Freitag, April 19, 2024

Neuropathische Schmerzen – aktuelle Therapie-Leitlinie für eine wirksame Behandlung

Neuropathische Schmerzen sind für Arzt und Patient sehr herausfordernd, eine rezente Therapie-Leitlinie soll eine effektive Behandlung unterstützen.

Neuropathische Schmerzen gehen auf eine Schädigung von Nervenbahnen oder zentralen, schmerzverarbeitenden Zentren zurück. Die Ursache ist aber in vielen Fällen nicht oder nicht mehr erkennbar. Entsprechend werden Nervenschmerzen oft nicht oder nur verzögert diagnostiziert. Die Therapie gilt als schwierig, deswegen soll die aktuelle Leitlinie für Neuropathische Schmerzen einen Überblick über die aktuell eingesetzten Diagnosemethoden geben und auf zeigen, welche Möglichkeiten der Behandlung es gibt und wie effektiv die sind.



 

Ursachen für neuropathische Schmerzen

Die wohl bekanntesten Ursachen für neuropathische Schmerzen sind die Gürtelrose (Herpes zoster). Die kann als Spätfolge einer Windpockeninfektion auftreten. Sowie beispielsweise bei Diabetes mellitus, bei dem die Nerven durch den erhöhten Blutzuckerspiegel geschädigt werden.

Neuropathische Schmerzen können aber beispielsweise auch nach einem Schlaganfall auftreten. Oder infolge einer Multiplen Sklerose, oder sie können auch genetisch bedingt sein.

 

Neue S2k-Leitlinie für neuropathische Schmerzen

Die Behandung neuropathischer Schmerzen unterscheidet sich von der Therapie anderer chronischer Schmerzen, bei denen das Nervensystem nicht geschädigt ist. Die aktuelle S2k-Leitlinie zeigt auf, wie man neuropathische Schmerzen diagnostisch klar voneinander abgrenzen kann.

Zudem zeigen sie, welche Behandlungsmöglichkeiten nach aktuellem wissenschaftlichem Stand geeignet sind. Für die Diagnose ist eine ausführliche Befragung des Patienten ebenso essentiell wie die klinische Untersuchung.

Um Art und Ausmaß der Schädigung zu identifizieren, setzt man neben neurophysiologischen Testmethoden zunehmend auch bildgebende Verfahren ein. Und zwar wie Kernspintomographie sowie Ultraschall. Als Goldstandard für den Nachweis einer Schädigung der kleinen, schmerzleitenden Fasern gilt aber nach wie vor die Hautbiopsie.

Eine ursächliche Therapie der neuropathischen Schmerzen ist oft nicht möglich. Aber die Experten der Leitlinie betonen, dass die Möglichkeiten einer heilenden oder kausalen Therapie ausgeschöpft werden sollten. Bei Nervenschmerzen, die in Folge einer diabetischen Neuropathie auftreten, muss versucht werden, den Diabetes optimal einzustellen.



 

Schmerzmedikamente

Die Behandlung mit Schmerzmedikamenten ist nach wie vor eine Herausforderung. Denn man kann selten vorhersagen, welches Medikament bei welchem Patienten wirkt. Zudem können Nebenwirkungen auftreten. Und außerdem können Medikamente bei manchen Patienten keine ausreichende Wirkung erzielen.

Die Leitlinie macht klare, wissenschaftlich begründete Aussagen zur Wirksamkeit der jeweiligen Medikamente. Sie macht zudem Empfehlungen zur medikamentösen Therapie. Die Autoren betonen aber auch, dass man neben der medikamentösen Behandlung auch die psychosozialen Umstände der Patienten berücksichtigen muss.

 

Multimodale Schmerztherapie

Als wichtige Therapieoption gilt nach wie vor die sogenannte multimodale Schmerztherapie. Bei der bekommen die Patienten neben der Ergotherapie und der Physiotherapie auch eine Schmerzpsychotherapie.

Im Rahmen dieser interdisziplinären Behandlung lernen die Patienten, mit dem Schmerz besser umzugehen. Und sie lernen Coping-Strategien zu entwickeln.

Schmerzbewältigungstechniken und das Überwinden eines Vermeidungsverhaltens können Patienten erlernen. Denn entscheidend für den Therapieerfolg sind das individuelle Schmerzempfinden und das Lebensgefühl des Patienten.

Ziel muss es sein, die Lebensqualität wieder zu verbessern und soziale Aktivitäten zu ermöglichen. Und zudem das soziale Beziehungsgefüge sowie die Arbeitsfähigkeit zu erhalten.




Literatur:

Schlereth T: Diagnose und nichtinterventionelle Therapie neuropathischer Schmerzen – Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Herausgegeben von der Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. 4. September 2019. https://www.dgn.org/images/red_leitlinien/LL_2019/PDFs_Download/030114_LL_Neuropathische_Schmerzen_2019.pdf

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