Pflanzliche Heilmittel gegen Husten: wirksame, bewährte Behandlung

Bei Husten sind verschiedene Formen für pflanzliche Heilmittel zugänglich. © Lukas Gojda / shutterstock.com

Bei Husten sind verschiedene Formen für pflanzliche Heilmittel zugänglich. © Lukas Gojda / shutterstock.com

Seit jeher sind pflanzliche Heilmittel gegen Husten eine wirksame, bewährte Behandlung, vor allem in der Behandlung von bestimmten Hustenformen wirken sie sehr gut.

Verschiedene pflanzliche Heilmittel gegen Husten sind altbewährt und entfalten in der Behandlung von Hustensymptomen bei Erkältung, Grippe aber neuerdings auch Covid-19 eine sehr gute Wirkung. Wobei in Hinblick auf die vielen Ursachen für Husten vor allem drei Formen sehr gut natürlich pflanzlich zu behandeln sind:

  1. der trockene Reizhusten,
  2. katarrhalische Erkrankungen mit festsitzendem Sekret sowie
  3. Krampfhusten.

 

Trockener Reizhusten und pflanzliche Mittel­

Ein unproduktiver Reizhusten, bei dem kein Sekret abgehustet werden kann, wird meist als läs­tig empfunden. Besonders in der Nacht kann der Hustenreiz quälen, häufig sind auch Kopfschmerzen eine Folge des andauernden Hustens. Pflanzenschleime, das sind wasserlösliche Polysaccharide, binden an entzündeten Schleimhäuten und unterdrücken so peripher, also nicht über das Hustenzentrum im Gehirn, den Hustenreiz.

Typische schleimhältige Arzneidrogen sind Eibischblätter und Eibischwurzel, Spitzwegerichblätter, Isländisch Moos und Königskerzenblüten ergänzen antibiotisch und expektorierend wirkende Inhaltsstoffe das Wirkungsspektrum.

Quelle: dadalia / shutterstock.com
Eibisch – Althaea officinalis – gehört zur Familie der Malvengewächse (Malvaceae). © dadalia / shutterstock.com

Optimale Darreichungsformen sind der Hustentee sowie besonders in der Pädiatrie der Hustensirup (z.B. Sirupus Althaeae). Kontrovers wurde in der Literatur die optimale Form der Teezubereitung für schleimhältige Hustendrogen diskutiert.

Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass auch bei dieser Stoffgruppe das Infus – also der Aufguss mit heißem Wasser – die beste Anwendungsform ist, da nachgewiesen werden konnte, dass die Polysaccharide sehr stabil sind und mit heißem Wasser eine höhere Extraktausbeute erzielt werden kann.

Lediglich Tees mit Isländisch Moos und reine Eibischwurzel sollten vorzugsweise als Mazerat – Ansatz mit kaltem Wasser – zubereitet werden: die extrem bitteren Flechtensäuren von Isländisch Moos sind nur in warmem Wasser löslich, der Kaltauszug ist ein angenehm schmeckendes Getränk, Hitze verkleistert die Stärke in der Eibischwurzel, die Extraktion der Poylsaccharide wird dadurch stark eingeschränkt.

Für Teemischungen, die Eibischwurzel als eine von mehreren Komponenten beinhalten, stellt trotzdem das Infus als Kompromiss die optimale Zubereitungsart dar.

 

Pflanzliche Heilmittel­ bei Husten mit festsitzendem Schleim

Wenn man pflanzliche Heilmittel­ bei Husten mit festsitzendem Schleim einsetzt, so ist es Ziel der Therapie, den festsitzenden Schleim zu lösen und den Abtransport zu erleichtern. Zum Einsatz kommen in erster Linie Heilpflanzen mit ätherischem Öl und mit so genannten Saponinen als Wirkstoffe.

 

Ätherische Öle von Heilpflanzen

Ätherische Öle – stark riechende Stoffgemische mit bis zu mehreren hundert Komponenten – werden sowohl aus dem Magen-Darm-Trakt als auch über die Haut gut aufgenommen. Bei der Inhalation gelangen sie direkt an den Wirkort in die Bronchien und werden pulmonal ebenfalls resorbiert.

Ätherische Öle der hier genannten Heilpflanzen – obwohl sie sehr unterschiedlich zusammengesetzt sind und auch sehr unterschiedlich riechen – fördern die Sekretion von Bronchialflüssigkeit. Dadurch verflüssigt sich dann der festsitzende Schleim. Gleichzeitig regen die Inhaltsstoffe auch die Cilienbewegung in den Atemwegen an. Das beschleunigt schließlich den Abtransport des Sekrets.

Ätherische Öle dürfen nur sehr vorsichtig dosiert werden: ätherische Öle haben so manchenKomponenten, von denen man weiss, dass sie die Cilienbewegung bereits in Konzentrationen anregen, die geruchlich nicht wahrnehmbar sind.

Überdosierung hingegen kann zu Reizerscheinungen und einer Hemmung der Cilienbewegung führen. Bei Säuglingen können alle stark riechenden Substanzen, wenn sie in die Nähe der Nase kommen, zu reflexartigen Krämpfen führen. Im schlimmsten Fall kann das bis zur Erstickung führen.

Bei Husten typische Heilpflanzen mit ätherischem Öl sind das Thymiankraut, die Früchte von Anis und Fenchel und das Quendelkraut.

Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass neben dem ätherischen Öl auch andere, nicht flüchtige Inhaltsstoffe wie zum Beispiel Flavonoide und Phenolcarbonsäuren expektorierende und spasmolytische Wirkungen zeigen und daher einen Beitrag zur Wirksamkeit leisten.

Von Eukalyptus, Latschenkiefer und einigen anderen Pflanzen werden üblicherweise nicht die getrockneten Pflanzenteile, sondern die destillierten ätherischen Öle in reiner Form oder weiterverarbeitet in Salbenform angewendet. Die Anwendungsformen reichen vom Hustentee (unbedingt bedeckt ziehen lassen, da die ätherischen Öle flüchtig sind) über Tinkturen und Sirupe bis hin zu Spezialextrakten, deren Wirksamkeit auch klinisch belegt ist.

 

Heilpflanzen und Saponine

Saponine sind Naturstoffe mit Seifencharakter. Wenn geringe Mengen mit der Magenschleimhaut in Kontakt kommen, so regt dies die Sekretion in den Bronchien an. Dadurch kann sich festsitzender Schleim besser lösen und man kann ihn leichter husten. Eine Kombination mit ätherischen Ölen, welche die Cilienbewegung in den Bronchien anregt, ist sinnvoll. Zu große Mengen an Saponinen kratzen im Hals und wirken brecherregend, die richtige Konzentration ist daher ganz wesentlich.

Wichtige pflanzliche Heilmittel zur Hustenbehandlung sind die Wurzeln der Schlüsselblume (Radix Primulae), die Süßholzwurzel (Radix Liquiruitiae) – letztere ist auch ein sinnvoller geschmackverbessernder Zusatz in Hustentee-Mischungen, da sie nicht nur expektorierend wirkt sondern auch dem Tee einen süßen Geschmack verleiht.

Efeu-Blätter sind wichtige Saponine-Vertreter. © ternadtochiy / shutterstock.com

Efeublätter werden üblicherweise nicht als Tee zubereitet, sondern in Form von Spezialextrakten in Fertigpräparaten angewendet. Die sekretolytischen und spasmolytischen Effekte sind seit langem bekannten. Jüngst konnte man auch auf molekularer Ebene den Wirkungsmechanismus aufklären. Hederacosid, ein dominierendes Saponin der Efeublätter, wird gastrointestinal zu α-Hederin umgewandelt. Diese Substanz verhindert, dass an Alveolarzellen die β2-Rezeptoren durch Endocytose von der Zelloberfläche entfernt werden. Durch die vermehrte Präsenz dieser Rezeptoren erhöht sich die intrazelluläre Antwort auf eine β2-adernerge Stimulation. Dies resultiert einerseits in einer gesteigerten Bildung von Surfactant (Verflüssigung zähen Schleims, leichteres Abhusten) und in einer Erniedrigung der intrazellulären Ca2+-Ionenkonzentration (Erschlaffung der Bronchialmuskulatur, Bronchialerweiterung).

 

Pflanzliche Heilmittel gegen krampfartigen Husten

Neben Thymiankraut und Efeublättern hatte früher als pflanzliche Heilmittel gegen krampfartigen Husten Zubereitungen aus Sonnentaukraut eine große Bedeutung. Mit zunehmender Zerstörung der Hochmoore, des Lebensraumes der einheimischen Drosera-Arten (D. rotundifolia, D. intermedia, D. anglica), konnte man aus Naturschutzgründen kein Pflanzenmaterial mehr für medizinische Zwecke ernten. Heute importiert man vor allem Arten aus Madagaskar (D. madagascariensis) und aus Ostasien (D. peltata).

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Die Arzneipflanze Thymian gilt bei Husten zur Desinfektion als besonders wertvoll. © Mykola Ivashchenko / shutterstock.com

Die Kultivierung der traditionell verwendeten Art Drosera rotundifolia ist äußerst schwierig. Denn nährstoffarme Torfböden und kalkfreies Gießwasser sind unabdingbare Voraussetzungen. Hingegen ist eine Düngung im herkömmlichen Sinn nicht möglich. Allerdings brachten Anbauversuche auf stillgelegten Torfstichen im Waldviertel für Drosera intermedia viel versprechende Ergebnisse.

Neben landwirtschaftlichen Aspekten beschäftigte auch die Frage der Wirkstoffe die Wissenschaft. Alle Arten enthalten Naphthochinone (je nach Art vorwiegend Plumbagin oder 7-Methyljuglon), die spektrophotometrisch leicht quantifizierbar sind. Schon länger bestehen aber Zweifel, ob es sich dabei auch um die wertbestimmenden Inhaltsstoffe handelt. Pharmakologische Untersuchungen zeigten nun, dass die spasmolytische Aktivität von Herba Droserae in erster Linie auf die Flavonoide zurückzuführen ist. Grundsätzlich liegen die in ethanolischen Auszügen in hoher Konzentration, jedoch kaum in wässrigen Zubereitungen vor.

In der ärztlichen Praxis waren allerdings auch wässrige Zubereitungen aus verschiedenen Drosera-Arten deutliche wirksam, auch bei Patienten, die unter chronischen Atemwegsbeschwerden litten.


Literatur:

Hosseinkhani A, Ziaeian B, Hessami K, Zarshenas MM, Kashkooe A, Pasalar M. An Evidence-Based Review of Antitussive Herbs Containing Essential Oils in Traditional Persian Medicine. Curr Drug Discov Technol. 2020 Apr 20. doi: 10.2174/1568009620666200421091245. Epub ahead of print. PMID: 32316897.


Quellen:

MEDMIX 03/2005. Pflanzliche Heilmittel­­ gegen Husten zur Behandlung. Univ.-Prof. Mag. pharm. Dr. Reinhard Länger

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmedhealth/PMHT0025082/

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