PAVK – die Schaufensterkrankheit in den Beinen

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Als PAVK bezeichnet man medizinisch die bekannte Schaufensterkrankheit in den Beinen – das sind schwere, zu behandelnde Durchblutungsstörungen.

Wenn beim Spazierengehen oder Wandern Schmerzen in der Waden- und Oberschenkelmuskulatur auftreten, so steckt oft eine schlechte Beindurchblutung – auch genannt periphere arterielle Verschlusskrankheit, kurz PAVK – dahinter. Die Schmerzen können sich schon nach 50 bis 100 Meter einstellen. Und das hat nichts mit einem Muskelkater zu tun.

Diese Beschwerden treten, zumindest am Beginn der Krankheit, typischerweise nur bei Belastung auf und verschwinden in Ruhe sehr schnell wieder. Damit zwingen sie die Betroffenen zum wiederholten Verweilen beim Gehen, ähnlich einem Schaufensterbummel. Dadurch hat sich in der Umgangssprache der Begriff Schaufensterkrankheit in den Beinen festgesetzt. Hinter diesem verharmlosenden Begriff stecken jedoch ernste Durchblutungsstörungen. In Mitteleuropa ist ab dem 55. Lebensjahr jeder Zehnte davon betroffen, bei den über 70- jährigen schon eine von vier Personen.

Stadien der PAVK – der Schaufensterkrankheit in den Beinen

I: Keine Symptome, Diagnose jedoch schon möglich

IIa: Beschwerden bei Gehstrecke von mehr als 200 Metern

IIb: Beschwerden bei Gehstrecke von weniger als 200 Metern

III: Ruheschmerz

IV: Untergang von Gewebe (offene Stellen, Geschwüre)

 

Wie eine PAVK entsteht

Unsere Blutgefäße sind, vereinfacht ausgedrückt, Schläuche (ähnlich einem Gartenschlauch), wobei die Wand der Gefäße aus vielen verschiedenen Schichten zusammengesetzt ist. Kommt es zur Ablagerung von Kalk im Inneren der Gefäße, dann führt das zu einer schlechten Durchblutung. Man spricht von der Artherosklerose, der allgemeinen Gefäßverkalkung.

Am Anfang der Erkrankung treten die Symptome wie Schmerzen, Krämpfe, Spannungs- und Schweregefühl nur bei starkem Sauerstoffbedarf des Gewebes bei Belastung, z.B. beim Bergaufgehen, auf. Wird nicht behandelt, so verspüren die Betroffenen quälende Schmerzen auch in Ruhe, da die Arterien ständig zu eng sind. Später kommt es durch Gewebeuntergang zu Hautdefekten wie den „offenen Beinen“ sowie schlussendlich zum Absterben von einzelnen Zehen oder des ganzen Beins.

Gleichzeitig sind oft auch die Arterien des Herzens und des Gehirns mitbetroffen, was wiederum zu Herzinfarkten und Schlaganfällen führen kann. Doch soweit sollte es bei regelmäßigen Kontrollen der Beindurchblutung und dank hervorragender Therapiemöglichkeiten erst gar nicht kommen.

 

Wer ist gefährdet, an einer PAVK zu erkranken?

Zu einem gewissen Anteil ist die Artherosklerose genetisch vorbestimmt, zahlreiche Faktoren können das Risiko jedoch potenzieren:

  • Rauchen: der Hauptrisikofaktor schlechthin. Nikotin bewirkt nicht nur eine Engerstellung der Gefäße sondern wirkt auch ungünstig auf den Stoffwechsel. Eine Entwöhnung ist jederzeit sinnvoll und absolut notwendig.
  • Diabetes mellitus: hohe Blutzuckerwerte fördern die Artherosklerose. Ein Diabetiker hat ein etwa vierfach höheres Erkrankungsrisiko, weshalb ein korrektes Einstellen des Zuckerspiegels äußerst wichtig ist.
  • Erhöhte Cholesterin- und Triglyzeridwerte: erhöhte Blutfette begünstigen ebenfalls die Gefäßverkalkung. Wichtig ist jedoch nicht nur die absolute Höhe des Gesamtcholesterins sondern vor allem das Verhältnis von HDL („gutes“) und LDL („schlechtes Cholesterin“). Bis zu einem gewissen Wert sind beide Parameter über korrekte Ernährung (mediterrane Kost, Meiden von tierischen Fetten, viel Obst und Gemüse) sowie Bewegung und Sport zu beeinflussen. Mehr als die Hälfte des Cholesterins wird jedoch von unserer Nahrung unabhängig im Körper selbst produziert, weshalb bei stark erhöhten Blutfetten auch die Einnahme eines Cholesterinsenkers ratsam ist.
  • Bluthochdruck: Die mechanische Belastung durch ständig erhöhten Blutdruck führt zur Wandverdickung und -versteifung und somit zu einer deutlich schlechteren Durchblutung. Eine korrekte Einstellung des Blutdrucks ist daher unumgänglich.

 

Die Diagnose der Schaufensterkrankheit in den Beinen

Fuß- und Wadenschmerzen, Krämpfe, schwere und kalte Füße aber auch Hautveränderungen an den Beinen, Ekzeme, Jucken und kleine Wunden oder offene Stellen können ihre Ursache in einer PAVK haben. Bei Verdacht auf eine Durchblutungsstörung sollte der Arzt sofort die Fußpulse des Patienten tasten. Ein Fehlen oder eine deutliche Schwäche der Fußpulse erfordert eine weitere Abklärung. Dies erfolgt mittels einer einfachen und schmerzlosen Ultraschallmessung, die einen Überblick über die globale Durchblutung gibt.

Sind die Resultate schlecht, lassen sich mittels spezieller Techniken wie der Becken-Beinangiographie, der Farbduplex-Sonographie sowie der Magnetresonanz-Angiographie noch genauere Ergebnisse mit exakter Lokalisation der Engstelle gewinnen.

Gleichzeitig sollte ein Internist auch die Durchblutung der Halsschlagadern mittels Ultraschall sowie der Herzkranzgefäße mittels Belastungs-EKG (Ergometrie) überprüfen, da Durchblutungsstörungen gerne an mehreren Stellen im Körper auftreten. Raucher müssen sich einer Lungenfunktionsprüfung unterziehen. Eine gründliche Analyse von Blut und Harn gibt wertvolle Aufschlüsse über vorhandene Risikofaktoren.

 

Schaufensterkrankheit in den Beinen behandeln

Sind erst einmal eine oder mehrere Gefäßengstellen entdeckt, stehen verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Wahl. Da gibt es einerseits durchblutungsfördernde Medikamente, die vor allem als Infusion verabreicht werden. Zusätzlich empfiehlt sich zur Behandlung ein Thrombozyten-Funktionshemmer. Das sind Medikamente, die die Tätigkeit der Blutplättchen etwas hemmen und dadurch das Blut geschmeidiger machen. Ein Verstopfen der Arterien durch Blutgerinnsel wird somit verhindert.

Gelingt es alleine durch Medikamente nicht eine adäquate Beindurchblutung herzustellen, bietet sich von operativer Seite die Ballondilatation an: hier wird mit einem Katheter, der in das verengte Gefäß eingebracht wird, bis zur Engstelle vorgegangen und diese dann mit Hilfe eines am Katheterende sitzenden aufpumpbaren Ballons aufgedehnt. Zur weiteren Offenhaltung des Gefäßes kann ein Stent, eine Art stützendes Drahtgeflecht, in die Arterie eingesetzt werden. Ist die zu behandelnde verengte Gefäßstrecke für die Ballondilatation zu lang, kommt ein Bypass in Frage. Das ist ein zusätzliches, künstlich angelegtes Gefäß, mit dem die Engstelle überbrückt wird. Aber besser als operieren ist natürlich vorbeugen!

 

Die Schaufensterkrankheit in den Beinen ist eine häufige Krankheit mit oft schwerwiegenden Folgen.

Mit einer konsequenten Änderung des Lebensstils wie Rauchstopp, gesunde Ernährung und reichlich Bewegung bei regelmäßiger ärztlicher Betreuung – Frühdiagnose, Blutdruck-und Stoffwechseleinstellung, medikamentöse und operative Therapie – können man der Schaufensterkrankheit in den Beinen vorbeugen oder eine schon vorhandene sehr schlechte Durchblutung wieder verbessern.

 

Wie kann ich meine Durchblutung verbessern und PAVK verhindern

Zur Vorbeugung gegen die PAVK in den Beinen müssen zunächst sämtliche Risikofaktoren minimiert werden. Eine Nikotinentwöhnung bei Rauchern ist Pflicht, Blutdruck und Blutzucker sollten beim Internisten optimal eingestellt werden.

Zur Ernährung empfiehlt sich eine fettarme, vitaminreiche Kost mit viel Gemüse, Salaten und Obst. Viele in diesen Nahrungsmitteln enthaltenen Vitamine und Spurenelemente besitzen eine entzündungshemmende und durchblutungsfördernde Wirkung. Tierische Fette sollten Betroffene meiden, weil diese den Cholesterinspiegel erhöhen und Verkalkungen begünstigen.

Dagegen wirken sich Pflanzenöle – mit Ausnahme von Kokosfett und Palmkernöl – sowie die in allen Fischen enthalten Omega-3- und -6-Fettsäuren auf Cholesterin, Blutdruck und Durchblutung sehr günstig aus. Empfohlen wird daher viel Fisch und das Verwenden von mehr Pflanzenölen beim Kochen.

Bei übergewichtigen Patienten wird eine Gewichtsreduktion angestrebt, womit einerseits Blutzucker, Blutdruck und Blutfette gesenkt, andererseits die Lust an der Bewegung erhöht wird.

Der beste Schutz gegen die Schaufensterkrankheit in den Beinen ist eben eine regelmäßige Bewegung wie Spazieren gehen, Rad fahren, Treppen steigen oder Zehenstandübungen. All das fördert die Durchblutung. Optimal ist das Verwenden einer Pulsuhr beim Training, um sich ständig im Kardio-Bereich zu bewegen. Ein Fahrrad- oder Laufband-Belastungstest gibt Aufschluss über den optimalen Trainingspuls.

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Dr. Thomas Schwingenschlögl

Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie sowie Ernährungsmediziner Zusatzausbildungen: Österreichisches Ärztekammerdiplom für Akupunktur Österreichisches Ärztekammerdiplom für Ernährungsmedizin Österreichisches Ärztekammerdiplom für Kurmedizin Österreichisches Ärztekammerdiplom für Notfallmedizin Österreichisches Ärztekammerdiplom für Neuraltherapie Österreichisches Ärztekammerdiplom für Manuelle Medizin (Chirotherapie) Ordination: Reisenbauerring 5/1/5, A - 2351 Wiener Neudorf Ordinationszeiten: Montag, Dienstag, Donnerstag von 8.00 bis 14.00 Uhr Mittwoch von 8.00 bis 18.00 Uhr Tel: 02236 / 865 910 E-Mail: gesundheit@dr-schwingenschloegl.at Wahlarzt für alle Kassen.

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