Natives Olivenöl, Ölsäure und die Oliven-Polyphenole Oleuropein und Hydroxytyrosol

Natives Olivenöl – mit seinen Inhaltsstoffen Ölsäure, Oleuropein und Hydroxytyrosol – weist vielfältige positive Einflüsse auf Herz, Gefäße und Stoffwechsel auf. © Gaby Fitz / shutterstock.com

Natives Olivenöl enthält reichlich ungesättigte Fettsäuren wie Ölsäure, wichtig sind die Oliven-Polyphenole Oleuropein und Hydroxytyrosol.

Olivenöl beziehungsweise natives Olivenöl weist als ein Hauptbestandteil der mediterranen Ernährung vielfältige positive Einflüsse auf Herz, Gefäße und Stoffwechsel auf. Dementsprechend wird der Olivenbaum bereits seit der Antike als Lebensbaum bezeichnet. Heute weiß man, dass natives Olivenöl seine wichtigste Wirkung nicht der Ölsäure, sondern spezifischen sekundären Pflanzenstoffen – den sogenannten Oliven-Polyphenolen Oleuropein und Hydroxytyrosol – zuzuschreiben ist. Jüngste Untersuchungen zeigen auch positive Effekte der beiden Polyphenole gegen verschiedene Krebsarten.

Die Schutzwirkung der mediterranen Ernährung im Hinblick auf Gefäßerkrankungen – und mögliche Folgen wie Herzinfarkt und Schlaganfall – ist mittlerweile unstrittig. Olivenöl, das neben der Ölsäure eine große Anzahl günstiger Mikronährstoffe enthält, wirkt zum Beispiel antioxidativ, entzündungs- und gerinnungshemmend. Insbesondere konnten Forschungen zeigen, dass sich Olivenöl durch seine einfach ungesättigten Fettsäuren, Ölsäure, und Oliven-Polyphenole günstig auf die Cholesterinwerte auswirkt. Dies trifft in erster Linie auf kalt gepresste Öle mit den Bezeichnungen Natives Olivenöl extra oder Olivenöl extra vergine zu.

 

Natives Olivenöl zählt zu den gesündesten Nahrungsfetten

Jedenfalls ist natives Olivenöl sehr gesund und gehört den gesündesten Nahrungsfetten. Denn natives Olivenöl weist den höchsten Gehalt (bis 80%) einfach ungesättigte Fettsäuren, der Ölsäure (Omega-9-Fettsäuren), auf.

Die Ölsäure hat dabei vielseitige physiologische Eigenschaften. Denn Ölsäure vermindert das Gesamt- und LDL-Cholesterin, während die HDL-Konzentration kaum beeinflusst wird. Zudem verringert sie – wie auch Omega-3-Fettsäuren – den Einbau von gesättigten und Omega-6-Fettsäuren in die Zellmembran.

Dadurch verbessert sich die Elastizität der Gefäße, die Kommunikation der Nervenzellen sowie die Geschmeidigkeit der Haut. Außerdem weisen Studien darauf hin, dass auch ein schützender Effekt der Ölsäure im Magen-Darmtrakt sowie insbesondere gegen Brustkrebs besteht.

 

Oliven-Polyphenole Oleuropein und Hydroxytyrosol

Neuerdings weiß man zudem auch, dass die Hauptwirkung von nativem Olivenöl nicht von Ölsäure kommt, sondern sie sind den spezifischen sekundären Pflanzenstoffen Oleuropein und Hydroxytyrosol – den Oliven-Polyphenolen – zuzuschreiben.

Die Wirkstoffe wie Oleuropein sind im kaltgepressten Öl in einer Konzentration von 0,005-0,08 % und in frischen Oliven je nach Sorte, Anbau und Reifegrad mit über 2 % enthalten. Raffinierte Olivenöle hingegen weisen nur noch geringe Konzentrationen an phenolischen Verbindungen auf. Auch geht in Abhängigkeit von der Art der Olivenfermentierung ein erheblicher Anteil in die Verarbeitungslösung (Salzlake) über.

Wer eine mediterrane Ernährung bevorzugt, der nimmt täglich etwa 10 bis 20 mg der Oliven-Polyphenole Oleuropein und Hydroxytyrosol auf. Und zwar entsprechend 25 bis 50 g kaltgepresstem Olivenöl. Bei diesen handelt es sich hauptsächlich um das Secoiridoidglykosid Oleuropein. Das ist auch für den bitteren Geschmack der frischen, unfermentierten Oliven sowie für die Bräunung der Olivenhaut verantwortlich. Mit zunehmender Reife wird das Oliven-Polyphenol Oleuropein gespalten und in das stärker antioxidativ wirksame Hydroxytyrosol sowie auch Tyrosol übergeführt.

Das Oliven-Polyphenol Hydroxytyrosol ist ebenfalls wie Resveratrol ein starkes ambiphiles Antioxidans (ca. 100 x stärker als Vitamin C). Diesbezüglich wurden auch vorbeugende Eigenschaften durch die Neutralisation freier Radikale bei Passiv-Rauchern festgestellt.

Im Grunde genommen demonstrieren Oleuropein und Hydroxytyrosol gemeinsam das umfassende pharmakologische Wirkungsspektrum der beiden Oliven-Polyphenole. Und zwar unterstützen die Wirkungen insbesondere das Herz und die Gefäße, den Blutdruck sowie den  Lipidstoffwechsel. Außerdem helfen die beiden Oliven-Polyphenole in der Krebsvorbeugung sowie bei Entzündungen.

Weiter wurde für eine Oleuropein-Derivat namens Oleocanthal eine antiphlogistische Wirkung vergleichbar mit dem Wirkprofil und der Stärke von Ibuprofen beschrieben.


Pharmakologische Wirkungen der Oliven-Polyphenole Oleuropein und Hydroxytyrosol


Fazit

Im Grunde genommen ist natives Olivenöl – am besten kalt gepresst – im Rahmen einer ausgewogenen mediterranen Ernährung sehr empfehlenswert. Damit kann man das Risiko für die Entstehung von Gefäßkrankheiten vermindern oder deren Verlauf günstig beeinflussen. Zudem zeigen sich in zahlreichen Studien auch immer mehr positive Wirkungen gegen Krebszellen.


Literatur:

Serreli G, Deiana M. Extra Virgin Olive Oil Polyphenols: Modulation of Cellular Pathways Related to Oxidant Species and Inflammation in Aging. Cells. 2020;9(2):E478. Published 2020 Feb 19. doi:10.3390/cells9020478

Imran M, Nadeem M, Gilani SA, Khan S3, Sajid MW, Amir RM. Antitumor Perspectives of Oleuropein and Its Metabolite Hydroxytyrosol: Recent Updates. Food Sci. 2018 Jul;83(7):1781-1791. doi: 10.1111/1750-3841.14198. Epub 2018 Jun 21.

Chloe D. Goldsmith, Danielle R. Bond, Helen Jankowski, Judith Weidenhofer, Costas E. Stathopoulos, Paul D. Roach, Christopher J. Scarlett. The Olive Biophenols Oleuropein and Hydroxytyrosol Selectively Reduce Proliferation, Influence the Cell Cycle, and Induce Apoptosis in Pancreatic Cancer Cells. Int J Mol Sci. 2018 Jul; 19(7): 1937. Published online 2018 Jul 2. doi: 10.3390/ijms19071937

Syed Haris Omar. Oleuropein in Olive and its Pharmacological Effects. Sci Pharm. 2010 Apr-Jun; 78(2): 133–154. Published online 2010 Apr 23. doi: 10.3797/scipharm.0912-18


Quelle: Oliven-Polyphenole. MEDMIX 4/2008

Die mobile Version verlassen