Österreichische Schmerzforschung im Fokus

Schmerzen, Schmerzforschung © afcom.at

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Die österreichische Schmerzforschung spielt in der Top-Liga, betont Primarius Dr. Likar aus Klagenfurt und zeigt anlässlich des Schmerzkongresses einige anschauliche Beispiele auf.

 

„Was die Versorgung von Schmerzpatientinnen und -patienten in Österreich betrifft, mag es ja strukturell noch viel zu verbessern geben. Die gute Nachricht ist aber, dass es hierzulande jedenfalls viele hervorragende Schmerzspezialisten gibt, die nicht nur die nötigen positiven Veränderungsprozesse auf allen Ebenen mitgestalten können, sondern die auch durch ihre wissenschaftliche Arbeit wesentlich zur Weiterentwicklung der Schmerzmedizin beitragen“, berichtete aus Anlass des Kongresses der Europäischen Schmerzföderation EFIC Prim. Univ.-Prof. Dr. Rudolf Likar, MSc (Klinikum Klagenfurt am Wörthersee), Generalsekretär der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG) und Vertreter der ÖSG im Council der Europäischen Schmerzföderation EFIC.

„Wie lebendig und breit gefächert die österreichische Forschungslandschaft in Sachen Schmerz ist, das zeigen die mehr als 25 Studien, die als Abstracts für die Präsentation auf dem EFIC-Kongress angenommen wurden. Die Arbeiten decken ein beeindruckendes Themenspektrum aus der Grundlagen- und klinischen Forschung ab, von den Wirkmechanismen von Opioiden bis zu den psychosozialen Konsequenzen von postoperativem Amputationsschmerz, von der Beziehung zwischen Patientenängsten, Schmerzverarbeitung und Behandlungserfolg nach dem Einsetzen eine Knieprothese bis zur Rekurrenz von neuropathischem Schmerz nach einer Nervenverletzung.“

 

Lokalanästhetika ohne antibakterielle Wirkung

Dass Forscherinnen und Forscher aus Österreich in der europäischen Liga ganz vorne mitspielen, zeigt zum Beispiel eine Arbeit des Teams von Prim. Likar aus Klagenfurt über die bakterielle Wirkung von Lokalanästhetika, die es beim EFIC-Kongress unter die „Top Best Abstracts“ geschafft hat. Die Grundlagenstudie von Dr. Stefan Neuwersch und seinen Kollegen wird künftig jenen Patienten Schmerzen ersparen, denen eine Gewebsprobe entnommen wird, die auch mikrobiell analysiert werden muss. „Die Arbeit räumt mit der Vermutung auf, dass die gängigen örtlichen Betäubungsmittel Lidocain, Bupivacain, Mepivacain und Ropivacain eine antibakterielle Wirkung entfalten und damit die Ergebnisse von Biopsien verfälschen könnten“,so Prof. Likar. „Diese Lokalanästhetika können daher auch vor Biopsien eingesetzt werden, bei denen das Vorhandensein von Erregern untersucht werden soll. Das lässt die Patienten den diagnostischen Eingriff ohne Schmerzen erleben.“

 

Gute Wirksamkeit von Lidocain-Pflastern bei diabetischer Neuropathie

Erfreuliche Ergebnisse aus der angewandten Schmerzmedizin vermeldet beim EFIC-Kongress ein Team von Forschern vom Wiener Wilhelminenspital und dem Klinikum Klagenfurt: Die aktuelle Studie weist eine gute Wirksamkeit von fünfprozentigen Lidocain-Pflastern bei Patienten nach, die unter diabetesbedingten Polyneuropathien leiden. „Nach zwölfwöchiger Anwendung zeigte sich, dass immerhin 43 Prozent der 61 Studienteilnehmer zu den Respondern zählten, bei ihnen konnte der Schmerz um mehr als 50 Prozent gelindert und die Lebensqualität deutlich verbessert werden“, berichtet Prof. Likar. „Lidocain-Pflaster könnten also künftig eine gute Therapieoption für einen Gutteil der Patienten werden, die an Diabetischer Neuropathie leiden.“ Die Therapie scheint der Studie zufolge dann besondere Aussicht auf Erfolg zu haben, wenn bei den Betroffenen nur eine geringe mechanische Hyperalgesie (übermäßige Schmerzempfindlichkeit) und Allodynie (gesteigerte Schmerzempfindlichkeit) vorliegt.

Eine weitere österreichische Arbeit, die auf dem Europäischen Schmerzkongress präsentiert wird, ist das Ergebnis einer Kooperation des Ludwig Boltzmann Instituts für Rehabilitation Interner Erkrankungen, und der Klinischen Abteilung für Spezielle Anästhesie und Schmerztherapie, MedUni/AKH Wien. Sie bezieht sich auf den therapeutischen Einsatz der Magnetresonanz-Tomografie („nukleare Magnetresonanz“, NMR), der einigen Studien zufolge die Schmerzen von Patienten mit degenerativen rheumatischen Erkrankungen deutlich reduzieren soll. Vermutet wird, dass sich NMR vorteilhaft auf die Reparaturprozesse der Knorpel auswirkt und die Schmerzsignale positiv beeinflusst. Welche Wirkmechanismen auf zellulärer Ebene tatsächlich dahinterstecken könnten, haben nun Dr. Bibiane Steinecker-Frohnwieser erstmals erforscht. „Ihre Studie begleitete mehr als 1.000 Patienten mit Arthrosen am Hüft- oder Sprunggelenk ein Jahr lang“, berichtet Prim. Likar. „Auch ihre Arbeit bestätigt: Die Schmerzen der Patienten konnten durch NMR-Therapie gelindert werden. Der Grund scheint in der NMR-bedingten Modulation des intrazellulären Kalziums zu liegen.“

 

Quellen: EFIC IX „Pain in Europe“, Abstract-Band: Neuwersch et al, Antimicrobial activity of lidocaine, bupivacaine, mepivacaine and ropivacaine on staphylococcus epidermidis, staphylococcus aureus and bacillus subtilis;
Steinecker-Frohnwieser et al, Modulation of nf-kb activity by therapeutic nuclear magnetic resonance to declare pain reduction observed in patients with osteoarthritis;
Thaler et al, Analgesic response to lidocaine 5% medicated plaster in patients with painful diabetic polyneuropathy underlying different sensory patterns

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