Osteoporose-Therapie und Prävention

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Nur der rechtzeitige Beginn einer optimalen Osteoporose-Therapie kann die steigende Häufigkeit von neuen krankhaften Frakturen verhindern.

Europaweit zählt Osteoporose aufgrund des erhöhten Frakturrisikos heute zu den kostenintensivsten chronischen Krankheiten. Das ist vergleichbar mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dabei fehlt oft die Diagnose und dann natürlich auch die wirksame Osteoporose-Therapie. Deswegen erleiden auch von den über 50-Jährigen etwa die Hälfte der Frauen sowie ein Drittel der Männer eine Fraktur beziehungsweise einen Knochenbruch.. Die Kosten der medizinischen Versorgung einer Schenkelhalsfraktur  betragen etwa 12.500 Euro. Sie Betreuungs- und Rehabilitationskosten sind dann noch um 2,5 – 3 Mal höher.

EU-weit werden die jährlichen Kosten in Folge von Frakturen auf über 30 Milliarden Euro geschätzt. Dabei kommt es in den nächsten Jahrzehnten infolge der steigenden Lebenserwartung vermutlich zu einer Verdoppelung der Zahl.

 

Empfehlungen zu Prävention und zur Osteoporose-Therapie

Bereits 1998 sind dem europäischen Parlament Empfehlungen vorgelegt worden, die jedoch nur mangelhaft umgesetzt wurden. Durch die aktuelle EU-Summit Conference erwarten wir neue Impulse an die EU-Mitgliedsländer zur Umsetzung dieser Empfehlungen. Prävention Im Rahmen der Präventionsmöglichkeiten soll verstärkt auf Risikofaktoren in jungen Jahren hingewiesen werden: So manifestiert sich ein Bewegungsmangel oft schon in der Kindheit oder Essstörungen in der Jugend. Die Abschätzung des individuellen Frakturrisikos ist dabei intensiver vorzunehmen. Von Bedeutung ist auch, prospektive Präventionsstudien durchzuführen, denn diese fehlen in der EU derzeit.

Bei der Diagnostik liegen 30% der EU-Länder klar im Hintertreffen. Bedeutend ist, dass die Knochendichtemessung um das 50. Lebensjahr erfolgt, da sich der größte Knochenverlust bei der Menopause ereignet und nicht erst ab dem 65. Lebensjahr. Die Indikation für eine Knochendichtemessung muss natürlich differenziert gesehen werden und bedarf auf jeden Fall einer rechtzeitigen und regelmäßigen Untersuchung, um festzustellen, ob die Patientin in die Risikogruppe fällt.

 

Effektive Strategien zur Osteoporose-Therapie

Nur jeder zehnte betroffene Patientatient erfährt eine adäquate Osteoporose-Therapie. Grund dafür sind das geringe Wissen der Betroffenen und andererseits die Tatsache, dass beginnende Osteoporose keine deutlichen Symptome zeigt, die den Betroffenen beunruhigen.

Trotzdem glauben acht von zehn Frauen nicht, dass sie ein persönliches Osteoporose-­Risiko haben. 40% aller Frauen über 50 haben eine erhöhte Anfälligkeit für Knochenbrüche, jeder achte Europäer über 50 wird eine Wirbelkörperfraktur erleiden. Nur der rechtzeitige Beginn einer optimalen Osteoporose-Therapie kann die steigende Inzidenz von pathologischen Frakturen verhindern.

Auch in Hinblick auf die Gesamtkosten ist für den Patienten ein optimales Konzept für die Osteoporose-Therapie zu fordern. Adäquate Versorgung mit Kalzium und Vitamin D Bedingt durch die abnehmende Absorptionsfähigkeit für Kalzium mit fortschreitendem Lebensalter kann eine negative Kalziumbilanz entstehen und in weiterer Folge das Parathormon erhöht sein.

Ebenso nimmt mit dem Alter die Wahrscheinlichkeit eines relativen Vitamin D-Mangels zu. Vor vorzeitiger Mobilisierung von Kalzium aus dem Skelettsystem und Knochenmasseverlust schützt eine ausreichende Versorgung mit Kalzium.

Generell wird als Basistherapie die tägliche Supplementation von 500-1.000mg Kalzium, ev. in Kombination mit 400-800 IE Vitamin D empfohlen.

Hemmung der ­Knochenresorption

Bisphosphonaten. Die Gabe von Bisphosphonaten führt zu einer Hemmung der Knochenresorption. Die Wirkung beruht einerseits auf direkten Effekten am Osteoklasten und andererseits auf einer indirekten Wirkung am Osteoblasten. Trotz des häufigen Einsatzes von Bisphosphonaten – in zunehmendem Ausmaß auch der parenteralen – fehlen einheitliche Richtlinien zur optimalen Behandlungsdauer.

Raloxifen. Die Wirkung des selektiven Östrogenrezeptor-Modulators (SERMs) Raloxifen ist je nach Gewebe östrogen-agonistisch oder -antagonistisch. Am Knochen sowie auf den Lipidmetabolismus ist die Wirkung östrogen-agonistisch, am Endometrium und Mamma-Gewebe hingegen östrogen-antagonistisch. Besonders bei postmenopausalen Frauen mit niedriger Knochendichte, bestehendem Verdacht auf Osteoporose und – soweit abschätzbar – geringem Risiko für eine Schenkelhalsfraktur, ist Raloxifen eine gute primäre Behandlungsoption.

Denn diese Osteoporose-Therapie erhöht die Knochenmasse und vermindert signifikant die Anzahl neuer Wirbelkörperfrakturen. Unabhängig davon, ob bereits Wirbelkörperfrakturen vorliegen oder nicht. Dabei ist Raloxifen in Bezug auf die Wirbelkörperfraktur-Prävention durchaus mit Bisphosphonaten vergleichbar. Zusätzlich ist das Risiko reduziert, an einem Mammakarzinom zu erkranken und bei Patienten mit erhöhtem kardiovaskulären Grundrisiko ergaben Subgruppenanalysen eine niedrigere Ereignisrate kardiovaskulärer Komplikationen.

Calcitonin. Positive Effekte von Calcitonin auf die Knochendichte und das vertebrale Frakturrisiko wurden mit einer Dosierung von 200 IU täglich und kontinuierlich erzielt.

 

Steigerung der ­Knochenneubildung

Parathormon. Im Gegensatz zu Bisphosphonaten, die hauptsächlich die Knochenumbaurate senken und den durchschnittlichen Mineralisationsgrad der Knochenmatrix erhöhen, führt der Wirkungsmechanismus von Parathormon zu einer Zunahme der eigentlichen Knochenmasse. Die Therapiedauer beschränkt sich entsprechend der Studiendaten auf 18 Monate. Um die neue Knochenmasse erhalten zu können, muss anschließend eine antiresorptive Therapie folgen.

 

Steigerung von Knochenneubildung und Hemmung der Resorption

Strontiumranelat. Zu einer deutlich besseren Knochenqualität führt die gleichzeitige Stimulation der Knochenformation und Hemmung der Knochenresorption durch Strontiumranelat. Es ist die einzige Substanz, die diese synchrone Wirkung zeigt und damit zu einem positiven, physiologischen Gleichgewicht des Knochenstoffwechsels führt. In klinischen Studien an postmenopausalen Frauen konnte gezeigt werden, dass Strontiumranelat zu einem jährlichen Anstieg der Knochendichte um 7,3% und zu einer Reduktion des relativen Risikos vertebraler Frakturen um 44% führt. Auch eine signifikante Abnahme des relativen Risikos für eine oder mehrere nicht-vertebrale Frakturen und für Hüftgelenkfrakturen um 41% wurde deutlich.

Compliance in der Osteoporose-Therapie fördern

Zusätzlich müssen Ärzte alle Anstrengungen unternehmen, um die Compliance der Patienten in der Osteoporose-Therapie sicherzustellen. Wir wissen, dass nach einem Jahr bereits 20% der Patienten, nach zwei Jahren 50% und nach drei Jahren 80% die Medikamente nicht mehr regelmäßig einnehmen. Von Bedeutung sind effektive Präventionsstrategien im Sinne der Frühprävention sowie der primären Frakturprävention.

 

Überlegungen zur Nachbehandlung

Die Dauer der Osteoporose-Therapie hängt von der verwendeten Medikamentenklasse ab. Wirkstoffe wie Teriparatid und hormonelle Therapien erfordern eine sofortige Nachbehandlung mit einem anderen Wirkstoff nach Absetzen des Arzneimittels. Denn sonst kann die Knochenmasse schnell wieder verloren gehen.

Unter dem Strich warnen Experten davor, dass man mehr als 3 bis 5 Jahre ohne Unterbrechung eine Bisphosphonat-Therapie verschreibt. Die Patienten sollten auf diese potenzielle Nebenwirkungen aufmerksam gemacht werden. Außerdem sollten sie sofort eine intensive Behandlung bekommen, wenn sie leichte Oberschenkelbeschwerden haben.

Der Patienten sollten dann unverzüglich die Bisphosphonat-Therapie abbrechen. Zudem sollten sie alle Aktivitäten stoppen, die den Oberschenkel belasten. Notwendige sind Röntgenaufnahmen von Oberschenkelknochen und Hüfte in voller Länge. Oberschenkelschmerzen können auf eine bevorstehende pathologische, atypische Femurfraktur hinweisen.

Literatur:

Joann L. Porter; Matthew Varacallo. Osteoporosis. StatPearls [Internet]. Last Update: June 4, 2019.

Kristie N. Tu, Janette D. Lie, Chew King Victoria Wan,  Madison Cameron, Alaina G. Austel, Jenny K. Nguyen, Kevin Van, Diana Hyun. Osteoporosis: A Review of Treatment Options. P T. 2018 Feb; 43(2): 92–104.


Quelle:

Prophylaxe und Osteoporose-Therapie. Univ.-Prof. Dr. Heinrich Resch. MEDMIX 7/2006

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About Author

Dr. Darko Stamenov

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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