Opioidhaltige Schmerzpflaster richtig entsorgen

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Drogenabhängige versorgen sich mit Fentanyl, indem sie benutzte opioidhaltige Schmerzpflaster aus dem Müll von Kliniken, Heimen und Hospizen sammeln.

Etwa 31 Millionen opioidhaltige Schmerzpflaster – eine enorme Menge – sind in Deutschland 2016 von öffentlichen Apotheken ausgegeben worden (1). Zwischen 2014 und 2016 ist der Verbrauch recht konstant geblieben, der Anstieg fand ab 2001 statt. Die beiden eingesetzten Wirkstoffe Fentanyl und Buprenorphin sind hochwirksame synthetische Opioide, die neben ihrer schmerzlindernden Wirkung auch erhebliche unerwünschte Wirkungen zeigen. Deswegen ist es wichtig, dass Schmerzpatienten und Pflegende über Opioidhaltige Schmerzpflaster gut Bescheid wissen und sorgfältig damit umgehen. Dazugehört auch die Entsorgung, denn Drogenabhängige versorgen sich mit Fentanyl, indem sie sich benutzte opioidhaltige Schmerzpflaster besorgen.

Leitfaden Opioidhaltige Schmerzpflaster: Die Fachgruppe der pflegerischen Schmerzexperten im DBfK stellte nun einen Leitfaden vor, der allen Beteiligten mehr Sicherheit vermitteln soll. Die Broschüre richtet sich an Schmerzpatienten, pflegende Angehörige, aber auch an Pflegefachpersonen in Kliniken, Heimen und in der häuslichen Pflege. Sie ersetzt nicht den in jeder Packung beiliegenden ausführlichen Beipackzettel, sondern ergänzt ihn durch Erfahrungswissen der Pflegeexperten. Den Leitfaden gibt es als Download von der Webseite des DBfK und in Printfassung zum Bestellen im DBfK-Shop. Bei der Erstellung des Leitfadens hat sich die Fachgruppe besonders dem Thema Entsorgung gebrauchter Schmerzpflaster gewidmet.

 

Zahlreiche Todesfälle unter Drogenabhängigen durch Fentanyl

Opioidhaltige Schmerzpflaster mit Fentanyl und Buprenorphin enthalten noch eine recht große Menge an Wirkstoff, das wissen eben auch Drogenabhängige. Vor allem Fentanyl ist mittlerweile in der Drogenszene angekommen – es wirkt bis zu hundertmal stärker als Heroin.

Drogenabhängige besorgen sich den Stoff, indem sie benutzte Fentanyl-Pflaster aus dem Müll von Kliniken, Heimen und Hospizen sammeln. Durch Auskochen werden Fentanyl herausgelöst und anschließend injiziert, auch das Zerkauen der Pflaster wird praktiziert.

Eine Überdosierung führt zu Bewusstlosigkeit und Atemlähmung, die Droge ist inzwischen für zahlreiche Todesfälle unter Drogenabhängigen verantwortlich und die Dunkelziffer dabei ist hoch. Der Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung 2017 schreibt dazu im Kapitel „Drogenbedingte Todesfälle“: „Auch die Anzahl der Verstorbenen mit der Todesursache Vergiftungen in Verbindung mit Fentanyl (95; Zunahme um 9 Prozent) ist gewachsen.“

 

Wie müssen Opioidhaltige Schmerzpflaster entsorgt, vernichtet, werden?

Bisher ist die Entsorgung gebrauchter opioidhaltiger Schmerzpflaster in Deutschland nicht gesetzlich geregelt. Unklar ist, ob § 16 des Betäubungsmittelgesetzes anzuwenden ist, der grundsätzlich die Vernichtung betroffener Wirkstoffe vorschreibt:

„Der Eigentümer von nicht mehr verkehrsfähigen Betäubungsmitteln hat diese auf seine Kosten in Gegenwart von zwei Zeugen in einer Weise zu vernichten, die eine auch nur teilweise Wiedergewinnung der Betäubungsmittel ausschließt sowie den Schutz von Mensch und Umwelt vor schädlichen Einwirkungen sicherstellt.“

Was ist unter „nicht mehr verkehrsfähigen Betäubungsmitteln“ zu verstehen? Nach Einschätzung juristischer Kommentare und des Bundesgesundheitsministeriums gilt der Paragraph für Betäubungsmittel, die nicht mehr zum normalen Gebrauch geeignet sind oder nicht mehr benötigt werden. Weil beispielsweise ihre Haltbarkeitsdauer abgelaufen ist, weil der Patient verstarb und Restmedikamente übrig blieben, weil die Therapie umgestellt wurde.

 

Online-Umfrage und Forderung nach gesetzlichen Regelungen

Es besteht also eine große Unsicherheit, wie mit gebrauchten Pflastern verfahren werden soll. Das bestätigt auch die kleine Online-Umfrage, die der DBfK in diesem Frühjahr durchgeführt hat. Nur 22 Prozent der Antwortenden sagten, dass es in ihrer Einrichtung verbindliche Anweisungen für die Entsorgung gibt – meist durch Pflegevorgesetzte.

Schmerzpflaster-Umfrage01

In vielen Fällen orientieren sich die professionell Pflegenden an den Empfehlungen der Hersteller, z.B. die Innenflächen aufeinander zu kleben, bevor das Pflaster in den Müll geworfen wird. Vor dem Hintergrund der Gefahren, die von gebrauchten Opioidpflastern ausgehen, sollte im BMG geprüft werden, die Entsorgung dieser Medikamentenreste gesetzlich zu regeln.

Schmerzpflaster-Umfrage02

Bis dahin empfiehlt der DBfK Einrichtungsleitungen und Pflegedienstbetreibern, innerbetriebliche und verbindlich einzuhaltende Anweisungen und Standards vorzugeben. Die Pflegefachpersonen wünschen sich das auch, wie in der Umfrage wiederholt geäußert wurde. Eine Entsorgung im sogenannten Spritzenabwurf halten Experten für praktikabel und weitgehend sicher. Diese Pflegefachpersonen wird derzeit auch in den Weiterbildungen für Pain Nurses gelehrt und empfohlen.

Quelle:

Opioidhaltige Schmerzpflaster: Was man bei Anwendung und Entsorgung beachten sollte Umfrageergebnisse und neuer Leitfaden vor dem Hintergrund zunehmenden Fentanyl-Missbrauchs bei Drogenabhängigen Professor Dr. Christel Bienstein Präsidentin des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBfK) e.V. und ehemalige Leiterin des Departments für Pflegewissenschaft an der Universität Witten/Herdecke

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Alfred Felsberger

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

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