Pertussis – Keuchhusten – wieder auf dem Vormarsch

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Jahr für Jahr steigen die Keuchhusten-Erkrankungszahlen wieder an. Vor allem seit Beginn des Jahrzehntes sind Pertussis-Erreger wieder auf dem Vormarsch.

Pertussis – der Keuchhusten – kann besonders bei Säuglingen und Kleinkindern als bedrohliche Atemwegserkrankung verlaufen. Dagegen kann Impfschutz helfen, wobei die Pertussis-Impfung aber nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene nützlich ist. Besonders werdende Mütter aber auch die dazugehörigen Väter sollten auf einen ausreichenden Impfschutz achten.

 

Weniger Keuchhusten-Imfungen und geringere Wirksamkeit er Impfstoffe

Die aktuelle Steigerung der Pertussis-Erkrankungsfälle erklären Experten einerseits damit, dass Kinder häufig nicht mehr gegen Keuchhusten geimpft werden und andererseits damit, dass Erwachsene ihren Impfschutz nicht mehr auffrischen.

Das verstärkte Auftreten der Keuchhusten-Erkrankungen ist in mehreren Industriestaaten aber auch trotz hoher Durchimpfungsraten gegeben. Deswegen vermuten Experten auch, dass die Impfstoffe eine zu geringe Wirksamkeit haben. Dadurch können sie auch nicht verhindern, dass infizierte Menschen ohne Symptome andere anstecken.

 

Ärzte sollten früh genug eine Diagnose Keuchhusten berücksichtigen

Grundsätzlich sollten behandelnde Ärzte frühzeitig an Pertussis denken, um betroffen Personen dementsprechend früh diagnostizieren und behandeln zu können. Pertussis ist wie Masern eine meldepflichtige Erkrankung. Übrigen besteht auch nach einer Keuchhusten-Erkrankung keine lebenslange Immunität. Betroffene sind dann maximal für 10 bis 20 Jahre geschützt.

 

Pertussis-Impfung – gegen Keuchhusten schützen

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Pertussis aufgrund der hohen Sterblichkeit eine sehr gefürchtete Infektionskrankheit, vor allem Kleinkinder waren betroffen. Nach dem 2. Weltkrieg wurde weltweit die Pertussis-Impfung eingeführt, und die Zahl der Infektionen und Todesfälle ging dadurch stark zurück. In den letzten Jahrzehnten tritt Keuchhusten wieder deutlich häufiger auf.

Die Pertussisimpfung ist für alle Säuglinge und Kleinkinder empfohlen, die erste Auffrischimpfung wird bereits im Vorschulalter empfohlen. Da in den ersten 4 bis 5 Lebensmonate Babys nicht sicher geschützt sind, ist es wichtig, dass vor allem Geschwisterkinder und Eltern als potenzielle Überträger der Pertussis-Bakterien – Bordetella pertussis – ebenfalls geimpft sind, um die Ansteckungsgefahr von Säuglingen so gering wie möglich zu halten.

Der Pertussis-Impfstoff ist gut verträglich und besteht aus vier Injektionen. Bereits nach der ersten Pertussis-Impfung besteht für Säuglinge ein um etwa 40% verringertes Erkrankungsrisiko, nach der zweiten Impfung 60 bis 70%. Nach der dritten Impfung besteht ein über 80%-iger Immunschutz, der im zweiten Lebensjahr aufgefrischt werden sollte. Empfohlen wird, dass die Pertussisimpfung bereits im 3. Lebensmonat begonnen wird.

 

3 Stadien der Symptome und Diagnostik

Im Gegensatz zu früher kann Keuchhusten heutzutage vor allem bei Kindern unter einem Jahr lebensbedrohlich sein. Bei älteren Kindern und Erwachsenen kommt es zu weit weniger schweren Erkrankungen, wobei man 3 Stadien definiert:

  • Erstens das Stadium catarrhale (Dauer 1 – 2 Wochen; Intervall 5-21 Tage): mit Schnupfen und unspezifischen Husten,
  • zweitens das Stadium convulsivum (Dauer 4 – 6 Wochen): Infizierte Patienten müssen dabei stark husten. Weiters kommt es zu anfallsweise auftretenden Husten­stöße – dem sogenannten Stakkatohusten, gefolgt von inspiratorischem Ziehen.
    Grundsätzlich gehen die Husten­anfälle häufig mit Hervorwürgen von zähem Schleim und anschließendem Erbrechen einher.
    Schließlich kann Husten sehr häufig auftreten. Tatsächlich bei manchen Patienten auch nachts. Oft ist auch das Symptom Fieber gar nicht bis nur gering ausgeprägt. Deswegen können höhere Temperaturen auf eine bakterielle Sekundärinfektion hinweisen.
  • Drittens das Stadium decrementi, in dem der Husten langsam wieder abklingt.

 

Die Krankheitssymptome weisen erhebliche Altersunterschiede auf

Klinische Pertussis-Kriterien wie paroxysmaler Husten, „whooping“ und Husten-assoziiertes Erbrechen sind kritisch zu hinterfragen, da die Krankheitssymptome erhebliche Altersunterschiede aufweisen. Säuglinge leiden zwar nach der Infektion an starkem Husten, das klassisch inspiratorische „whooping“ – im Sinne von „Keuch“-Husten – tritt meist erst bei älteren Kindern auf. Das Symptom paroxysmaler Husten ist nicht klar definiert, denn heftige Hustenattacken sowie Husten-assoziiertes Erbrechen kommen auch bei anderen respiratorischen Infektionen vor.

Für die Diagnostik sind die PCR – Polymerase-Kettenreaktion aus Nasopharyngeal-Abstrichen – und die Serologie (IgA- und IgG-Pertussistoxin-ELISA) entscheidend. Deswegen sollten Ärzte diese beiden Methoden bei Verdacht auf Keuchhusten so früh wie möglich einsetzen. Allerdings ist die Serodiagnostik erst ab dem 4. Lebensmonat sinnvoll und für die Frühdiagnostik ungeeignet. Denn man kann spezifische Antikörper im Serum erst etwa 3 Wochen nach Hustenbeginn nachweisen. Grundsätzlich tritt in den ersten Krankheitswochen charakteristischerweise eine Leukozytose mit Lymphozytose auf.

Aktuelle Literatur:

Kevin L. Schwartz, MD, Jeffrey C. Kwong, MD, Shelley L. Deeks, MD, Michael A. Campitelli, MPH, Frances B. Jamieson, MD, Alex Marchand-Austin, MSc, Therese A. Stukel, PhD, Laura Rosella, PhD, Nick Daneman, MD, Shelly Bolotin, PhD, Steven J. Drews, PhD, Heather Rilkoff, MPH, and Natasha S. Crowcroft, MD(Cantab). Effectiveness of pertussis vaccination and duration of immunity. CMAJ. 2016 Nov 1; 188(16): E399–E406.

Cherry JD. Pertussis in Young Infants Throughout the World. Clin Infect Dis. 2016 Dec 1;63(suppl 4):S119-S122.

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Rainer Muller

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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