Neugeborenensepsis durch den Parechovirus

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Das Parechovirus Typ 3 kann bei Neugeborenen zu schweren Infektionen führen und ist für 10% aller Fälle von Neugeborenensepsis verantwortlich.

Im wieder treten Fälle einer Parechovirus Typ 3-Infektion bei Neugeborenen auf. Beispielhaft dafür ist ein 2 Wochen alter Säugling,der hohes Fieber entwickelte. Der kleine Patient bekam außerdem ein blassgraues Hautkolorit sowie eine Trinkschwäche. Man nahm ihn schließlich mit Verdacht auf eine Neugeborenensepsis stationär auf. Die fehlenden Entzündungszeichen deuteten auf eine virale Genese. Die Anamnese ergab, dass die Geschwister des Kindes zu diesem Zeitpunkt Schnupfen hatten.

Ein anderer Neugeborener entwickelte am 7. Lebenstag Fieber, O2-Sättigungsabfälle sowie selbstlimitierte Apnoen. Wegen der Frühgeburt in der 35. Schwangerschaftswoche war er noch unter stationärer Beobachtung. In diesem Fall hatte auch die Mutter zur selben Zeit Fieber und Schüttelfrost. Ein am Folgetag angefertigtes EEG bei dem Kind zeigte Krampfaktivität und mittels MRT wurde eine Meningoenzephalitis diagnostiziert.

 

Virusnachweis zur Diagnose der Parechovirus Typ 3-Infektion

Die Diagnose der Parechovirus Typ 3-Infektion erfolgte in beiden Fällen über den direkten Virusnachweis mittels PCR aus Serum, Stuhl und Liquor. Andere mögliche Erkrankungsursachen, insbesondere perinatal erworbene Enterovirus bzw. Herpesvirus-Infektionen, sowie eine bakterielle Genese konnten labordiagnostisch ausgeschlossen werden.

Erfahrungsgemäß kann die Viruslast bei Parechovirus-Infektionen, vor allem im Liquor, sehr gering sein. Daher ist es sinnvoll, den Nachweis aus verschiedenen klinischen Materialien zu veranlassen. In den zitierten Fällen konnte das Virus auch im Harn und Rachenabstrich nachgewiesen werden.

 

Für jede zehnte Neugeborenensepsis verantwortlich

Das im Jahre 2004 entdeckte Parechovirus Typ 3 ist eines von mittlerweile 16 bekannten Parechovirus Typen. Während die meisten Parechoviren Gastroenteritiden und respiratorische Infekte verursachen, kann der Erreger bei Neugeborenen zu schweren Infektionen führen. Außerdem ist er für 10% aller Fälle von Neugeborenensepsis verantwortlich.

Seltener führt diese Infektion auch zu einer Meningoenzephalitis, die mit neurologischen Schäden sowie Todesfällen bei Neugeborenen einhergehen kann. Bei unseren kleinen Patienten verlief die Infektion erfreulicherweise gut und die Kinder konnten nach kurzem stationärem Aufenthalt gesund entlassen werden.

Wie auch bei den nahe verwandten Enteroviren treten Parechovirus Typ 3 Infektionen saisonal gehäuft auf, wobei Epidemien sowohl im Frühjahr und Sommer als auch in den Wintermonaten beschrieben werden, die meist in Abständen von 2-3 Jahren auftreten. Unsere epidemiologischen Untersuchungen zeigen, dass Parechovirus Typ 3 derzeit bei uns zirkuliert.

Daher sollte im Falle einer Neugeborenensepsis sowie bei neurologischen Symptomen, insbesondere bei Säuglingen unter 3 Monaten, eine Parechovirus Infektion differentialdiagnostisch erwogen werden.

logo-virusepidemiologische-informationenQuelle:

VIRUSEPIDEMIOLOGISCHE INFORMATION” NR. 15 / 16. Prof. Dr. Stephan Aberle. Department für Virologie der Med. Universität Wien.

http://www.virologie.meduniwien.ac.at/home/upload/vei/2016/1516.pdf

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Axel Rhindt

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

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