyse davon aus, dass bei einer medikamentösen Behandlung von älteren Patienten mit Depressionen vor allem die psychosoziale Unterstützung einen hohen Anteil des Placebo-Effekts erklärt – und damit auch der Behandlungsreaktion. Die reüssieren, dass dies besonders wichtig für die Behandlung älterer Personen mit depressiven Störungen ist. Bedeutsam sind auch die persönliche Zuwendung und die subjektive Plausibilität der Behandlung – und zwar unabhängig vom Schwergrad der Depression, wie die Wissenschaftler herausfanden.


Quellen:

Locher C, Kossowsky J, Gaab J, Kirsch I, Bain P, Krummenacher P. Moderation of antidepressant and placebo outcomes by baseline severity in late-life depression: A systematic review and meta-analysis. J Affect Disord. 2015 Aug 1;181:50-60. doi: 10.1016/j.jad.2015.03.062. Epub 2015 Apr 15. PMID: 25917293.

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