Möglicher Zusammenhang von Neurodermitis und Asthma

Neurodermitis bei Kindern steht heute schon an erster Stelle unter den Dermatosen im Kindesalter. © Ganna Biletska / shutterstock.com

Der so genannte atopische Marsch weist auf einen möglichen Zusammenhang von Neurodermitis Asthma hin. Doch das ist meist doch nicht der Fall.

Die Inzidenz allergischer Erkrankungen steigt jedenfalls weiter an. Querschnitts- und Längsschnittstudien haben gezeigt, dass allergische Erkrankungen in zeitlicher Reihenfolge auftreten. Und zwar von Neurodermitis und Nahrungsmittelallergie im Säuglingsalter bis zur allmählichen Entwicklung zu allergischem Asthma und allergischer Rhinitis im Kindesalter. Dieser Zusammenhang zwischen Neurodermitis und Asthma wird auch als atopischer Marsch bezeichnet. Dieser beschreibt wiederum die Befürchtungen von Müttern mit Kleinkindern, die an Neurodermitis erkrankt sind, dass sich bei ihren Kleinen Asthma entwickeln und manifestieren könnte. Im Grunde genommen ist das nicht der Fall. Allerdings gibt es genetische Risikoregionen, von denen zwei auf einen Zusammenhang von Neurodermitis und Asthma hinweisen.

Einige Wissenschaftler haben vorgeschlagen, dass der atopische Marsch in einem zeitlichen Muster mit genetischen und Umweltfaktoren nicht vollständig fortschreitet. Auch die Mechanismen, die dem atopischen Marsch zugrunde liegen, sind unvollständig verstanden. Dennoch bietet das Konzept des atopischen Marsches eine neue Perspektive für die Erforschung, Vorhersage, Prävention und Behandlung atopischer Erkrankungen.

 

Zusammenhang von Neurodermitis und Asthma nur bei obstruktiven Bronchitiden gegeben

Verschiedene Studienergebnisse haben gut nachgewiesen, dass in den allermeisten Fällen keine Verbindung Neurodermitis Asthma besteht. Gezeigt werden konnte, dass bei der überwiegenden Mehrzahl der Kinder mit Neurodermitis – auch als atopische Dermatitis bezeichnet –, aber ohne obstruktive Bronchitiden (dauerhaft verengte Atemwege) im Alter von zwei Jahren kein erhöhtes Asthmarisiko im Alter von sieben Jahren hatten. Bei wenigen Kindern mit ungewöhnlichem Sensibilisierungsmuster zeigte sich im Alter von sieben Jahren ein erhöhtes Asthma-Risiko.

 

Neurodermitis und Asthma: Der atopische Marsch durch Ekzem-Gene beeinflusst

Menschen mit allergischer Disposition leiden im frühen Kindesalter vor allem unter allergischen Hautreaktionen, allen voran der Neurodermitis. Neurodermitis, Asthma, Nahrungsmittelallergie und Heuschnupfen kann eine derartige Allergiker-Karriere sein.

2016 haben Berliner Forscher vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) zusammen mit internationalen Kollegen sieben genetische Risikoregionen für so eine Allergiker-Karriere identifiziert. Der Begriff atopische Marsch beschreibt diesen Krankheitsverlauf. Zwei dieser sieben Genregionen waren bislang unbekannt und betreffen spezifisch den Zusammenhang Neurodermitis Asthma. Der Studie zufolge sind es insbesondere jene Genregionen, die bei Neurodermitis eine Rolle spielen, die dann das Risiko erhöhen, an weiteren Allergien zu erkranken. Die im Fachjournal Nature Communications publizierte Studie untersuchte etwa 20.000 Menschen.

Besonders interessant aus diesen Forschungsergebnissen war aus ärztlicher Sicht die prominente Rolle der Ekzemgene bei der späteren Asthmaentwicklung, die beim Zusammenhang Neurodermitis Asthma offensichtlich die entscheidende Rolle einnehmen. Diese Erkenntnisse lassen hoffen, dass durch Vorbeugung sowie konsequenter Behandlung der frühkindlichen Neurodermitis der atopische Marsch möglicherweise an seinem Fortschreiten gehindert werden kann.

 

Kinder mit und ohne allergischer Disposition und Atemwegserkrankungen und Lungenfunktionseinschränkung verglichen

Interessant ist auch, dass beim Vergleich der Krankheitsverläufe von Kindern mit Atemwegserkrankungen in verschiedenen Studien jeweils mit und ohne allergischer Disposition – bei Beobachtung des Zeitraums von Geburt bis ins Vorschulhalter – im klinischen Bild kein Unterschied gezeigt werden. Kinder mit und ohne allergische Disposition waren die Kinder praktisch gleich oft krank und machten großteils die gleichen Infekte durch. Es kann nur mittels eines Allergietests unterschieden werden, ob es sich bei dem betreffenden Kind um einen Allergiker oder Nichtallergiker handelt.

Verschiedene Studienergebnisse haben auch gezeigt, dass Kinder ohne Allergien ihre Asthma-artigen Lungenbeschwerden im Schulalter verlieren und bei den allergischen Kindern wird das Krankheitsbild Asthma sehr wahrscheinlich chronisch. Bei Betrachtung der Lungenfunktion ergibt sich ein gleiches Bild, die Nichtallergiker haben mit Beginn der Schulzeit wieder eine normale Lungenfunktion, bei allergischen Kindern bleibt die Lungenfunktionseinschränkung bestehen.


Literatur:

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Quelle:

Neurodermitis und Asthma: Der atopische Marsch, MEDMIX 2/2009

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