Parkinson‐Krankheit – medikamentöse Therapie oft nicht ausreichend

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Die Parkinson‐Krankheit ist die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. Nur die Alzheimer-Krankheit ist eine noch häufigere neurodegenerative Krankheit.

Viele Patienten mit Parkinson‐Krankheit werden medikamentös nicht ausreichend behandelt. Offensichtlich gibt es einen Bruch in der Versorgung, wenn die Patienten vom eigenen Zuhause ins Pflegeheim kommen. Dementsprechend fordern Experten der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG) e.V. vor dem Welt‐Parkinson‐Tag am 11. April eng verzahnte, regionale Versorgungsstrukturen zwischen Haus‐ und Fachärzten, stationären Pflegeheimen und Spezialkliniken. Damit sollen verschiedene Versorgungslücken zu schließen sein.

Beispielsweise verändert sich bei langjährigen Patienten die Symptomatik oder die Medikamentenwirksamkeit lässt nach. Ein stationärer Aufenthalt in einer auf Parkinson spezialisierten Klinik ermöglicht es dann, gleichzeitig Diagnostik und Therapie durchzuführen, nicht motorische Störungen zu behandeln und bei geeigneten Patienten eventuell invasive Therapieformen anzuwenden.

 

Parkinson‐Krankheit – Update

Namensgeber der Parkinson‐Krankheit ist bekanntlich der englische Arzt James Parkinson, der die Hauptsymptome 1817 erstmals beschrieben hat. Dessen Geburtstag fällt auf den 11. April – dem jährlichen Welt‐Parkinson‐Tag. Im Durchschnitt erkranken Patienten mit etwa 60 Jahren an der Parkinson‐Krankheit. Dem Ausbruch gehen aber vermutlich jahrzehntelange Veränderungen im Körper voraus. Das Risiko einer Parkinson‐Erkrankung liegt für Männer bei 2,0% und für Frauen bei 1,3%.

Die Zahl der Patienten weltweit hat sich von 2,5 Millionen im Jahr 1990 auf 6,1 Millionen im Jahr 2016 erhöht. Hauptursache dafür ist die zunehmende Alterung der Bevölkerung. Die Häufigkeit der Erkrankung hat sich in dieser Zeit jedoch auch innerhalb einzelner Altersgruppen um mehr als 20 Prozent gesteigert.

 

Symptome und deren Ursachen

Im Grunde genommen ist für die Parkinson‐Krankheit ist nicht nur das Zittern, der sogenannte Tremor charakteristisch. Denn weitere Bewegungsstörungen wie Steifheit der Muskeln (Rigor), verlangsamte Bewegungen (Bradykinesie) sowie Gleichgewichtsstörungen kommen ebenfalls hinzu. Zusätzliche Symptome können das „Einfrieren“ von Bewegungen (Freezing), Schwierigkeiten beim Sprechen und Schlucken, Störungen der vegetativen Funktionen (z.B. Blutdruckregulation), Schlafstörungen, Depressionen und geistige Beeinträchtigungen bis hin zur Demenz sein.

Eindeutige Merkmale der Krankheit sind der Verlust an Dopamin‐produzierenden Nervenzellen in einem winzigen Teil des Gehirns, der Substantia nigra. In einem übergeordneten Teil, dem Striatum, mangelt es dann am Botenstoff Dopamin. In den betroffenen Nervenzellen bilden sich Ablagerungen (Lewy‐Körperchen), die hauptsächlich aus Verklumpungen des Eiweißmoleküls α‐Synuklein bestehen.

Dass sich die Ablagerungen von α‐Synuklein möglicherweise vom Darm her über den Vagus‐ oder Riechnerv bis ins Gehirn ausbreiten, ist eine neue Erkenntnis, zu der deutsche Wissenschaftler maßgeblich beigetragen haben.

 

Diagnose und Therapie

Jedenfalls sollte bei Verdacht auf Vorliegen einer Parkinson‐Krankheit ein Spezialist für Bewegungsstörungen die betroffenen Patienten untersuchen, um dann von ähnlichen Krankheitsbildern zu unterscheiden. Die wichtigsten Anzeichen sind eine anfänglich einseitig ausgeprägte Bewegungsverlangsamung und ggf. Zittern in Ruhe (Ruhetremor), die sich bei Einnahme von L‐Dopa (Levodopa) deutlich verbessern. Verfahren, die den gestörten Stoffwechsel im Gehirn sichtbar machen, werden meist nur bei schwierigen Fällen oder in klinischen Studien angewandt.

Die Behandlung beruht wesentlich auf dem Ausgleich des Mangels am Botenstoff Dopamin durch Medikamente. Neben L‐Dopa werden auch andere Arten von Medikamenten wie Dopaminagonisten, MAO‐B‐Hemmer und COMT‐Hemmer einzeln oder in Kombination verschrieben, um eine möglichst lange und gute Wirksamkeit bei geringstmöglichen Nebenwirkungen zu erzielen.

Unter dem Strich bringt eine adäquate medikamentöse Behandlung – in Zusammenspiel mit Physiotherapien sowie weiteren aktivierenden Maßnahmen – den Patienten über Jahre hinweg eine gute Lebensqualität. Allerdings kann man das Fortschreiten der Grunderkrankung derzeit noch nicht aufhalten. Deshalb hat die Suche nach ursächlichen Therapien in der Parkinson-Forschung oberste Priorität.

Literatur:

Jameson, J. Larry (ed): Harrison’s Principles of Internal Medicine, 20. Auflage. New York, McGraw‐Hill
Education, 2018.

GBD 2016 Parkinson’s Disease Collaborators. Global, regional, and national burden of Parkinson’s
disease, 1990‐2016: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2016. Lancet
Neurol. 2018 Oct 1. pii: S1474‐4422(18)30295‐3. doi: 10.1016/S1474‐4422(18)30295‐3.

Höglinger GU (Hrg.). Parkinson‐Syndrome kompakt, Thieme, Stuttgart, 2018.


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG) e.V.

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Rainer Muller

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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