Babys zuhause Passivrauchen müssen

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Passivrauchen verursacht schwerwiegende gesundheitliche Konsequenzen, dennoch sind laut WHO weltweit etwa 50 Prozent der Kinder Passivrauchen ausgesetzt.

Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben jährlich sterben sieben Millionen Menschen sterben an den Folgen des Tabakrauchs. Obwohl längst bekannt ist, dass auch Passivrauchen massiv die Gesundheit schädigt und bei Kindern ganz besonders schwerwiegende gesundheitliche Konsequenzen nach sich zieht, ist wird weltweit rund jedes zweite Kind mit Passivrauchen konfrontiert. Eine aktuelle Studie in Österreich zeigt, dass in vielen Haushalten Säuglinge durch Passivrauchen gefährdet werden.

 

Passivrauchen zuhause

Eine Studie aus dem Wilhelminenspital in Wien, bei der die Daten von 185 Säuglingen analysiert wurden, die wegen schwerer RSV-Infektion der Atemwege (Respiratory Syncytial Virus) eingeliefert wurden, zeigte erschreckende Ergebnisse:

  • Bei knapp 48 % der Säuglinge unter einem Jahr, die im Spital behandelt wurden, wird in deren unmittelbaren Umfeld geraucht.
  • Knapp 42 % der rauchenden Eltern gaben bei der Befragung an, auch in der Wohnung zu rauchen.

Kinderfachärztin OÄ Priv.-Doz.in Dr.in Angela Zacharasiewicz, im Wilhelminenspital als Oberärztin der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde, in der die Studie durchgeführt wurde, tätig und eine der Autorinnen der Studie erklärte dazu: „Die Schädigungen durch Rauchexposition reichen vom Fötus über das Kindes- und Jugend- bis hin zum Erwachsenenalter. Je jünger die Kinder aber sind, desto verletzlicher sind sie. Denn weder die Lunge noch andere Organe, wie die für die Entgiftung wichtige Leber, sind zu diesem Zeitpunkt ausgereift.“ Im Schnitt waren die in die Studie einbezogenen Babys 106 Tage alt, also gerade etwas mehr als drei Monate. Zacharasiewicz: „Akute Atemwegsinfektionen stehen in einer direkten Dosis-Wirkungsbeziehung zur Tabakexposition; also je öfter das Kind Passivrauch ausgesetzt ist, desto größer ist der Schaden. Tabakexposition vor und nach der Geburt erhöht das Risiko deutlich, an Asthma zu erkranken.“

Bei der Befragung gaben etwa 20% der Mütter an, aktive Raucherinnen zu sein. Es ist aber anzunehmen, dass die Dunkelziffer noch höher liegt. 20% der befragten Mütter hatten – laut eigener Angabe – auch während der Schwangerschaft geraucht. Die Studie zeigt weiters, dass Kinder mit Cotinin – dem Abbauprodukt von Nikotin – im Harn auch ein signifikant niedrigeres Geburtsgewicht hatten – dies ist vermutlich durch das Rauchen der Mütter in der Schwangerschaft zu erklären. Zacharasiewicz: „Unter anderem schädigt Rauchen – aktiv ebenso wie passiv – direkt die Lungenentwicklung des Fötus. Zusätzlich kommen indirekte Effekte durch die schlechtere Funktion des Mutterkuchens zustande, da Nikotin und andere Gifte sich hier ansammeln und ein ganz besonderer Giftcocktail entsteht“. Es kommt zu Schädigungen des Immunsystems und in der Folge zu einer erhöhten Rate an Infektionen.“

Besonders alarmierend ist die Tatsache, dass 13,5% der befragten Eltern von Säuglingen auch in Anwesenheit des Kindes selbst dann rauchen, wenn das Kind bereits an einem respiratorischen Infekt, also einem Infekt der Atemwege erkrankt ist. Zacharasiewicz: „Sie rauchen vor ihrem kranken Kind so viel, dass das Baby messbare Giftstoffwerte/Nikotinabbauprodukte im Körper trägt und diese über den Harn dann gemessen werden könnten.“

In der Studie wurde ebenfalls erhoben, in welchem Ausmaß die Babys dem Passivrauchen ausgesetzt sind: In knapp 9% der Fälle gaben die Eltern der Säuglinge die Auskunft, dass täglich mehr als 20 Zigaretten zu Hause geraucht werden. 8% der Eltern geben an, dass die Säuglinge bis zu drei Stunden pro Tag in einem geschlossenen Raum verbringen, in dem geraucht wird. Im internationalen Vergleich ist dieser Anteil hoch. In Deutschland zeigte eine Untersuchung von Kuntz B et al. schon im Jahr 2012, dass laut Angaben der Eltern der Anteil der Kinder, die zu Hause dem Passivrauchen ausgesetzt sind, auf 6,6 % gesunken war.

 

Nichtraucherschutz für Kinder

Zacharasiewicz: „Die Studie zeigt, wie weit Österreich beim Nichtraucherschutz, speziell, was Kinder betrifft, hinterherhinkt. Wir sind nicht einmal in der Lage, unsere eigenen Kinder zu schützen. Dabei ist die Faktenlage ganz klar: Die kindliche Lunge ist besonders empfindlich und Schäden an der Lunge während der Wachstumsphase in der Kindheit werden spätestens im Erwachsenenalter zum Problem. Ein klarer Zusammenhang zwischen schlechter Lungenfunktion und frühem Tod ist längst erwiesen.“ Die Expertin fordert ein ganzes Maßnahmenbündel: Von der Intensivierung der gezielten Aufklärung via Medienkampagnen, in Schulen und Kindergärten, bis hin zu einer drastischen Erhöhung der Zigarettenpreise und zum Rauchverbot auf Spielplätzen und allen öffentlichen Orten, wo Kinder anwesend sind.

Literatur:

http://www.who.int/campaigns/no-tobacco-day/2017/infographic-economic-impact.png?ua=1

http://www.who.int/campaigns/no-tobacco-day/2017/infographic-women-children.png?ua=1

Maedel C1, Kainz K1, Frischer T1,2, Reinweber M3, Zacharasiewicz A1.Increased severity of respiratory syncytial virus airway infection due to passive smoke exposure. Pediatr Pulmonol. 2018 Sep;53(9):1299-1306. doi: 10.1002/ppul.24137. Epub 2018 Jul 30.

Pattenden S, Antova T, Neuberger M et al. (2006) Parental smoking and children’s respiratory health: independent effects of prenatal and postnatal exposure. Tob Control 15:294-301

Kuntz B et al. BMC Public Health BMC 2016  16:485


Quelle: Statement von OÄ Priv.-Doz.in Dr.in Angela Zacharasiewicz, MBA zur Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie, ÖGP, 18. bis 20. Oktober in Linz.

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