Neuartiger Wirkstoff für allergisches Asthma

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Ein völlig neuartiger Wirkstoff – zur neuen Wirkstoffklasse der DNAzyme zugehörig – hat sich als wirksam gegen allergisches Asthma erwiesen.

Ein Expertenteam um den Marburger Mediziner Professor Dr. Harald Renz von der Philipps-Universität Marburg hatte vielversprechenden Ergebnisse vor zwei Jahren in der Onlineausgabe der Fachzeitschrift „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht. Demnach schwächten sich die Beschwerden von Asthmapatienten um bis zu 34 Prozent ab, wenn sie das Präparat SB010 verabreicht bekamen, das auf einer enzymatisch wirksamen DNA beruht (DNAzym). Der Wirkstoff ist aus jahrelangen Arbeiten von Renz und seinem Team hervorgegangen.

Asthma ist mit zirka 300 Millionen weltweit Betroffenen eine der häufigsten Krankheiten, mit über 500000 Patienten ist die Lungenerkrankung auch in Österreich weit verbreitet. Die Krankheitsfolgen sind meist sehr belastend. „Die Therapie schwerer Verlaufsformen des allergischen Asthmas ist zurzeit noch unbefriedigend“, erklärt Harald Renz, der das Institut für Laboratoriumsmedizin an der Philipps-Universität Marburg leitet; „dies macht ein neuartiges Therapieprinzip erforderlich“. Die Arbeitsgruppe von Renz forscht seit der Jahrhundertwende an einer solchen Behandlungsoption; seit dem Jahr 2007 werden die Arbeiten vom Marburger Biotech-Unternehmen „sterna biologicals“ fortgeführt, einer Ausgründung der Marburger Universität.

„Unser Wirkstoff SB010 ist das erste Beispiel einer völlig neuen Wirkstoffklasse, der DNAzyme“, erläutert Renz. Darunter versteht man künstliche DNA-Moleküle, die enzymatisch aktiv sind. SB010 hemmt ein Protein, das eine Entzündung auslöst und damit für die typischen Asthmasymptome verantwortlich ist.

In der jetzt erfolgreich abgeschlossenen Studie wurde die Wirksamkeit des neuen Therapeutikums untersucht. Die Studie wurde als randomisierte Doppelblindstudie an sieben deutschen Zentren unter der wissenschaftlichen Leitung von Professor Dr. Norbert Krug durchgeführt, dem Ärztlichen Direktor am Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin (ITEM) in Hannover. Eine 28-tägige Behandlung mit SB010-Inhalationen führte zu einer signifikanten Verbesserung der Lungenfunktion. Das Präparat erwies sich außerdem als sicher und gut verträglich.

 

Allergisches Asthma bei etwa 50 Prozent aller Asthmatiker anzutreffen

Nach neuesten Forschungsergebnissen ist davon auszugehen, dass allergisches Asthma bei etwa 50 Prozent aller Asthmatiker zutrifft. „Weitere klinische Untersuchungen zu SB010 mit größeren Patientengruppen mit Asthma halte ich für äußerst sinnvoll“, führt Studienleiter Krug aus. Bei diesem Krankheitsbild – gleich welchen Schweregrades – spielen T-Lymphozyten des Subtyps Th2 die entscheidende Rolle.

Die Entwicklung neuer Arzneimittel speziell für diese Patientengruppe ist daher sehr vielversprechend, besonders von Medikamenten, die inhalativ verabreicht werden. „Weitere klinische Untersuchungen zum Wirkstoff SB010 mit größeren Patientengruppen mit Asthma halte ich für äußerst sinnvoll“, erklärt Krug.

Zeitgleich mit der Veröffentlichung im „New England Journal of Medicine“ präsentierten Renz und Kollegen die Ergebnisse der Studie auf der internationalen Jahrestagung der „American Thoracic Society“ in Denver, USA 2015.

Quelle und Literatur:

http://www.med.uni-marburg.de

Norbert Krug & al.:Induced Asthmatic Responses Modified by a GATA-3 Specific DNAzyme, NEJM. 2015 ; http://www.uni-marburg.de/aktuelles/unijournal/uj43/muj43fj2014.pdf

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