Parainfluenzaviren verursachen Grippe-ähnliche Symptome

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MEDMIX Online-Redaktion
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Die aktuellen epidemiologischen Trends zeigen, dass weiterhin gehäuft Rhinoviren auftreten. Zudem kommen auch Parainfluenzaviren sehr häufig vor.

Im Herbst sind wir wieder stärker mit Erkältungssymptomen wie Husten, Schnupfen und Heiserkeit konfrontiert. Dazu zeigen epidemiologische Trends, dass ab dem September vor allem Rhinoviren ganz der Jahreszeit entsprechend sehr häufig vorkommen. Daneben zirkulieren aber natürlich diverse weitere Erreger von grippalen bzw. respiratorischen Infekten, die klinisch recht ähnliche Symptome verursachen, unter anderem die Parainfluenzaviren. Da sich nun auch die Nachweise von Parainfluenzaviren mehren (sogar einige VirologInnen an unserem Zentrum waren infiziert), nehmen wir dies zum Anlass, hier einen kurzen Überblick über diese Viren zu präsentieren.



 

Parainfluenzaviren – RNA-Virus der Paramyxoviren

Die Parainfluenzaviren sind einzelsträngige, umhüllte RNA-Viren und gehören zur Familie der Paramyxoviridae. Es werden die Typen 1 bis 4 der menschlichen Parainfluenzaviren (HPIV 1 bis 4) unterschieden. Dabei gehören HPIV Typ 1 und 3 zum Genus Respirovirus, Typ 2 und 4 (Subtypen 4a und 4b) zum Genus Rubulavirus. In einer bereits etwas älteren Surveillance Studie über HPIV in Kindern und Erwachsenen aus den USA (über 40.000 diagnostizierte Fälle zwischen 1990 und 2004) fand sich insgesamt folgende Verteilung der Serotypen: HPIV Typ 3: 52%, Typ 1: 26%, Typ 2: 12%, Typ 4: 2% sowie 8% uncharakterisierte Serotypen.

 

Vorkommen in Österreich

Parainfluenzaviren kommen weltweit vor, wobei die Infektionen endemisch und epidemisch auftreten, und zwar HPIV-1 gehäuft jedes zweite Jahr und HPIV-2 jährlich jeweils vor allem im Herbst. Der Gipfel der HPIV-3 Infektionen liegt hingegen eher im Frühjahr (bis Frühsommer), und zu HPIV-4 gibt es wenig Daten hinsichtlich der Saisonalität.

Parainfluenzaviren in den Saisonen 2014/15 bis 2018/19

Abbildung 1 zeigt die an unserem Zentrum detektierten HPIV-Serotypen in den Saisonen 2014/15 bis 2018/19. Bereits im frühen Kindesalter findet sich eine hohe Durchseuchungsrate und fast alle Kinder haben bis zum 5. Lebensjahr eine HPIV-Infektion durchgemacht. Reinfektionen kommen häufig vor, da die Immunität nach einer Infektion nur wenige Monate anhält.

 

Symptome durch Parainfluenzaviren

Parainfluenzaviren werden v.a. durch Tröpfcheninfektion übertragen und infizieren zunächst die Schleimhäute des Nasen-Rachen-Raumes, von wo aus sie sich bis in den tiefen Respirationstrakt ausbreiten können. Die virusbedingte direkte Zellschädigung scheint dabei eher gering und betrifft nur oberflächliche Schleimhautschichten bzw. Epithelzellen.

Die Immunantwort des Wirtes mit erhöhter Produktion bzw. Freisetzung diverser Mediatoren wie u.a. Interferon-ɣ, Interleukin-2 und -11 und TNF-α sowie die daraus resultierende Entzündung mit ödematöser Schwellung des Gewebes spielt in der Pathogenese jedoch eine wichtige Rolle. Bei kleineren Kindern kann eine starke Schleimbildung zu einer Obstruktion der Atemwege führen.

Die klinischen Manifestationen variieren je nach Serotyp und Ort der Virusreplikation sowie Alter und Immunstatus der Patienten. Meist kommt es allgemein nach einer Inkubationszeit von 2 bis 6 Tagen zu einer Rhinitis, Pharyngitis / Tonsillitis und ev. auch Bronchitis, verbunden mit (leichtem) Fieber. Prinzipiell können alle HPIV alle Arten von oberen oder tieferen Atemwegserkrankungen hervorrufen, wobei einige Besonderheiten auffällig sind.

 

Infektionen des Respirationstraktes

HPIV 1 und 2 replizieren effizient im Epithel des oberen Respirationstraktes, und eine Infektion mit diesen Subtypen geht insbesondere im (Klein-)Kindesalter oft mit einer Krupp-Symptomatik (Synonyme: Pseudo-Krupp, Laryngitis subglottica, stenosierende Laryngotracheitis) einher. Dabei handelt es sich um eine Kehlkopfentzündung mit Schleimhautschwellung, die bevorzugt die Trachea unterhalb der Stimmbänder befällt. Diese ist gekennzeichnet durch Heiserkeit, einen rauen, „bellenden“ Husten, inspiratorischen Stridor und Dyspnoe. Das Fieber kann dabei auch recht hoch sein.

HPIV 3 replizieren bevorzugt in den tieferen Atemwegen und führen daher eher zu Bronchitis, Bronchiolitis (v.a. bei Säuglingen und Kleinkindern !) und in manchen Fällen auch zu Pneumonien. Wie bereits erwähnt kann bei Babys und Kleinkindern eine starke Schleimbildung zu einer Obstruktion der Atemwege führen. Zudem kann, ähnlich wie nach RSV-Infektionen, eine Hyperreaktivität der Atemwege über längere Zeit bestehen bleiben.

Bei gesunden Erwachsenen verlaufen Infektionen mit Parainfluenzaviren meist unkompliziert. Bei älteren oder immunsupprimierten Patienten kann es jedoch auch zu schweren Verläufen mit interstitiellen Pneumonien (ev. mit bakterieller Superinfektion) kommen. Die können dann unter Umständen lebensbedrohlich sein.



Behandlung der Symptome

Es gibt keine spezifische Therapie gegen HPIV, die Behandlung der Infektionen erfolgt symptomatisch. Bei schweren Verläufen in immunsupprimierten Patienten muss ev. die Immunsuppression reduziert werden, weiters sind Monitoring auf und ggf. Behandlung von eventuellen bakteriellen Superinfektionen erforderlich. Derzeit ist noch kein Impfstoff gegen HPIV verfügbar. Die Diagnostik einer HPIV-Infektion erfolgt idealerweise möglichst am Beginn der Erkrankung direkt durch einen Nukleinsäurenachweis mittels Polymerase Kettenreaktion (PCR) aus Nasen-Rachen-Abstrich, Rachenspülflüssigkeit oder respiratorischem Sekret und wird an unserem Zentrum durchgeführt.

logo-virusepidemiologische-informationenQuelle:

VIRUSEPIDEMIOLOGISCHE INFORMATION” NR. 21/19-4. Dr. Eva Geringer. Department für Virologie der Med. Universität Wien.

 

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