Nach Wahlärzte, jetzt Spitalsärzte einschränken

Arzt, Ärzte, Karriere, Standespolitik. © wavebreakmedia / shutterstock.COM

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Kritik kommt auch von Niederösterreichs Ärzten an unüberlegter Forderung des Hauptverbandes, Nebenbeschäftigung für Spitalsärzte verbieten zu wollen.

Mit großer Verwunderung und Kritik reagieren die Vertreter der Ärztekammer in Niederösterreich auf die jüngsten Überlegungen des Hauptverbandes, Spitalsärzte einzuschränken durch Verbieten von Nebenbeschäftigungen. „Ein Rechtsgutachten in Auftrag zu geben, um herauszufinden, ob man Spitalsärzten ihre Nebenbeschäftigung verbieten kann, ist skurril. Im Gegenteil, der Hauptverband müsste genau diese Nebenbeschäftigungen unterstützen.

Immerhin sind es unter anderem auch die Spitalsärzte, die mit ihren Wahlarztordinationen das Gesundheitssystem vor dem Kollaps bewahren“, meint der Vizepräsident der NÖ Ärztekammer, Dr. Gerrit Loibl, MSc.

Spitalsärzte mit Wahlarztordination sind motiviert und besonders zufrieden

Vizepräsident und Kurienobmann der angestellten Ärzte Dr. Ronald Gallob zeigt sich ebenfalls verwundert über die Pläne des Hauptverbandes: „Spitalsärzte mit Wahlarztordination stellen eine relativ kleine Gruppe dar. Lediglich 16 Prozent betreiben eine Wahlarztordination in Niederösterreich. Gerade diese Ärzte sind aber besonders zufrieden mit ihrer Lebenssituation. Warum sollte man also eine besonders motivierte Gruppe von Ärzten beschränken und ihnen verbieten, was sie in ihrer Freizeit tun dürfen?“ Die Politik dürfe sich nicht wundern, wenn es in der Folge noch schwieriger werde, Ärztinnen und Ärzte zu finden, die in Österreich im öffentlichen Gesundheitssystem arbeiten wollen.

Ärzte, die in ihrer Freizeit eine Wahlarztordination führen, tun dies, um ihre Patienten auch nach einem Spitalsaufenthalt betreuen zu können oder um neben dem Krankenhausbetrieb die Freude an selbständiger Arbeit in einer eigenen Ordination erleben zu können. „Diese Ärzte nun anzugreifen und für die Misere im öffentlichen Gesundheitssystem verantwortlich zu machen, ist völlig unverständlich. Aus einer im Frühjahr durchgeführten Umfrage der niederösterreichischen Ärztekammer wissen wir, dass Spitalsärzte gerade einmal 15 Patienten pro Woche in ihren Wahlarztordinationen betreuen. Niemand zwingt diese Patienten, einen Wahlarzt aufzusuchen. Jeder von ihnen tut dies freiwillig. Diese Freiwilligkeit jetzt unterbinden zu wollen, ist gegen die Patienteninteressen und nicht nachvollziehbar“, ergänzt Loibl.

Wahlärzte unterstützen mit ihren Ordinationen auch Kassenärzte Ebenfalls kritisch äußert sich der Vizepräsident und Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte, MR Dr. Dietmar Baumgartner: „Wahlärzte werden heuer bereits zum wiederholten Mal angegriffen. Zunächst überlegt ein Gesundheitssprecher, die Rückerstattung der Wahlarztkosten zu streichen, bekommt für diese Aussage aber eine Absage seiner eigenen Partei. Nun sollen die Spitalsärzte mit Wahlarztordination diese aufgeben müssen. Wer soll denn all die Patienten betreuen, wenn Wahlärzte im Gesundheitssystem nicht mehr erwünscht sind? Die Kassenärzte sind bereits heute mit durchschnittlich 45 Stunden pro Woche am Limit.“

Fraglich ist auch, welche Nebenbeschäftigungen konkret verboten werden sollen. Ausschließlich das Führen einer Wahlarztordination? Oder auch Vertretungsdienste in den niedergelassenen Ordinationen zum Beispiel am Wochenende oder an Feiertagen? Dürfen Spitalsärzte in ihrer Freizeit künftig auch keine Veranstaltungen von Sportvereinen mehr ärztlich betreuen? Und wer soll die notärztliche Versorgung sicherstellen? Loibl war neben seiner Tätigkeit im Krankenhaus lange Zeit als Notarzt tätig. „Sollte der Hauptverband auch diese Art der Nebenbeschäftigung mit einem Verbot belegen wollen, hätte das Notarztwesen eine sehr schwere Zukunft. Dies müssten dann aber die politischen Entscheidungsträger verantworten“, meint Loibl abschließend.

Quelle: www.aerztekammer.at/

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