PAVK – mit der Schaufensterkrankheit in den Beinen

Die Schaufensterkrankheit PAVK – periphere arterielle Verschlusskrankheit – verursacht am Beginn der Krankheit typischerweise Schmerzen in den Beinen. Diese zwingen die Betroffenen zum wiederholten Verweilen beim Gehen, ähnlich einem Schaufensterbummel. © www.afcom.at

Die Schaufensterkrankheit PAVK – periphere arterielle Verschlusskrankheit – verursacht am Beginn der Krankheit typischerweise Schmerzen in den Beinen. Diese zwingen die Betroffenen zum wiederholten Verweilen beim Gehen, ähnlich einem Schaufensterbummel. © www.afcom.at

Als PAVK bezeichnet man medizinisch die bekannte Schaufensterkrankheit in den Beinen, dabei leiden die Patienten an schweren Durchblutungsstörungen.

Wenn beim Spazierengehen oder Wandern Schmerzen in der Waden- und Oberschenkelmuskulatur auftreten, so steckt oft eine schlechte Beindurchblutung dahinter. Man spricht dann auch von der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit, kurz PAVK, oder auch von der Schaufensterkrankheit, die mit Schmerzen und schweren Durchblutungsstörungen einhergeht. Die Schmerzen können sich schon nach 50 bis 100 Meter einstellen. Und bei PAVK, der Schaufensterkrankheit, in den Beinen hat dass dann nichts mit einem Muskelkater zu tun.

 

Schaufensterkrankheit, weil Betroffene mit PAVK immer wieder vor Auslagen stehen bleiben müssen!

Diese Beschwerden treten, zumindest am Beginn der Krankheit, typischerweise nur bei Belastung auf und verschwinden in Ruhe sehr schnell wieder. Damit zwingen sie die Betroffenen zum wiederholten Verweilen beim Gehen, ähnlich einem Schaufensterbummel. Dadurch hat sich in der Umgangssprache der Begriff Schaufensterkrankheit in den Beinen festgesetzt. Hinter diesem verharmlosenden Begriff stecken jedoch ernste Durchblutungsstörungen. In Mitteleuropa ist ab dem 55. Lebensjahr jeder Zehnte davon betroffen, bei den über 70- jährigen schon eine von vier Personen.


Stadien der PAVK – der Schaufensterkrankheit in den Beinen

I: Keine Symptome, Diagnose jedoch schon möglich

IIa: Beschwerden bei Gehstrecke von mehr als 200 Metern

IIb: Beschwerden bei Gehstrecke von weniger als 200 Metern

III: Ruheschmerz

IV: Untergang von Gewebe (offene Stellen, Geschwüre)


Wie eine PAVK entsteht

Unsere Blutgefäße sind, vereinfacht ausgedrückt, Schläuche (ähnlich einem Gartenschlauch), wobei die Wand der Gefäße aus vielen verschiedenen Schichten zusammengesetzt ist. Kommt es zur Ablagerung von Kalk im Inneren der Gefäße, dann führt das zu einer schlechten Durchblutung. Man spricht von der Artherosklerose, der allgemeinen Gefäßverkalkung.

Am Anfang der Erkrankung treten die Symptome wie Schmerzen, Krämpfe, Spannungs- und Schwere-Gefühl nur bei starkem Sauerstoffbedarf des Gewebes bei Belastung, beispielsweise beim bergauf Gehen, auf. Wird nicht behandelt, so verspüren die Betroffenen quälende Schmerzen auch in Ruhe, da die Arterien ständig zu eng sind. Später kommt es durch Gewebeuntergang zu Hautdefekten wie den „offenen Beinen“ sowie schlussendlich zum Absterben von einzelnen Zehen oder des ganzen Beins.

Gleichzeitig sind oft auch die Arterien des Herzens und des Gehirns mitbetroffen, was wiederum zu Herzinfarkten und Schlaganfällen führen kann. Doch soweit sollte es bei regelmäßigen Kontrollen der Beindurchblutung und dank hervorragender Therapiemöglichkeiten erst gar nicht kommen.

 

Wer ist gefährdet, an einer PAVK zu erkranken?

Zu einem gewissen Anteil ist die Artherosklerose genetisch vorbestimmt, zahlreiche Faktoren können das Risiko jedoch potenzieren:

 

Die Diagnose der Schaufensterkrankheit in den Beinen

Fuß- und Wadenschmerzen, Krämpfe, schwere und kalte Füße aber auch Hautveränderungen an den Beinen, Ekzeme, Jucken und kleine Wunden oder offene Stellen können ihre Ursache in einer PAVK haben. Bei Verdacht auf Durchblutungsstörungen sollte der Arzt sofort die Fußpulse des Patienten tasten. Ein Fehlen oder eine deutliche Schwäche der Fußpulse erfordert eine weitere Abklärung. Dies erfolgt mittels einer einfachen und schmerzlosen Ultraschallmessung, die einen Überblick über die globale Durchblutung gibt.

Sind die Resultate schlecht, lassen sich mittels spezieller Techniken wie der Becken-Beinangiographie, der Farbduplex-Sonographie sowie der Magnetresonanz-Angiographie noch genauere Ergebnisse mit exakter Lokalisation der Engstelle gewinnen.

Gleichzeitig sollte ein Internist auch die Durchblutung der Halsschlagadern mittels Ultraschall sowie der Herzkranzgefäße mittels Belastungs-EKG (Ergometrie) überprüfen, da Durchblutungsstörungen gerne an mehreren Stellen im Körper auftreten. Raucher müssen sich einer Lungenfunktionsprüfung unterziehen. Eine gründliche Analyse von Blut und Harn gibt wertvolle Aufschlüsse über vorhandene Risikofaktoren.

 

Bei PAVK: wie man die Schaufensterkrankheit in den Beinen behandeln kann

Sind erst einmal eine oder mehrere Gefäßengstellen entdeckt, stehen verschiedene Möglichkeiten für die Therapie zur Wahl. Da gibt es einerseits durchblutungsfördernde Medikamente, die vor allem als Infusion verabreicht werden. Zusätzlich empfiehlt sich zur Behandlung ein Thrombozyten-Funktionshemmer. Das sind Medikamente, die die Tätigkeit der Blutplättchen etwas hemmen und dadurch das Blut geschmeidiger machen. Ein Verstopfen der Arterien durch Blutgerinnsel wird somit verhindert.

Gelingt es alleine durch Medikamente nicht eine adäquate Beindurchblutung herzustellen, bietet sich von operativer Seite die Ballondilatation an: hier wird mit einem Katheter, der in das verengte Gefäß eingebracht wird, bis zur Engstelle vorgegangen und diese dann mit Hilfe eines am Katheterende sitzenden aufpumpbaren Ballons aufgedehnt. Zur weiteren Offenhaltung des Gefäßes kann ein Stent, eine Art stützendes Drahtgeflecht, in die Arterie eingesetzt werden. Ist die zu behandelnde verengte Gefäßstrecke für die Ballondilatation zu lang, kommt ein Bypass in Frage. Das ist ein zusätzliches, künstlich angelegtes Gefäß, mit dem die Engstelle überbrückt wird. Aber besser als operieren ist natürlich vorbeugen!

 

Die Schaufensterkrankheit in den Beinen ist eine häufige Krankheit mit oft schwerwiegenden Folgen.

Mit einer konsequenten Änderung des Lebensstils wie Rauchstopp, gesunde Ernährung und reichlich Bewegung bei regelmäßiger ärztlicher Betreuung – Frühdiagnose, Blutdruck-und Stoffwechseleinstellung, medikamentöse und operative Therapie – können man der Schaufensterkrankheit in den Beinen vorbeugen oder eine schon vorhandene sehr schlechte Durchblutung wieder verbessern.

 

Wie man bei PAVK die Durchblutung verbessern und die Schaufensterkrankheit verhindern kann

Zur Vorbeugung gegen die PAVK in den Beinen müssen zunächst sämtliche Risikofaktoren minimiert werden. Eine Nikotinentwöhnung bei Rauchern ist Pflicht, Blutdruck und Blutzucker sollten beim Internisten optimal eingestellt werden.

Zur Ernährung empfiehlt sich eine fettarme, vitaminreiche Kost mit viel Gemüse, Salaten und Obst. Viele in diesen Nahrungsmitteln enthaltenen Vitamine und Spurenelemente besitzen eine entzündungshemmende und durchblutungsfördernde Wirkung. Tierische Fette sollten Betroffene meiden, weil diese den Cholesterinspiegel erhöhen und Verkalkungen begünstigen.

Dagegen wirken sich Pflanzenöle – mit Ausnahme von Kokosfett und Palmkernöl – sowie die in allen Fischen enthalten Omega-3- und -6-Fettsäuren auf Cholesterin, Blutdruck und Durchblutung sehr günstig aus. Empfohlen wird daher viel Fisch und das Verwenden von mehr Pflanzenölen beim Kochen.

Bei übergewichtigen Patienten wird eine Gewichtsreduktion angestrebt, womit einerseits Blutzucker, Blutdruck und Blutfette gesenkt, andererseits die Lust an der Bewegung erhöht wird.

 

Regelmäßige körperliche Aktivitäten

Der beste Schutz gegen die Schaufensterkrankheit in den Beinen ist eben eine regelmäßige Bewegung wie Spazieren gehen, Rad fahren, Treppen steigen oder Zehenstandübungen. All das fördert die Durchblutung. Optimal ist das Verwenden einer Pulsuhr beim Training, um sich ständig im Kardio-Bereich zu bewegen. Ein Fahrrad- oder Laufband-Belastungstest gibt Aufschluss über den optimalen Trainingspuls.


Literatur:

Li C, Kitzerow O, Nie F, Dai J, Liu X, Carlson MA, Casale GP, Pipinos II, Li X. Bioengineering strategies for the treatment of peripheral arterial disease. Bioact Mater. 2020 Sep 22;6(3):684-696. doi: 10.1016/j.bioactmat.2020.09.007. PMID: 33005831; PMCID: PMC7511653.

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Michael R. Zemaitis; Fatmata Bah; Julia M. Boll; Mark A. Dreyer. Peripheral Arterial Disease. StatPearls [Internet]. Last Update: June 16, 2021.

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Falk J, Haaf HG, Brünger M. Rehabilitation von Menschen mit einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit im Kontext aktueller Leitlinien. Eine Analyse auf Basis von Routinedaten. Rehabilitation (Stuttg). 2019 Aug;58(4):225-233. doi: 10.1055/a-0620-6911. Epub 2018 Jul 2.

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