Nalfurafine für Hämodialyse-Patienten mit Pruritus

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Der Wirkstoff Nalfurafine wird zur Linderung von chronischem Juckreiz von Dialysepatienten – zur Behandlung des urämischen Pruritus – angewendet.

Nalfurafine Hydrochlorid ist den kappa-Opioid-Agonisten zugehörig und unterdrückt den Juckreiz und verbessert die psychische Situation von Dialyse-Patienten. Dementsprechend wird Nalfurafine als hoffnungsvolle, sichere und wirksame Option gegen Pruritus bei jenen Dialyse-Patienten empfohlen, bei den herkömmliche Behandlungen mit Anthistaminika kontraindiziert sind. Da Juckreiz weiters mit schlechten Therapieergebnissen der Dialyse assoziiert ist, wird nach wirksamen Behandlungsmöglichkeiten gesucht. So zeigte sich unter Nalfurafine in mehreren Studien eine signifikante Reduktion des Pruritus bei ca. 30% der Patienten. In Japan und den USA ist Nalfurafine zugelassen, die EMA – der Ausschuss für Humanarzneimittel CHMP – hat eine Zulassung für Europa negativ bewertet, der Hersteller zog seinen Antrag auf Genehmigung für das Inverkehrbringen von Nalfurafine dann zurück.

 

 

Der urämische Pruritus – ein chronischer Juckreiz

Der urämische Pruritus – ein chronischer Juckreiz – tritt bei 50 bis 90 Prozent aller Dialysepatienten auf und kann zu erheblichen Beeinträchtigungen von Schlaf und Arbeit führen. Dabei tritt quälender Juckreiz besonders nachts oder während der Dialysebehandlung auf. Er beeinflusst das Arbeits- und Schlafverhalten der Patienten und damit ganz entscheidend ihre Lebensqualität.

Der urämische Pruritus tritt bei Hämodialyse-Patienten häufiger auf als bei Peritonealdialysepatienten und kommt öfter bei Männern sowie bei höheren Harnstoffwerten vor.

Nahezu 100% aller Dialysepatienten leiden mindestens an einer Hauterkrankung, weiters sind viele Patienten mit chronischem Nierenversagen betroffen. Dabei ist als direkte Folgen der Nierenerkrankung wie trockene Haut (Xerosis cutis), Blutarmut (Anämie), erhöhtes Parathormon (sekundärer Hyperparathyreoidismus) sowie erhöhte Serumspiegel von Alu­minium und Magnesium Juckreiz vergesellschaftet. Der Juckreiz kann aber auch Folge von Begleit­erkrankungen wie Diabetes mellitus, Hepatitis, Schilddrüsenunterfunktion oder Arzneimittelunverträglichkeiten sein.

Bei chronischer Niereninsuffizienz ist in der Haut die Anzahl der Mastzellen erhöht. Diese setzen Histamin frei, das die Nervenendigungen stimuliert, was vom Zentralnervensys­tem als Juckreiz wahrgenommen wird. Es besteht allerdings keine Beziehung zwischen der Zahl der Mastzellen und der Stärke des subjektiven Juckreizes.

Unabhängig davon wurde durch Vergleich von Hämodialyse-Patienten und gesunden Personen herausgefunden, dass mit ziemlicher Sicherheit ein gestörtes Gleichgewicht im endogenen Opioidsystem für den Pruritus verantwortlich ist. Vor allem dürfte das kappa-Opioid-System daran beteiligt sein. kappa-Opioid-Rezeptoren sind am Mechanismus von Pruritus potenziell beteiligt, besonders bei Juckreiz, der massiv bei Patienten nach Hämodialyse auftritt und schwer behandelbar ist, wird auf Wechselwirkungen mit kappa-Opioid-Rezeptoren und kappa-Opioid-Rezeptor Liganden zurückgeführt.

 

Nalfurafine – ein hochselektiver kappa-Opioid-Agonisten

Obgleich kappa-Opioid-Rezeptoragonis­ten keine morphin-ähnlichen Nebenwirkungen aufweisen, dürften sie doch in vielen Fällen für dysphorische Stimmungsstörungen und eventuell sogar psychotische Nebenwirkungen verantwortlich sein. Mit der Entwicklung des hochselektiven kappa-Opioid-Agonisten Nalfurafine könnte es gelungen sein, diese Problematik zu vermeiden.

Nalfurafine hat jedenfalls eine ausgeprägte Juckreiz stillende Wirkung, die nachweislich bereits mit einer einzigen oralen Einnahme eintritt. Es soll aber auch nicht verschwiegen werden, dass im Gegensatz zu Nalfurafine nicht alle kappa-Opioid-Rezeptoragonisten eine Wirkung gegen Juckreiz oder Schmerz zeigen. So zeigte die Verbindung Salvinorin A, obwohl sie ein kappa-Opioid-Agonisten ist, erstaunlicherweise bei subkutaner Applikation keine Wirkung gegen Pruritus. Auch zur Schmerzlinderung war diese Substanz subkutan wirkungslos. Mit Nalfurafine gelang es jedenfalls überzeugend zu belegen, dass es nicht nur wirksam ist, sondern auch gut vertragen wird. Patienten mit Juckreiz unterliegen jedenfalls einem sehr hohen Leidensdruck, der bis zu schweren Schlafstörungen reicht.

Die Anwendung von Nalfurafine wird auch bei anderen Erkrankungen, die ebenfalls häufig zu schwerem Juckreiz führen – Leberzirrhose, Ekzeme, Psoriasis, neurologisch und hormonell bedingte Störungen aber auch Krebs- und Infektionserkrankungen – untersucht.

Quelle und weitere Informationen: 

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4433050/

https://www.dovepress.com/nalfurafine-hydrochloride-to-treat-pruritus-a-review-peer-reviewed-article-CCID

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