Osteoporose beeinträchtigt die Lebenserwartung erheblich

Ärzte fordern, dass man gesunde Rentner aktiver auf Osteoporose untersuchen sollte, um im Ernstfall früher eine wirksame Osteoporosetherapie einleiten und damit die Lebenserwartung erhöhen zu können. © Stock-Asso / shutterstock.com

Ärzte fordern, dass man gesunde Rentner aktiver auf Osteoporose untersuchen sollte, um im Ernstfall früher eine wirksame Osteoporosetherapie einleiten und damit die Lebenserwartung erhöhen zu können. © Stock-Asso / shutterstock.com

Osteoporose-Patientinnen haben eine geringere Lebenserwartung, nur jede zehnte Betroffene Person erhält rechtzeitig die Diagnose und eine wirksame Osteoporosetherapie.

Im Grunde genommen besteht seit langem die Annahme, dass die Osteoporose das Sterberisiko der Patientinnen und Patienten beträchtlich erhöht. Dazu zeigte unlängst eine Untersuchung allerdings interessante Ergebnisse. Denn den Ergebnissen zufolge war die Lebenserwartung nach einer Osteoporose-Diagnose deutlich höher als erwartet. Und zwar betrug sie bei bereits in Behandlung befindlichen Frauen unter 75 Lebensjahren mehr als 15 Jahre. Das war ebenfalls bei Männern mit Osteoporosetherapie unter 60 Jahren der Fall.

 

Verschlechterung der Lebensqualität

Jedenfalls gilt seit längerer Zeit, dass Osteoporotische Frakturen zu einer signifikanten Verschlechterung der Lebensqualität mit einer erhöhten Morbidität, Mortalität und Behinderung führen. Eine fatale Rolle spielt dabei, wenn beispielsweise Menschen mit Übergewicht und Adipositas an Osteoporose erkranken, was immer häufiger der Fall ist.

Weiter ist die Osteoporose ein Hauptrisikofaktor für die Gesamtsterblichkeit, die bei einer subjektiv gesunden älteren Bevölkerung die Lebenserwartung senken kann. Das zeigte eine aktuelle Schweizer Untersuchung. Daher fordern Experten, dass man gesunde Rentnern aktiver auf Osteoporose untersuchen sollte. Bevor damit verbundene Gesundheitsstörungen entstehen.

Das Wissen in der Bevölkerung über Osteoporose und den damit verbundenen Lebensstil, den Risikofaktoren und Maßnahmen zur Vorbeugung ist laut den Ergebnissen einer aktuellen Studie eher schlecht. Die meisten Osteoporose-Patientinnen und Patienten haben nur unzureichende Kenntnisse über ihre Krankheit, was zu einem erhöhten Risiko und Fortschreiten der Osteoporose führt.

 

Die geschätzte Lebenserwartung nach der Osteoporose-Diagnose beträgt bei Frauen zwischen 13,5 und 26,4 Jahren.

In einer Studie betrug die verbleibende Lebensdauer nach Beginn einer Osteoporosetherapie im Durchschnitt 18,2 Jahren bei 50-jährigen Männern. Und zudem war sie 7,5 Jahre bei 75-jährigen Männern hoch.

Bei Patientinnen mit Osteoporose lag die geschätzte Lebenserwartung – je nach Alter – bei 26,4 beziehungsweise 13,5 Jahren. Diese im Jahr 2015 im Journal of Bone and Mineral Research veröffentlichten Ergebnisse der Studie schlossen die Daten von 58.637 Patienten mit bestehender Osteoporose ein. Forscher verglichen sie mit 225.084 Personen gleichen Alters beziehungsweise Geschlechts ohne Osteoporose.

Die Sterbedaten der Patienten wurden bis 2013 gesammelt. Dadurch ergab sich eine Nachbeobachtung von 10 bis 17 Jahren. „Zu Beginn einer Osteoporose ist die Frage der Behandlung wenig komplex. Die Herausforderung liegt jedoch darin zu wissen, wie lange die Behandlung verabreicht werden sollte,“ fasste der Erst-Autor der Studie, Dr. Bo Abrahamsen, die Ergebnisse zusammen.

 

Angemessene effektive Osteoporosetherapie bringen eine bessere Lebenserwartung

Diese große Untersuchung zeigte deutlich, dass Personen, die eine effektive Osteoporosetherapie erhalten, durchaus auch über eine lange Lebenserwartung verfügen. Daher ist es essenziell die Entwicklungen innerhalb der Osteoporosetherapie weiter voranzutreiben.

„Wir dürfen uns nicht mit dem Verfügbaren zufrieden zu geben. Es gilt weiterhin, evidenzbasierte Strategien zu entwickeln, um eine langfristige Osteoporosetherapie zu ermöglichen,“ so Dr. Bo Abrahamsen.

 

Eine wirksame Osteoporosetherapie wird zu selten gemacht

Eine wirksame Osteoporosetherapie erhält allerdings nur etwa jeder zehnte betroffene Person. Denn viele Patientinnen und Patienten wissen gar nicht, dass sie an der Knochenerkrankung leiden. Grund dafür ist auch, dass die Osteoporose anfangs keine deutlichen Symptome zeigt.

Dabei waren vier von zehn aller Frauen, die älter als 50 Jahre waren, anfälliger für Knochenbrüche. Schließlich konnte der rechtzeitige Beginn einer optimalen Osteoporosetherapie aber verhindern, dass die Patienten immer mehr Knochenbrüche beziehungsweise Frakturen erlebten. Übrigens gilt eine tägliche Supplementation von Kalzium in Kombination mit Vitamin D als wirksame Basistherapie.

Eine rezente Studie konnte übrigens zeigen, dass ein signifikanter Unterschied in der Einleitung von Diagnostik und Therapie in der Nachbehandlung von Patienten mit Knochenbrüchen zwischen den Osteologen, den Hausärzten sowie Orthopäden gibt. Durch die Bildung von sektorenübergreifenden Netzwerken mit einem geriatrisch-orthopädisch-unfallchirurgischen Hintergrund könnte man im deutschen Gesundheitssystem eine deutliche Verbesserung der Nachsorge von Frakturpatienten erreichen. Damit könnte man den Patientinnen und Patienten auch häufiger mögliche Folgefraktur ersparen.


Literatur:

Qaseem A, Wilt TJ. Treatment of Low Bone Density or Osteoporosis to Prevent Fractures. Ann Intern Med. 2021 Jul 6. doi: 10.7326/L21-0434. Epub ahead of print. PMID: 34224259.

During A. Osteoporosis: A role for lipids [published online ahead of print, 2020 Aug 17]. Biochimie. 2020;S0300-9084(20)30189-9. doi:10.1016/j.biochi.2020.08.004

Joann L. Porter; Matthew Varacallo. Osteoporosis. StatPearls [Internet]. Last Update: July 21, 2020.

Amer M, Noor S, Kashif SM, Nazir SUR, Ghazanfar T, Yousaf S. Evaluation of Disease Related Knowledge in Patients of Osteoporosis: An Observational Study [published online ahead of print, 2020 Jul 15]. Altern Ther Health Med. 2020;AT6361.

Fülling T, Bula P, Defèr A, Bonnaire FA. Dresdener Network Osteoporosis. Z Orthop Unfall. 2020 May 19. English, German. doi: 10.1055/a-1149-9588. Epub ahead of print. PMID: 32428959.

Jean-Pierre Gutzwiller, Jean-Pierre Richterich, Zeno Stanga, Urs E. Nydegger, Lorenz Risch, Martin Risch. Osteoporosis, diabetes, and hypertension are major risk factors for mortality in older adults. An intermediate report on a prospective survey of 1467 community-dwelling elderly healthy pensioners in Switzerland. BMC Geriatr. 2018; 18: 115. Published online 2018 May 15. doi: 10.1186/s12877-018-0809-0

Abrahamsen B, Osmond C, Cooper C. Life Expectancy in Patients Treated for Osteoporosis: Observational Cohort Study Using National Danish Prescription Data. J Bone Miner Res. 2015 Sep;30(9):1553-9. doi: 10.1002/jbmr.2478. Epub 2015 May 21.

Schlereth F, Badenhoop K. Osteoporosis – Is There An Indication For Vitamin D Supplementation? Dtsch Med Wochenschr. 2019 Aug;144(16):1120-1124. doi: 10.1055/a-0803-8126. Epub 2019 Aug 15.


Quelle: Osteoporose und Lebenserwartung. Dipl.-Ing. Alexandra Springler. MEDMIX online 2015.

Die mobile Version verlassen