Placebo – die heilende Kraft des Geistes

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Frauen reagieren stärker auf Placebo, ausserdem wirkt die heilende Kraft von Placebo stärker, wenn das Mittel weibliche Ärzte oder Therapeuten einsetzen.

In der Medizin ist die heilende Kraft von Placebo seit langem bekannt, der Effekt ist unbestritten. Auch Personen, die in Studien nur Placebo erhalten, verbessern ihre Symptomatik: so haben sie durch Placebo weniger Schmerzen, weniger Übelkeit – und sogar Warzen verschwinden.

Placebo ist eine Art Scheinmedizin, ein Medikament ohne aktiven Wirkstoff, die aber trotz fehlendem Wirkstoff eine bestimmte Wirkung beziehungsweise eine Heilung hervorrufen. Dabei ist es wichtig, dass der Placebo in Form, Farbe und Geschmack nicht vom richtigen Medikament zu unterscheiden ist. Enthalten ist jedoch lediglich Zucker, Kochsalz oder andere nicht wirksame Substanzen.

 

Heilende Kraft von Placebo bei Frauen stärker

Wissenschaftler und Ärzte berichten, dass die Wirkung von Placebo vom Geschlecht der Patienten und auch vom Geschlecht der Studienärzte mitbestimmt ist. So sprächen weibliche Patienten tendenziell häufiger auf die wirkstofflosen Präparate an als männliche. Bei einer Studie zum Reizdarm-Syndrom sprachen zudem Frauen häufiger auf Placebo an als Männer. Dementsprechend besserte sich durch Placebo bei jeder zweiten Patientin das Syndrom, aber nur bei etwa jedem vierten Mann.

 

Wirkung von Placebo stärker, wenn eine Ärztin oder Therapeutin die Behandlung vornimmt

Die Patienten scheinen zudem mehr Vertrauen zu Ärztinnen zu haben als zu Ärzten. Diesen Angaben zufolge sind Placeboeffekte beim Reizdarm-Syndrom besonders unterschiedlich. So sprachen in einigen Studien 84 Prozent der Patienten auf ein Placebo an, in anderen waren es nur drei Prozent.

Einige Patienten bekamen das Placebo von einer Ärztin, die eine Zusatzausbildung in Psychotherapie hatte. Verteilte sie das Placebo Medikament, so besserte sich bei jedem dritten Patienten der Zustand. Kamen die Tabletten hingegen von ihren männlichen Kollegen ohne Zusatzausbildung, wirkten sie nur bei jedem vierten bis fünften Patienten.

Ähnliche Erfahrungen seien in Placebo-Studien zur Akupunktur gemacht worden. Auch da waren die Patienten häufiger überzeugt, dass sie eine echte Akupunktur erhalten hatten, wenn eine Therapeutin die Nadeln setzte.

 

Weitere Faktoren für eine stärkere Wirkung von Placebo

Es wird vermutet, dass auch die Qualifikation der Ärzte sowie die Dauer und Anzahl der Arztkontakte die Wirkung von Placebo beeinflussen. Sogar der kulturelle Hintergrund, die Nationalität und der Ort der Studie könnten sich auf die Wirkung von Placebo auswirken.

Patienten profitieren aber auch von der Aufmerksamkeit und der intensiveren Beziehung zu den in die Studie involvierten Ärzten, die ihnen in einer Placebo-kontrollierten Studie zuteil werden, da sie häufige und intensive ärztliche Hilfe bekommen. So manche Menschen reagieren darauf positiv.

Auch Überzeugungen und Erwartungen und die Bedeutung der Behandlung spielen eine Rolle: Bei Patienten mit positiven Erwartungen an die Behandlung sind Placeboeffekte stärker.

Wahrscheinlich ist eine Kombination von vielen psychologischen und physiologischen Mechanismen der Grund für eine teilweise starke Wirkung von Placebo. Hierzu sind aber weitere Untersuchungen notwendig. Denn es ist herauszufinden, wie verschiedene Faktoren zusammenhängen, um auch ohne Wirkstoffe eine Heilkraft zu erzeugen.

Quelle: Universität Thüringen – Fachbereich Psychologie

 

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Lena Abensberg

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

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