Osteoporose vorbeugen von klein auf mit Sport und ­gesunder ­Ernährung

Die einmal aufgebaute Knochenmasse ändert sich bei gesunden Menschen in den folgenden zwei Jahrzehnten kaum und hilft dabei, Osteoporose vorbeugen zu können. © fizkes / shutterstock.com

Die einmal aufgebaute Knochenmasse ändert sich bei gesunden Menschen in den folgenden zwei Jahrzehnten kaum und hilft dabei, Osteoporose vorbeugen zu können. © fizkes / shutterstock.com

Mit Sport und ­gesunder ­Ernährung ­am besten möglichst früh schon von Kindheit oder Jugend an kann man Osteoporose effektiv vorbeugen. Wobei man einen ­gesunden ­Lebensstil auch beibehalten sollte.

Beim Osteoporose vorbeugen unterscheidet man zwischen Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention. Die Primäre Prävention hat das Ziel, Risikofaktoren vor deren Wirksamwerden auszuschalten. Das heißt die Entstehung der Osteoporose zu verhindern wie beispielsweise mit Sport und gesunder Ernährung möglichst schon in jungen Jahren. Die Sekundärprävention hat das Ziel, durch möglichst frühe Diagnostik und Therapie einer bereits bestehenden Osteoporose, deren Folgen – die osteoporotischen Frakturen – zu verhindern. Die Tertiärprävention schließlich hat das Ziel, die Krankheitsfolgen zu begrenzen, das heißt bei bestehender/en Fraktur/en das Auftreten weiterer Frakturen zu verhindern.

 

Osteoporose vorbeugen von Kindheit und Jugend an

Primäre Prävention der Osteoporose soll somit bereits in der Kindheit und Jugend mit der Motivation zu Sport und gesunder Ernährung beginnen. Und diesen entsprechenden gesunden Lebensstil sollte man dann idealerweise ein Leben lang fortsetzen. Wenn auch der Großteil der für die Festigkeit der Knochen verantwortlichen Knochenmasse genetisch determiniert ist, tragen doch vor allem jene Sportarten, die Muskelkraft erfordern, wesentlich dazu bei Knochenmasse aufzubauen. Das Maximum an Knochenmasse (»peak bone mass«) wird normalerweise erst mehrere Jahre nach Abschluss des Längenwachstums erreicht.

Die einmal aufgebaute Knochenmasse ändert sich bei gesunden Menschen in den folgenden zwei Jahrzehnten kaum. Deshalb bezieht man alle nach dem 20. Lebensjahr gemessenen Knochendichtewerte auf die von der WHO als 20- bis 40-Jährige definierten »gesunden jungen Erwachsenen«. Liegen die gemessenen Werte (T-Scores) 1 bis 2,4 Standardabweichungen (SD) unter dem Mittelwert dieses Normkollektivs, besteht eine Osteopenie; liegen sie 2,5 oder mehr SD darunter, besteht eine Osteo­porose.

 

Bewegungsmangel und Essstörungen vermeiden

Zurzeit steigt jedoch die Zahl der Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die durch Bewegungsmangel und Essstörungen Knochenmasse verlieren statt aufbauen. So haben Patientinnen mit Anorexia nervosa bei einer durchschnittlichen Erkrankungsdauer von knapp 6 Jahren eine siebenmal höhere Frakturrate als Gesunde.

Diese wachsende Risikogruppe erreicht eine nur niedrige »peak bone mass«, die durch eine Messung der Knochendichte (bone mineral density, BMD) erfasst werden soll.

Mit der genauen Erläuterung der BMD-Befunde lassen sich die Empfehlungen zu präventiven Maßnahmen bekräftigen und die Compliance fördern. Bei Jugendlichen und Erwachsenen kann eine Vielzahl von Lebensstilfaktoren, Erkrankungen und Medikamenten den Knochenstoffwechsel negativ beeinflussen. Die Messung der BMD bei diesen Risikopatienten soll möglichst früh vorgenommen werden um rechtzeitig gegensteuern zu können.

 

Osteoporose vorbeugen durch das Vermeiden von Östrogenmangel

Beispiele aus der gynäkologischen Praxis sind Östrogenmangel-Zustände, die sich häufig als Oligo- oder Amenorrhoen präsentieren und denen verschiedene endokrine Funktionsstörungen zugrunde liegen können: von der Hyperprolak­tinämie bis zur vorzeitigen Menopause, von der »Triade der Athletinnen« (Amenorrhoe, Essstörung und Osteoporose) bis zum medikamentös induzierten Östrogenmangel (z.B. durch Aromatasehemmer in der Brustkrebstherapie). In solchen Fällen hat der Östrogenmangel immer auch einen mehr oder weniger stark beschleunigten Knochenabbau zur Folge.

Am deutlichsten ausgeprägt sind die Wirkungen von Östrogenmangel in den ersten 5 bis 10 Jahren nach der Menopause. Während im Vordergrund die vasomotorischen, urogenitalen und psychischen Beschwerden des klimakterischen Syndroms stehen, laufen im Hintergrund die entscheidenden Veränderungen des Knochenstoffwechsels für die meist erst viele Jahre später auftretenden osteoporotischen Frakturen ab.

Die Sexualhormone sorgen bei gesunden Frauen während des reproduktiven Lebensabschnittes gemeinsam mit anderen Regulationsmechanismen für ein Gleichgewicht zwischen Knochenresorption und -formation (»bone remodelling«).

Endogene und exogene – beispielsweise im Rahmen einer Hormon­ersatztherapie (HRT) zugeführte – Östrogene

Im peri- und postmenopausalen Lebensabschnitt ist wegen der niedrigen Östrogenspiegel, das Gleichgewicht zwischen Knochenresorption und -formation gestört. Die Knochenresorption überwiegt und führt unmittelbar nach der Menopause zu einem Verlust an Knochenmasse. Ob sich daraus eine postmenopausale Osteoporose und ein erhöhtes Frakturrisiko entwickeln, und ob dieser Entwicklung mit entsprechenden Maßnahmen effizient begegnet werden kann, hängt maßgeblich von der frühzeitigen Erfassung des wichtigsten aller Risikofaktoren, der ­reduzierten Knochendichte (BMD), ab.


Literatur:

Kerschan-Schindl K. Prevention and rehabilitation of osteoporosis. Wien Med Wochenschr. 2016 Feb;166(1-2):22-7. doi: 10.1007/s10354-015-0417-y. Epub 2016 Jan 14. PMID: 26769298.

Morris HA. Osteoporosis prevention–a worthy and achievable strategy. Nutrients. 2010 Oct;2(10):1073-4. doi: 10.3390/nu2101073. Epub 2010 Oct 20. PMID: 22253997; PMCID: PMC3257616.


Quelle:

Update Osteoporose – Osteoporose vorbeugen. Aus: Update Osteoporose. Primarius Dr. Ewald Boschitsch. MEDMIX 3/2006:55-60.

http://www.dv-osteologie.org/dvo_leitlinien/osteoporose-leitlinie-2014

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