Neue Therapie-Möglichkeiten gegen Pankreaskrebs erforschen

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Pankreaskrebs zählt zu den aggressivsten Tumorarten, wobei man neue Therapie-Möglichkeiten braucht, die die bislang verfügbaren meist nur wenig ausrichten.

Unter dem Strich ist Pankreaskrebs sehr widerstandsfähig gegen Medikamente, weswegen man dringend neue Therapie-Möglichkeiten erforschen muss. Dabei ist es auch sehr problematisch, dass diese Tumoren so früh im Körper Metastasen bilden. Auf der Basis der Ergebnisse erproben Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum Schizophrenie-Medikamente, neue Wirkstoffe und sogar Viren gegen Pankreaskrebs.

 

Pankreaskrebs mit steigenden Sterblichkeitsraten

Im Grunde genommen verläuft Pankreaskrebs (Bauchspeicheldrüsenkrebs) meist extrem aggressiv. Deswegen versterben fast alle Patienten an ihrer Krebserkrankumg. Während bei den meisten anderen Krebsarten Fortschritte in der Vorbeugung, Früherkennung und Therapie die Sterblichkeitsraten senken konnten, steigen sie bei Pankreaskrebs kontinuierlich an.

Wobei auch Bauchspeicheldrüsenkrebs lange Zeit keine Symptome verursacht. Deswegen wird er immer erst spät entdeckt. Außerdem streuen die Tumoren schon sehr früh Metastasen und entwickeln außerdem sehr schnell Resistenzen gegen die Chemotherapie. Daher ist man auch intensiv auf der Suche nach den molekularen Ursachen für diese besondere Aggressivität der krebszellen bei Pankreaskrebs.

 

Neue Thgerapie mit Dopamin-Antagonisten bei Pankreaskrebs

Die deutschen Forscher haben unlängst entdeckt, dass ein Rezeptor für den Neurotransmitter Dopamin das Wachstum und die Ausbreitung von Pankreaskrebs fördert. Medikamente gegen Schizophrenie, die an diesen Rezeptor andocken und seine Funktion blockieren, verlangsamten in Mäusen das Tumorwachstum und bremsten die Metastasierung.
Deswegen untersucht man nun die Wirkung der genannte Dopamin-Antagonisten bei Pankreaskrebs als neue Therapie. Denn die Parkinson-Medikamente sollen auch bei Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen.

 

Die Fähigkeit der Pankreaszellen zur Metastasierung im Blickpunkt

Von Bedeutung ist auch die Entdeckung, dass Pankreaszellen Metastasen bilden können, bevor sich die gesunde Zellen in Krebszellen verwandeln. Dazu drosseln die Zellen eine bestimmte microRNA, die normalerweise die Invasionsfähigkeit unterdrückt. Das widerspricht der klassischen Vorstellung, dass Krebszellen erst im Laufe des Tumorwachstums durch mehrere aufeinanderfolgende Mutationen dazu in die Lage versetzt werden, sich vom Tumor zu lösen und auf Wanderschaft zu gehen. Pankreaskrebszellen dagegen sind sozusagen von Beginn an bösartig.

Eine weitere molekulare Ursache für die Bösartigkeit von Pankreaskrebs ist, dass Pankreaskrebszellen deutlich mehr des Rezeptorproteins CD95 auf ihrer Oberfläche tragen als gesunde Zellen des Organs. CD95 fördert die Metastasierung und die Fähigkeit, neue Tumoren zu initiieren. Pankreaskrebszellen, die besonders viel CD95 bildeten, zeigten die deutlichsten Merkmale des Programms in Richtung Bösartigkeit. Krebszellen aus Metastasen trugen darüber hinaus mehr CD95 als Zellen des Primärtumors.

Ein neuer Wirkstoff, APG101, vereitelt den Kontakt zwischen den CD95-Molekülen auf der Oberfläche der Krebszellen mit ihrem spezifischen Bindungspartner. Als die Forscher bei Mäusen CD95 mit APG101 blockiert, wuchsen die Krebszellen langsamer und bildeten weniger Metastasen.

 

Resistenzen und neuer Test zur Erkennung von Bauchspeicheldrüsenkrebs

Interessant sind auch neue Erkenntnisse, warum manche Tumoren der Bauchspeicheldrüse so resistent gegen die Behandlung sind. Es zeigte sich, dass die Krebszellen große Mengen des Enzyms CYP3A5 produzieren, das viele Medikamente in der Zelle schnell abbaut und dadurch unwirksam macht.

Mit einem neu entwickelten Test kann man nun drei Arten von Bauchspeicheldrüsenkrebs nachweisen. Und zwar kann man damit Tumoren erkennen,  die sich in ihrer Aggressivität, aber auch in ihrem Ansprechen auf Medikamente unterscheiden.

Es zeigte sich, dass Zellen des resistenten Tumortyps besonders viel CYP3A5 produzieren. So gelang es Stammzellforschern, das Enzym in Tumorzellen und sogar in tumortragenden Mäusen gezielt zu blockieren. Zudem konnte man die Zellen wieder für die Medikamente empfindlich machen und so das Tumorwachstum blockieren.

 

Neue Therapie mit Viren bei fortgeschrittenem Pankreaskrebs

Derzeit läuft eine klinische Studie, in der fortgeschrittener Bauchspeicheldrüsenkrebs mit Viren behandelt wird. Im Grunde genommen untersuchen Forscher seit Anfang der 1990er Jahre die krebstötenden Eigenschaften von Parvorviren des Stamms H1. Die Sicherheit dieser Therapie-Möglichkeit wurde bereits in einer klinischen Studie belegt. Zunächst an Patienten mit bösartigen Hirntumoren. Nun soll sich zeigen, ob eine solche neue Therapie auch beim metastasierten Pankreaskarzinom wirksam sein kann. Dabei soll das Virus eine Immunantwort sowohl gegen den Tumor als auch gegen seine Metastasen auslösen.

Literatur:

Hajda J, Lehmann M, Krebs O, Kieser M, Geletneky K, Jäger D, Dahm M, Huber B, Schöning T, Sedlaczek O, Stenzinger A, Halama N, Daniel V, Leuchs B, Angelova A, Rommelaere J, Engeland CE, Springfeld C, Ungerechts G. A non-controlled, single arm, open label, phase II study of intravenous and intratumoral administration of ParvOryx in patients with metastatic, inoperable pancreatic cancer: ParvOryx02 protocol. BMC Cancer. 2017 Aug 29;17(1):576. doi: 10.1186/s12885-017-3604-y.

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Pietkiewicz S, Eils R, Krammer PH, Giese N, Lavrik IN. Combinatorial treatment of CD95L and gemcitabine in pancreatic cancer cells induces apoptotic and RIP1-mediated necroptotic cell death network. Exp Cell Res. 2015 Nov 15;339(1):1-9. doi: 10.1016/j.yexcr.2015.10.005. Epub 2015 Oct 8.


Quelle: www.dkfz.de

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Rainer Muller

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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