Natives Olivenöl, Ölsäure und die Oliven-Polyphenole Oleuropein und Hydroxytyrosol

Must Read

Wenn die Finger schmerzen – Ursachen frühzeitig abklären

Wenn die Finger schmerzen, sollte ihr Arzt rasch den Grund dafür herausfinden. Denn die effektive, frühzeitige Behandlung ist sehr...

Telomere spielen im Alterungsprozess eine zentrale Rolle

Menschen, bei denen die Telomere kürzer sind, haben ein erhöhtes Risiko im Alterungsprozess, Krankheiten wie Alzheimer oder Krebs zu entwickeln. Telomere...

Osteoporose beeinträchtigt die Lebenserwartung erheblich

Osteoporose-Patientinnen haben eine geringere Lebenserwartung. Nur jede zehnte erhält eine wirksame Therapie, was ebenfalls das Risiko erhöht, frühzeitig zu sterben. Im Grunde...
Ann-Marie Nüsslein
Ann-Marie Nüssleinhttp://www.afcom.at
MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

Natives Olivenöl weist den höchsten Gehalt an einfach ungesättigten Fettsäuren auf. Ein große Rolle spielen die Oliven-Polyphenole Oleuropein und Hydroxytyrosol.

Olivenöl beziehungsweise natives Olivenöl weist als ein Hauptbestandteil der mediterranen Ernährung vielfältige positive Einflüsse auf Herz, Gefäße und Stoffwechsel auf. Dementsprechend wird der Olivenbaum bereits seit der Antike als Lebensbaum bezeichnet. Heute weiß man, dass natives Olivenöl sein wichtigste Wirkung nicht der Ölsäure, sondern spezifischen sekundären Pflanzenstoffen – den sogenannten Oliven-Polyphenolen Oleuropein und Hydroxytyrosol – zuzuschreiben ist. Jüngste Untersuchungen zeigen auch positive Effekte der beiden Polyphenole gegen verschiedene Krebsarten.



Die Schutzwirkung der mediterranen Ernährung im Hinblick auf Gefäßerkrankungen – und mögliche Folgen wie Herzinfarkt und Schlaganfall – ist mittlerweile unstrittig. Olivenöl, das neben der Ölsäure eine große Anzahl günstiger Mikronährstoffe enthält, wirkt zum Beispiel antioxidativ, entzündungs- und gerinnungshemmend. Insbesondere konnte gezeigt werden, dass sich Olivenöl durch seine einfach ungesättigten Fettsäuren und Polyphenole günstig auf die Cholesterinwerte auswirkt. Dies trifft in erster Linie auf kalt gepresste Öle mit den Bezeichnungen Natives Olivenöl extra oder Olivenöl extra vergine zu.

 

Natives Olivenöl zählt zu den gesündesten Nahrungsfetten

Jedenfalls ist natives Olivenöl sehr gesund und gehört den gesündesten Nahrungsfetten. Denn natives Olivenöl weist den höchsten Gehalt (bis 80%) einfach ungesättigte Fettsäuren, der Ölsäure (Omega-9-Fettsäuren), auf.

Die Ölsäure hat dabei vielseitige physiologische Eigenschaften. Denn Ölsäure vermindert das Gesamt- und LDL-Cholesterin, während die HDL-Konzentration kaum beeinflusst wird. Zudem verringert sie – wie auch Omega-3-Fettsäuren – den Einbau von gesättigten und Omega-6-Fettsäuren in die Zellmembran. Dadurch verbessert sich die Elastizität der Gefäße, die Kommunikation der Nervenzellen sowie die Geschmeidigkeit der Haut. Außerdem weisen Studien darauf hin, dass auch ein schützender Effekt der Ölsäure im Magen-Darmtrakt sowie insbesondere gegen Brustkrebs besteht.

 

Oliven-Polyphenole Oleuropein und Hydroxytyrosol

Neuerdings weiß man aber auch, dass die Hauptwirkung von nativem Olivenöl nicht von Ölsäure kommt. Sondern sie den spezifischen sekundären Pflanzenstoffen – den Oliven-Polyphenolen – zuzuschreiben.

Die Wirkstoffe wie Oleuropein sind im kaltgepressten Öl in einer Konzentration von 0,005-0,08 % und in frischen Oliven je nach Sorte, Anbau und Reifegrad mit über 2 % enthalten. Raffinierte Olivenöle hingegen weisen nur noch geringe Konzentrationen an phenolischen Verbindungen auf. Auch geht in Abhängigkeit von der Art der Olivenfermentierung ein erheblicher Anteil in die Verarbeitungslösung (Salzlake) über.

In der mediterranen Ernährung werden täglich etwa 10 bis 20 mg dieser Oliven-Polyphenole aufgenommen (entsprechend 25 bis 50 g kaltgepresstem Olivenöl). Bei diesen handelt es sich hauptsächlich um das Secoiridoidglykosid Oleuropein. Das ist auch für den bitteren Geschmack der frischen, unfermentierten Oliven sowie für die Bräunung der Olivenhaut verantwortlich. Mit zunehmender Reife wird Oleuropein gespalten und in das stärker antioxidativ wirksame Hydroxytyrosol sowie auch Tyrosol übergeführt.



Hydroxytyrosol ist ebenfalls wie Resveratrol ein starkes ambiphiles Antioxidans (ca. 100 x stärker als Vitamin C). Diesbezüglich wurden auch vorbeugende Eigenschaften durch die Neutralisation freier Radikale bei Passiv-Rauchern festgestellt.

Zusammen mit Oleuropein weist Hydroxytyrosol ein umfassendes pharmakologisches Wirkungsspektrum auf. Und zwar unterstützen die Wirkungen insbesondere das Herz und die Gefäße, den Blutdruck sowie den  Lipidstoffwechsel. Außerdem helfen die beiden Oliven-Polyphenole in der Krebsvorbeugung sowie bei Entzündungen.

Des weiteren wurde für eine Oleuropein-Derivat namens Oleocanthal eine antiphlogistische Wirkung vergleichbar mit dem Wirkprofil und der Stärke von Ibuprofen beschrieben.

 


Pharmakologische Wirkungen der Oliven-Polyphenole Oleuropein und Hydroxytyrosol

  • Entzündungshemmend (COX1- und COX2-Hemmung)
  • Hemmung der Thrombozytenaggregation und LDL Oxidation
  • Gefäßerweiternd (NO-Bildung, Hydroxytyrosol: Calcium-Antagonist)
  • Verbesserung der kognitiven Funktionen
  • antimikrobiell, fungistatisch
  • hypoglykämisch
  • starke Radikalfänger
  • hemopräventiv (Darm, Brust, Prostata, Haut, Lunge)

 

Fazit. Im Grunde genommen ist natives Olivenöl – am besten kalt gepresst – im Rahmen einer ausgewogenen mediterranen Ernährung sehr empfehlenswert. Damit kann man das Risiko für die Entstehung von Gefäßkrankheiten vermindern oder deren Verlauf günstig beeinflussen. Zudem zeigen sich in zahlreichen Studien auch immer mehr positive Wirkungen gegen Krebszellen.




Literatur:

Imran M, Nadeem M, Gilani SA, Khan S3, Sajid MW, Amir RM. Antitumor Perspectives of Oleuropein and Its Metabolite Hydroxytyrosol: Recent Updates. Food Sci. 2018 Jul;83(7):1781-1791. doi: 10.1111/1750-3841.14198. Epub 2018 Jun 21.

Chloe D. Goldsmith, Danielle R. Bond, Helen Jankowski, Judith Weidenhofer, Costas E. Stathopoulos, Paul D. Roach, Christopher J. Scarlett. The Olive Biophenols Oleuropein and Hydroxytyrosol Selectively Reduce Proliferation, Influence the Cell Cycle, and Induce Apoptosis in Pancreatic Cancer Cells. Int J Mol Sci. 2018 Jul; 19(7): 1937. Published online 2018 Jul 2. doi: 10.3390/ijms19071937

Syed Haris Omar. Oleuropein in Olive and its Pharmacological Effects. Sci Pharm. 2010 Apr-Jun; 78(2): 133–154. Published online 2010 Apr 23. doi: 10.3797/scipharm.0912-18


Quelle: Oliven-Polyphenole. MEDMIX 4/2008

Latest News

Das Heidekraut: eine vergessene Heilpflanze mit vielfältiger Wirkung

Die Wirkung der Heilpflanze Heidekraut ist etwas in Vergessenheit geraten. Dabei wirkt sie harntreibend, blutreinigend und entzündungshemmend. Das Heidekraut wächst...

Karibik, Mittel- und Südamerika: Starker Ausbruch von Dengue-Fieber

Mittel- und Südamerika sowie die Karibik erleben 2019 einen massiven Ausbruch von Dengue-Fieber. Reisende sollten Mückenschutz und passende Kleidung gegen das Dengue-Virus benutzen. Mittel- und Südamerika...

RSV-Impfstoff soll vor RSV-Infektion und Erkrankungen der Atemwege schützen

Erkrankungen der Atemwege durch eine RSV-Infektion treten weltweit bei Millionen Kleinkindern auf. Davor soll ein neuer RSV-Impfstoff zukünftig besser schützen. Eine RSV-Infektion mit dem Respiratory Syncytial...

Rheuma und Übergewicht: Wirkung der Medikamente beeinträchtigt

Aktuelle Studienergebnisse zu Rheuma-Erkrankungen und Übergewicht zeigen, dass zu viel Körperfett die Wirkung von Medikamenten hemmen kann. Menschen mit starkem Übergewicht erkranken nicht nur häufiger an...

Aluminiumaufnahme über die Haut und aus der Nahrung reduzieren

Eine bedenkliche Aluminiumaufnahme, die dem Körper schadet, kann über die Haut und aus der Nahrung erfolgen. Eine Reduzierung minimiert die Gesundheitsrisiken. Wir Menschen können aus verschiedenen Quellen...

More Articles Like This