Bedeutung der Pflege bei Neurodermitis

Im Rahmen der Pflege bei Neurodermitis sollte dem Badewasser immer ein fettender Ölzusatz beigegeben werden. © StockLite / shutterstock.com

Die Neurodermitis – oder atopische Dermatitis – ist nicht heilbar, man kann nur die Symptome behandeln, wobei die Pflege eine wichtige Rolle spielt.

Die Neurodermitis ist eine Barrierestörung der Haut, an der den Schätzungen zufolge jedes fünfte bis zehnte Kind leidet, und etwa drei bis fünf Prozent der Erwachsenen. Neben einer erblichen Vorbelastung spielt kann auch eine ungenügende Ausprägung des Immunsystems im Kindesalter eine Rolle spielen. Ein geschwächtes Immunsystem könnte somit zu einer Überempfindlichkeit hinsichtlich atopischer Krankheiten wie der Neurodermitis führen. Die Hauterkrankung ist nicht heilbar, somit spielen Maßnahmen zur Linderung der Symptome und die Pflege bei Neurodermitis eine entscheidende Rolle.

Für die Produkte zur Pflege bei Neurodermitis gilt vor allem, dass man die Zusatzstoffe beachten der jeweiligen Darreichungsform beachten muss. Denn Neurodermitiker benötigen eine fachgerechte Hautpflege für ihre extrem trocken und empfindliche Haut.

Zur Körperreinigung und Körper-Pflege bei Neurodermitis eignen sich medizinische Ölbäder, welche Krusten und Schuppen lösen, allergene Substanzen entfernen und die Haut befeuchten.

Zur täglichen Pflege bei Neurodermitis sind Salben – mit Zusätzen wie Harnstoff, Vitamin A und E, oder Panthenol – geeignet, die die Wasserbindung verbessern und den Fettfilm der Haut stärken.

In vielen Pflegeprodukten sind Stoffe enthalten, die der Stabilität und Akzeptanz des Produkts dienen, welche für die Haut allerdings belastend sind. Als Beispiel sind Konservierungsmittel, Parfumstoffe und Emulgatoren zu nennen. Emulgatoren werden unverändert in der Haut gespeichert, was bei der Hautreinigung zu einer erhöhten Ausschwemmung von hauteigenen Barrierestoffen führt.

Bei der Kleidung ist zu beachten, dass synthetische Stoffe und Wolle nicht direkt auf der Haut getragen werden. Am besten verträglich sind Baumwolle, Seide oder Pipeline. Atmungsaktive Kleidung vermindert die Reizung durch den körpereigenen Schweiß. In enger Kleidung können sich Bakterien und Pilze besser vermehren, in die gestörte Barriere eindringen, und dort möglicherweise zu Infektionen führen.

Der Kratzreflex bei Juckreiz ist unvermeidlich und kann auch nicht verboten werden, daher muss der Behandlung des Juckreizes besonders große Aufmerksamkeit geschenkt werden.

 

Individuell angepasste und stadiengerechte Pflege bei Neurodermitis

Pflanzliche Öle zur Pflege bei Neurodermitis

Pflanzliche Öle, Fette und Wachse hingegen integrieren sich in die Struktur der Hornschicht und können bei besonders bei empfindlicher Haut auch pur aufgetragen werden.

Pflege bei Neurodermitis mit Gamma-Linolensäure

Die extrem trockene Haut ist bei vielen Neurodermitis-Betroffenen auf einen Mangel an Gamma-Linolensäure (GLS) zurückzuführen. Diese Fettsäure wird zur Herstellung von Prostaglandinen benötigt, welche wiederum wichtige Prozesse bei der Immunabwehr sowie bei Entzündungen steuern. GLS wirkt zusätzlich juckreiz- und entzündungshemmend und muss daher mit der Nahrung oder als Präparat zugeführt werden. Dazu eignen sich etwa die Öle der Samen von Lein, Borretsch, Nachtkerze, Hanf, Schwarzkümmel und Johannisbeere, wobei das Boretsch-Samenöl den höchsten GLS-Gehalt (25%) aufweist. Kinder benötigen eine tägliche Menge von 360 mg, Erwachsene 500 mg, wobei die Zufuhr über einen längeren Zeitraum und besonders in kritischen Zeiten, wie etwa bei Pollenflug, wichtig ist.

 

Wichtige Grundsätze zum Baden oder Duschen

In der Haut von Menschen mit Neurodermitis ist die Talgproduktion vermindert. Und durch den stark reduzierten Harnstoffgehalt steht kein ausreichend wirksames Wasserspeicher-System zur Verfügung. Um die quälende Symptomatik hintan zu halten, sind deswegen bei der Hautpflege einige grundlegenden Prinzipien zu beachten.

Im Grunde genommen sollte man das Baden oder Duschen kurz halten. Zudem sollten Betroffene zu heißes Wasser sowie Schaumbäder eher vermeiden. Lange Zeit gab es auch die Empfehlung die Empfehlung, dass Betroffene nicht häufiger als zwei bis dreimal pro Woche Baden oder Duschen sollten. Allerdings gab es keine Untersuchungen, wie häufig Baden oder Duschen bei atopischer Dermatitis wirklich optimal ist.

Eine aktuelle systematische Überprüfung und Metaanalyse von 13 Studien brachte dazu ebenfalls keine Klarheit. Es zeigte sich jedoch, dass tägliches Duschen oder Baden keinen schlechteren Schweregrad der Neurodermitis verursachen. Deswegen kann man mit Neurodermitis durchaus auch täglich zur Pflege Duschen oder Baden.

Geeignet sind alkalifreie Seifen oder Syndets. Zudem sollte man dem Badewasser immer ein fettender Ölzusatz beigegeben. Nach einem Ölbad sollte man die Haut keinesfalls trocken rubbeln. Sondern, wenn überhaupt, sollte man dir Haut nur vorsichtig mit einem Handtuch abtupfen, um eine gute Pflegewirkung zu gewährleisten. Hierzu sollte der Arzt den Patienten in jedem Fall aufmerksam machen.

Schließlich sollten Menschen mit Neurodermitis nach jedem Duschen oder Baden eine rückfettende Lotion auftragen, wobei die Haut auch in ekzemfreien Zeiten morgens und abends eine Pflege bekommen sollte.

 

Welches Wasser geeignet ist

Dermatologisch nicht kontrollierte, unbehandelte Ekzeme führen zu größeren Hautschäden. Wenn betroffene Patienten bei der Hautreinigung nur klares Wasser verwendet, so sollten sie beachten, dass Wasser nicht gleich Wasser ist.

Zu hartes Wasser ist für eine barrieregestörte Haut ungeeignet. Denn die enthaltenen Kalzium-Ionen dringen in de Haut ein und bilden dort mit der körpereigenen Palmitinsäure schwerlösliche Kalkseifen. Diese greifen schließlich die Barriereschicht der Haut zusätzlich an.

In Gegenden mit hartem Wasser ist die Errichtung einer Enthärtungsanlage empfehlenswert. Hierbei ist wiederum zu beachten, dass das Wasser nach der Aufbereitung einen pH-Wert von 7 bis 8 nicht überschreitet.

 

Stadiengerechte Pflege bei Neurodermitis

Bei Neurodermitis muss die Hautpflege zum jeweiligen Stadium passen. Dabei unterscheidet man die drei Stadien akut, subakut sowie chronisch. Für die Behandlung dieser drei Stadien sowie für die tägliche Pflege stehen unterschiedliche Präparate zur Verfügung.

Für die tägliche Pflege bei Neurodermitis eignen sich Emulsionen, Cremes oder Lotionen auf Basis einer weniger fetten Grundlage. Bei sehr trockener und rissiger Haut sollte man Salben mit fetter Grundlage. Wenn die Haut nässt, dann bieten sich Schüttelmixturen sowie feuchte Umschläge an. Schließlich sollten die Betroffenen bei akuten Entzündungen und ­heftigem Juckreiz cortisonhaltige Präparate äußerlich anwenden.


Literatur:

Hua T, Yousaf M, Gwillim E, Yew YW, Lee B, Hua K, Erickson T, Cheng B, Silverberg JI. Does daily bathing or showering worsen atopic dermatitis severity? A systematic review and meta-analysis. Arch Dermatol Res. 2020 Nov 16. doi: 10.1007/s00403-020-02164-0. Epub ahead of print. PMID: 33196889.

David Boothe W, Tarbox JA, Tarbox MB. Atopic Dermatitis: Pathophysiology. Adv Exp Med Biol. 2017;1027:21-37. doi: 10.1007/978-3-319-64804-0_3. PMID: 29063428.

Strathie Page S, Weston S, Loh R. Atopic dermatitis in children. Aust Fam Physician. 2016 May;45(5):293-6. PMID: 27166464.


Quellen:

https://www.aad.org/dermatology-a-to-z/diseases-and-treatments/a—d/atopic-dermatitis/tips

http://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/eczema/basics/lifestyle-home-remedies/con-20032073

Pflege bei Neurodermitis. Dr. Walter Klein. MEDMIX 05/2005

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