Personalisierte Therapie bei COPD

0

Eine personalisierte Therapie bei chronisch obstruktiver Lungenerkrankung wird der richtige Weg sein, um eine Besserung der COPD-Symptome zu erreichen.

Die Ziele einer COPD-Therapie sind die Besserung der COPD-Symptome – wie Dyspnoe und eingeschränkter Belastbarkeit sowie die Verringerung der Krankheitsprogression. Eine personalisierte Therapie scheint dabei der richtige Weg zu sein.

Immer öfter machen sich führende Experten Gedanken zu modernen Konzepten, wie dem Einsatz von Kombinationen inhalativer Kortikosteroide mit einem langwirksamen Bronchodilatator bei Patienten mit häufigen Exazerbationen oder von zwei langwirksamen Bronchodilatatoren bei Patienten mit entsprechender Symptomatik, insbesondere Dyspnoe.

 

Klassifizierung von COPD-Patienten bedeutend für eine personalisierte Therapie

Als wichtiger konzeptioneller Schritt, um eine personalisierte Therapie anwenden zu können, kann die Klassifizierung der COPD-Patienten anhand der Einteilung der GOLD-Initiative bezeichnet werden. Auf dem ERS-Kongress im September diesen Jahres führte Prof. Neil Barnes von GSK London aus, wie vier Phänotypen (A, B, C, D) nach dem FEV1-Wert, der Symptomatik (CAT oder mMRC-Score) und dem Exazerbationsrisiko unterschieden werden, die ein Maß für das Progressionsrisiko darstellen.

Doch bei den Empfehlungen zur COPD-Therapie gibt es innerhalb eines Phänotyps immer mehrere Alternativen, die sich auch teilweise überschneiden. Denn selbst Patienten eines Phänotyps sind nicht absolut gleich. „Was wir uns wünschen, wäre eine personalisierte Therapie für Patienten“, sagte Prof. Nicolas Roche von der Universität Paris im Rahmen des Symposiums beim europäischen Atemwegskongress ERS. Zielführend kann in Zukunft eine noch bessere Phäno- und Endotypisierung der Patienten sein, die auch biologische Charakteristika wie Eosinophile einschließt.

In Zukunft könnte bei Patienten mit häufigen Exazerbationen die Bluteosinophilie als Biomarker in der Entscheidung für den Einsatz der inhalativen Kortikosteroide heranzuziehen.

 

Vor allem bei Exazerbationen inhalative Kortikosteroide einsetzen

Aufgrund der Heterogenität der Phänotypen nimmt für Patienten mit häufigen Exazerbationen der Einsatz von Kombinationen inhalativer Kortikosteroide (ICS) und langwirksamer Beta-2- Sympathomimetika (LABA) an Bedeutung zu, wie Barnes betonte.

Aus einer Cochrane-Meta- Analyse geht hervor, dass sich das Risiko für Exazerbationen durch Hinzufügen eines ICS zu einem LABA signifikant um 24% senken lässt.

Doch Exazerbationen werden durch unterschiedliche Faktoren, wie Bakterien oder Viren, begünstigt. Dabei hat sich in einer Vergleichsstudie von ICS/LABA-Fixkombination und Vilanterol-Monotherapie gezeigt, dass Patienten mit Bluteosinophilen ≥ 2% bzw. ≥ 150 Zellen/μl höhere Exazerbationsraten unter Vilanterol-Monotherapie aufweisen und von einer stärkeren Reduktion von Exazerbationen unter Therapie mit einer ICS/LABA-Fixkombination profitieren.

In den Studien wurden ausschließlich COPD-Patienten untersucht. Patienten mit asthmatischer Komponente waren hingegen ausgeschlossen. ICS/LABA-Fixkombinationen reduzierten dabei verglichen mit Vilanterol bei Patienten mit Bluteosinophilen von ≥ 150 Zellen/μl moderate und schwere Exazerbationen signifikant um 37%.

Retrospektive Analysen zeigen, dass mehr als 50% der exazerbierenden COPD-Patienten einen Bluteosinophilen-Wert > 2% aufweisen. Damit eröffnet sich die Möglichkeit, in Zukunft bei Patienten mit häufigen Exazerbationen die Bluteosinophilie als Biomarker – für eine personalisierte Therapie – in die Entscheidung für den Einsatz von ICS einzubeziehen. 

Duale Bronchodilatation effektiver als Monotheraphie

Ein neuer Therapieansatz für die zahlreichen COPD-Patienten, bei denen Atemnot als Symptom im Vordergrund steht und die unter einem Bronchodilatator weiterhin symptomatisch bleiben, ist die Bronchodilatation mit Kombinationen von LABA und LAMA (langwirksamen antimuscarinergen Medikamenten) von Anfang an, erklärte Prof. Dave Singh, Universität Manchester, den Symposiumsbesuchern. Da die Wirkmechanismen von LABA und LAMA weitgehend unabhängig voneinander sind, kommt es zu einem synergistischen Effekt, so Singh.

Viele effektive COPD-Medikamente verbessern die Lungenfunktion, senken das Exazerbationsrisiko und verbessern die Lebensqualität. Aber von Interesse sei auch, wie effektiv sie darin sind, eine klinisch bedeutsame Verschlechterung zu verhindern, betonte Singh. Darunter versteht man eine Abnahme des FEV1-Talwerts um ≥ 100 ml, des SGRQ-Score um ≥ 4 Punkte oder das Auftreten mittelschwerer bis schwerer Exazerbationen. 

Quelle und Literatur:

GOLD Guidelines, Update January 2015; http://www.goldcopd.org/uploads/users/files/GOLD_Report_2015.pdf;

Nannini LJ et al.: Cochrane database syst rev 2013; 8: CD006826;

Dransfield MT et al.: Lancet Respir Med 2013; 1: 210-223;

Pascoe S et al.: Lancet Respir Med; published online April 13, 2015; DOI: http://dx.doi.org/10.1016/S2213-2600(15)00106-X;

DiSantostefano et al.: Am J Respir Crit Care Med 191;2015:A3980;

Maleki-Yazdi MR et al.: Respir Med 2014; 108: 1752-1760;

Maleki-Yazdi MR et al.: ERS-Kongress 2015, Amsterdam; Poster PA1001;

Share.

About Author

Rainer Muller

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

Comments are closed.