Neuritis vestibularis – wenn das Gleichgewichtsorgan einseitig ausfällt

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Wenn das Gleichgewichtsorgan einen einseitigen Ausfall hat, spricht man von Neuritis vestibularis – einer der häufigsten Schwindelerkrankungen.

Ein plötzlich autretender Drehschwindel (oder Kippschwindel) in Verbindung mit Übelkeit und Erbrechen sind typische Anzeichen für Neuritis vestibularis. Die sogenannte Neuritis vestibularis bezeichnet den einseitigen Ausfall des Gleichgewichtsorganes und zählt zu den häufigsten Schwindelerkrankungen in HNO-NotfallambulanzenDie Erkrankung tritt bevorzugt im Erwachsenenalter zwischen 30 und 60 Jahren auf. Männern und Frauen erkranken daran gleich häufig. Neuritis vestibularis kann aber auch bei älteren Patienten vorkommen. Hingegen ist bei Kindern dieses Krankheitsbild selten zu beobachten.

 

Entzündung des Gleichgewichtsnerves

Eine Entzündung des Gleichgewichtsnerves dürfte für Neuritis vestibularis verantwortlich sein. Dies schränkt wiederum das Gleichgewichtsorgan in seiner Funktion ein. Schließlich funktioniert die Weiterleitung wesentlicher Information zum Gehirn plötzlich nicht mehr. Das Resultat ist ein massiver Drehschwindel mit typischem Augenzittern und starker Übelkeit.

 

Nystagmus als entscheidendes Symptom

Entscheidendes Erkennungsmerkmal für die Neuritis vestibularis ist für den Arzt das Augenzittern – der sogenannte Nystagmus. Nystagmus entsteht dadurch, dass bei akutem einseitigen Ausfall eines Gleichgewichtsorganes auch ein wichtiger Reflex, der Vestibulookuläre Reflex (VOR), verschwindet.

Der Vestibulookuläre Reflex ist eine Verschaltung zwischen Auge und Gleichgewichtssinn, durch die wir trotz Bewegung des Kopfes ein Ziel stabil fixieren können. Wenn diese Verbindung nicht mehr funktioniert, dann fangen die Augen zu zittern an.

Das Augenzittern hält solange an, bis sich das Gehirn an die Situation gewöhnt und die Gleichgewichtsorgan-Informationen neu verarbeitet. Diagnostiziert wird Der Ausfall wird am Krankenbett mittels Überprüfung des Vestibulookulären Reflexes diagnostiziert. Bei dem sogenannten Kopfimpulstest macht der Patient kurze, schnelle Kopfdrehungen und muss gleichzeitig einen Punkt fixieren. Mittlerweile kommt auch eine Videodokumentation zum Einsatz (vKIT-Videokopfimpulstest).

 

Behandlungmöglichkeiten der Entzündung

Manchmal erholt sich das Gleichgewicht sehr rasch, manchmal bleibt es stumm. Trotzdem ist die Prognose dieser Erkrankung gut, da das Gehirn, obwohl das ausgefallene Gleichgewichtsorgan auf einer Seite vielleicht nicht mehr anspringt, das Defizit gut kompensieren kann. Typischerweise sind die schlimmsten Schwindelprobleme nach 1 bis 2 Wochen vorbei.

Wichtig dafür ist allerdings, dass man dem Gehirn auch genügend Impulse für die Neuberechnung gibt, weshalb es entscheidend ist, so schnell wie möglich viel Bewegung zu machen.

Zusätzlich ist eine Therapie mit Cortison hilfreich, da es die Krankheitsdauer entscheidend verkürzen kann. Eine antivirale Therapie ist nicht hilfreich.

Warum der Nerv sich entzündet ist noch nicht ganz geklärt. Die Forschung vermutet eine Infektion mit Herpesviren oder auch eine lokale Durchblutungsstörung. Ein Zusammenhang mit Stress ist wahrscheinlich. Allerdings gibt es keine speziellen Maßnahmen, mit der sich Neuritis vestibularis verhindern lässt.

Quelle:

Statement » Häufige Schwindelformen im HNO Bereich« von Dr. Katharina Meng, Leiterin der Schwindelambulanz der HNO-Abteilung des Sozialmedizinischen Zentrums Süd – Kaiser Franz Josef Spital, Wien zum österreichischen HNO-Kongress 2018

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About Author

Rainer Muller

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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