Personalisierte Therapie für Patienten mit COPD und Exazerbationen

In Zukunft könnte bei COPD die Bluteosinophilie als Biomarker eine personalisierte Therapie unterstützen. © PhuShutter / shutterstock.com

In Zukunft könnte bei COPD die Bluteosinophilie als Biomarker eine personalisierte Therapie unterstützen. © PhuShutter / shutterstock.com

Eine personalisierte Therapie bei chronisch obstruktiver Lungenerkrankung ist der richtige Weg bei der Besserung der Symptome einer COPD.

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist derzeit weltweit eine der häufigsten Todesursachen. Und man erwartet, dass die Krankheit in den kommenden Jahren noch mehr Belastung verursachen wird. Häufige Symptome der COPD sind Dyspnoe, Husten und/oder Auswurf. Bei einigen Patienten kann es zu einer akuten Verschlechterung der Symptome kommen. Dann spricht man von einer Exazerbation. Dementsprechend benötigen betroffen Patienten mit COPD daher eine zusätzliche Therapie. Übrigens lösen hauptsächlich Infektionen der Atemwege sowie Umweltfaktoren die Exazerbationen aus.

Die Ziele einer COPD-Therapie sind jedenfalls die Besserung der COPD-Symptome. Und zwar wie Dyspnoe und eingeschränkter Belastbarkeit sowie die Verringerung der Progression der Krankheit. Eine personalisierte Therapie der COPD scheint dabei der richtige Weg zu sein.

Immer öfter machen sich dazu führende Experten Gedanken. Beispielsweise zu modernen Konzepten, wie dem Einsatz von Kombinationen inhalativer Kortikosteroide mit einem langwirksamen Bronchodilatator bei Patienten mit häufigen Exazerbationen. Oder aber von zwei langwirksamen Bronchodilatatoren bei Patienten mit entsprechender Symptomatik, insbesondere Dyspnoe.

 

Klassifizierung von Patienten mit COPD bedeutend für eine personalisierte Therapie

Als wichtiger konzeptioneller Schritt, um eine personalisierte Therapie anwenden zu können, kann die Klassifizierung der COPD-Patienten anhand der Einteilung der GOLD-Initiative bezeichnet werden. Auf dem ERS-Kongress im September diesen Jahres führte Prof. Neil Barnes von GSK London aus, wie vier Phänotypen (A, B, C, D) nach dem FEV1-Wert, der Symptomatik (CAT oder mMRC-Score) und dem Exazerbationsrisiko unterschieden werden, die ein Maß für das Progressionsrisiko darstellen.

Doch bei den Empfehlungen zur Therapie bei COPD gibt es innerhalb eines Phänotyps immer mehrere Alternativen. Wobei die sich auch teilweise überschneiden können. Denn selbst Patienten eines Phänotyps sind nicht absolut gleich.

Experten wünschen sich jedenfalls eine personalisierte Therapie für die Patienten. Zielführend kann in Zukunft eine noch bessere Phäno- und Endotypisierung der Patienten sein. Die beispielsweise auch biologische Charakteristika wie Eosinophile einschließt.

 

Vor allem bei Exazerbationen bei COPD als Therapie inhalative Kortikosteroide einsetzen

Aufgrund der Heterogenität der Phänotypen nimmt für Patienten mit häufigen Exazerbationen der Einsatz von Kombinationen inhalativer Kortikosteroide (ICS) und langwirksamer Beta-2- Sympathomimetika (LABA) an Bedeutung zu, wie Barnes betonte.

Aus einer Cochrane-Meta- Analyse geht hervor, dass sich das Risiko für Exazerbationen durch Hinzufügen eines ICS zu einem LABA signifikant um 24% senken lässt.

Doch Exazerbationen werden durch unterschiedliche Faktoren, wie Bakterien oder Viren, begünstigt. Dabei hat sich in einer Vergleichsstudie von ICS/LABA-Fixkombination und Vilanterol-Monotherapie gezeigt, dass Patienten mit Bluteosinophilen ≥ 2% bzw. ≥ 150 Zellen/μl höhere Exazerbationsraten unter Vilanterol-Monotherapie aufweisen und von einer stärkeren Reduktion von Exazerbationen unter Therapie mit einer ICS/LABA-Fixkombination profitieren.

In Zukunft könnte bei Patienten mit häufigen Exazerbationen die Bluteosinophilie als Biomarker in der Entscheidung für den Einsatz der inhalativen Kortikosteroide heranzuziehen.

In den Studien wurden ausschließlich COPD-Patienten untersucht. Patienten mit asthmatischer Komponente waren hingegen ausgeschlossen. ICS/LABA-Fixkombinationen reduzierten dabei verglichen mit Vilanterol bei Patienten mit Bluteosinophilen von ≥ 150 Zellen/μl moderate und schwere Exazerbationen signifikant um 37%.

Retrospektive Analysen zeigen, dass mehr als 50% der exazerbierenden COPD-Patienten einen Bluteosinophilen-Wert > 2% aufweisen. Damit eröffnet sich die Möglichkeit, in Zukunft bei Patienten mit häufigen Exazerbationen die Bluteosinophilie als Biomarker – für eine personalisierte Therapie – in die Entscheidung für den Einsatz von ICS einzubeziehen. 

 

Die Duale Bronchodilatation ist effektiver als Monotheraphie

Ein neuer Ansatz zur Therapieansatz für die zahlreichen Patienten mit COPD, ist die Bronchodilatation mit Kombinationen von LABA und LAMA (langwirksamen antimuscarinergen Medikamenten) von Anfang an. Und zwar wenn bei den Patienten die Atemnot als Symptom im Vordergrund steht sowie die unter einem Bronchodilatator weiterhin symptomatisch bleiben. Da die Wirkmechanismen von LABA und LAMA weitgehend unabhängig voneinander sind, kommt es zu einem synergistischen Effekt.

Unter dem Strich verbessert die Therapie mit effektiven Medikamente gegen COPD die Lungenfunktion. Weiter senken sie das Risiko für Exazerbationen. Und schließlich verbessern sie auch die Lebensqualität. Aber von Interesse sei auch, wie effektiv sie darin sind, eine klinisch bedeutsame Verschlechterung zu verhindern, betonte Singh. Darunter versteht man eine Abnahme des FEV1-Talwerts um ≥ 100 ml, des SGRQ-Score um ≥ 4 Punkte oder das Auftreten mittelschwerer bis schwerer Exazerbationen.


Literatur:

Vogelmeier CF, Román-Rodríguez M, Singh D, Han MK, Rodríguez-Roisin R, Ferguson GT. Goals of COPD treatment: Focus on symptoms and exacerbations. Respir Med. 2020 May;166:105938. doi: 10.1016/j.rmed.2020.105938. Epub 2020 Mar 21. PMID: 32250871.

Pascoe S, Locantore N, Dransfield MT, Barnes NC, Pavord I. Blood eosinophil counts as markers of response to inhaled corticosteroids in COPD?–Authors‘ reply. Lancet Respir Med. 2015 Aug;3(8):e27. doi: 10.1016/S2213-2600(15)00259-3. PMID: 26282479.

Maleki-Yazdi MR, Kaelin T, Richard N, Zvarich M, Church A. Efficacy and safety of umeclidinium/vilanterol 62.5/25 mcg and tiotropium 18 mcg in chronic obstructive pulmonary disease. Results of a 24-week, randomized, controlled trial. Respir Med. 2014 Dec;108(12):1752-60. doi: 10.1016/j.rmed.2014.10.002. PMID: 25458157.

Nannini LJ, Poole P, Milan SJ, Holmes R, Normansell R. Combined corticosteroid and long-acting beta₂-agonist in one inhaler versus placebo for chronic obstructive pulmonary disease. Cochrane Database Syst Rev. 2013 Nov 10;2013(11):CD003794. doi: 10.1002/14651858.CD003794.pub4. PMID: 24214176; PMCID: PMC6485527.

Dransfield MT, Bourbeau J, Jones PW, Hanania NA, Mahler DA, Vestbo J, Wachtel A, Martinez FJ, Barnhart F, Sanford L, Lettis S, Crim C, Calverley PM. Once-daily inhaled fluticasone furoate and vilanterol versus vilanterol only for prevention of exacerbations of COPD. Two replicate double-blind, parallel-group, randomised controlled trials. Lancet Respir Med. 2013 May;1(3):210-23. doi: 10.1016/S2213-2600(13)70040-7. Epub 2013 Apr 12. Erratum in: Lancet Respir Med. 2013 May;1(3):186. PMID: 24429127.


Quelle:

Maleki-Yazdi MR et al.: ERS-Kongress 2015, Amsterdam; Poster PA1001;

GOLD Reports, Update January 2022; http://www.goldcopd.org/

Die mobile Version verlassen