Nusinersen zur Therapie gegen Spinale Muskelatrophie Typ 1

Gegen Spinale Muskelatrophie Typ 1 bei Säuglingen verbessert die Therapie mit Nusinersen den Krankheitsverlauf sehr deutlich.

Seit Ende 2016 können bei Säuglingen die Spinale Muskelatrophie Typ 1 mit Nusinersen behandelt werden. Der neue Wirkstoff zeigte eine derartig gute Wirkung, dass die relevante klinische Studie zur Therapie mit Nusinersen frühzeitig abgbrochen werden musste. Im Härtefall können Patienten ab sofort mit dem Wirkstoff behandelt werden.

 

Spinale Muskelatrophie Typ 1 – häufigste genetische Todesursache im Kindesalter: Nusinersen verlangsamt krankhafte Nervenschädigung

Die Erbkrankheit Spinale Muskelatrophie Typ 1 führt dazu, dass Nervenzellen im Rückenmark, die die Muskeln steuern, absterben. Diese schwerste Form der Muskelatrophie-Erkrankung beginnt im Säuglingsalter und endet oft tödlich durch Ersticken oder Atemlähmung. Spinale Muskelatrophie Typ 1 ist die häufigste genetische Todesursache im Kindesalter. Ein neuer Wirkstoff verlangsamt nun erstmals die krankhafte Nervenschädigung und führt so zu einer Besserung der Symptome.

So konnte nach Jahrzehnten der Forschung endlich ein Medikament entwickelt werden, mit dem der schwere Krankheitsverlauf der Säuglinge positiv beeinflusst werden kann. Die mit Nusinersen behandelte Säuglinge entwickeln sich motorisch deutlich besser als die Säuglinge, die nicht behandelt werden.

Nusinersen auch für Kinder mit Spinaler Muskelatrophie Typ 2

Auch für die etwas weniger schwer betroffenen Kinder mit Spinaler Muskelatrophie Typ 2 konnten mittlerweile in einer Phase-III-Studie (CHERISH) eindeutige positive Effekte nachgewiesen werden. Die Ärzte hoffen bald vielen betroffenen Patienten und Familien so helfen zu können.

Ursache der spinalen Muskelatrophie ist ein Defekt im Gen SMN1. Die Folge ist eine mangelhafte Produktion des Proteins SMN,  das für das Überleben der Nervenzellen notwendig ist. Der neue Wirkstoff wurde speziell für diese Erkrankung entwickelt. Er verändert den Ableseprozess eines sehr ähnlichen Gens (SMN2), wodurch eine gewisse Menge des SMN-Proteins produziert wird. Dies führt zur Verbesserung der Symptome.

Nusinersen

Nusinersen ist ein sogenanntes Antisense-Oligonukleotid, dessen kurze Nukleotid-Sequenz die Produktion des benötigten SMN-Proteins beeinflusst, indem das Gen SMN2 vermehrt exprimiert wird, wobei SMN2 dem bei Patienten mit Spinaler Muskelatrophie Typ 1 fehlenden oder mutierten SMN1-Gen sehr ähnlich ist. Die aufwändige Anwendung von Nusinersen erfolgt über eine Lumbalpunktion direkt in das Hirnwasser gespritzt – nach der ersten Behandlung erfolgen Wiederholungen nach 14, 30 und 60 Tagen, des weiteren alle vier Monate.


Literatur:

Goodkey K, Aslesh T, Maruyama R, Yokota T. Nusinersen in the Treatment of Spinal Muscular Atrophy. Methods Mol Biol. 2018;1828:69-76. doi: 10.1007/978-1-4939-8651-4_4.


Quellen:

https://www.uniklinik-freiburg.de/paed-neuro/forschung-und-studien/ag-neuromuskulaere-erkrankungen.html

http://www.initiative-sma.de/

Related Articles

Aktuell

Antioxidantien in höheren Konzentrationen können Risiko für Demenz verringern

Antioxidantien scheinen mit zunehmendem Alter vor Neurodegeneration und damit vor dementiellen Erkrankungen wie Alzheimer-Demenz schützen zu können. Verschiedene Stoffe in Gemüse, Obst und Beeren sind...
- Advertisement -

Latest Articles

Tipps und Empfehlungen: was man gegen Frühjahrsmüdigkeit tun kann

Es gibt einige bewährte und wertvolle Tipps, Maßnahmen und Empfehlungen, was man gegen die Frühjahrsmüdigkeit tun kann. Im Grunde genommen ist die Frühjahrsmüdigkeit ein durchaus...

Lubricin zur Vorbeugung und Behandlung von Gicht im Blicklicht

Das in der Gelenkflüssigkeit vorkommende Protein Lubricin könnte ein neues Ziel für die Vorbeugung und Behandlung von Gicht – neben Arthrose und Arthritis –...

Vorsicht vor Botox-Spritzen in die Magen-Wand

Experten warnen vor einer Behandlung mit Botox-Spritzen in die Magen-Wand zur Appetitzügelung wegen der Gefahr für Botulismus, einer lebensbedrohlichen Botox-Vergiftung. Experten der Deutschen Gesellschaft für...