Chemotherapie gegen Wilms-Tumor, seltenen Nierentumor bei Kindern

Nieren © hywards / shutterstock.com

Um Wilms-Tumor – einen seltenen Nierentumor bei Kindern mit guten Heilungschancen – effektiv zu behandeln, reicht eine weniger intensive Chemotherapie aus.

In Deutschland erkranken im Jahr rund 100 Kinder an einem Wilms-Tumor, einer seltenen Form von Nierentumoren. 90 Prozent der Betroffenen haben gute Chancen, den Krebs zu besiegen. Eine internationale Studie unter Leitung des Homburger Kinderonkologen Professor Dr. Norbert Graf konnte unlängst zeigen, dass Kinder, bei denen eine gute Heilungschance besteht, eine weniger intensive Chemotherapie benötigen. Denn hierbei wird bislang der Wirkstoff Doxorubicin verwendet, der bei den kleinen Patienten das Herz langfristig schädigen kann. Die Ergebnisse zeigen, dass das Risiko, später im Leben an einem Herzleiden zu erkranken, durch den Wegfall dieses Chemotherapeutikums deutlich gesenkt werden konnte.

 

Nierentumoren bei Kindern schonender behandeln

Bei Krebserkrankungen setzen Ärzte neben Operationen und Bestrahlung oft auf Chemotherapie. Diese Behandlung geht meist mit Nebenwirkungen einher, die bei Patienten auch erst Jahre später auftreten können. Bei Kindern, die an einem Wilms-Tumor erkranken, kommt zum Beispiel das Chemotherapeutikum Doxorubicin zum Einsatz – ein Mittel, das auch bei anderen Krebserkrankungen helfen soll.

Bei den Kindern kann Doxorubicin als Langzeitfolge das Herz schädigen. In seltenen Fällen kann es sogar dazu führen, dass das Herz transplantiert werden muss.

Forscher aus Europa und Brasilien hatten in den vergangenen Jahren untersucht, welche Folgen es hat, wenn die Mediziner bei der Behandlung auf diesen Wirkstoff verzichten. Die 583 Kinder, die an der Studie teilgenommen haben, hatteen alle eine mittelschwere Form des Tumors und gute Heilungschancen.

Die Kinder wurden in zwei Gruppen eingeteilt: Alle Patienten erhielten zwei Chemotherapeutika, die eine Gruppe erhielt zusätzlich bei der Behandlung nach wie vor Doxorubicin, in der anderen Gruppe wurde erstmals auf diesen Wirkstoff verzichtet. Bei den Patienten fanden nach der Therapie regelmäßig Kontrolluntersuchungen statt.

Die Mediziner konnten zeigen, dass die Patienten ohne das Chemotherapeutikum Doxorubicin den Krebs genauso gut überwinden konnten wie die Kinder, die das Mittel bekamen. Die Kinder können auf diese Weise schonender behandelt werden. Schwere Nebenwirkungen am Herzen bleiben ihnen erspart.


Literatur:

Pritchard-Jones K, Bergeron C, de Camargo B, van den Heuvel-Eibrink MM, Acha T, Godzinski J, Oldenburger F, Boccon-Gibod L, Leuschner I, Vujanic G, Sandstedt B, de Kraker J, van Tinteren H, Graf N; SIOP Renal Tumours Study Group. Omission of doxorubicin from the treatment of stage II-III, intermediate-risk Wilms‘ tumour (SIOP WT 2001). An open-label, non-inferiority, randomised controlled trial. Lancet. 2015 Sep 19;386(9999):1156-64. doi: 10.1016/S0140-6736(14)62395-3. Epub 2015 Jul 9. PMID: 26164096.


Quelle:

Universitätsklinikums in Homburg

Die mobile Version verlassen