Myokarditis: Gute Prognose bei einer Herzmuskelentzündung

Herz – Herzmuskel © CLIPAREA l Custom media / shutterstock.com

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Verschiedene Ursachen lösen eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) aus. Die Prognose ist meistens gut, sofern sich der Patient körperlich völlig schont.

Die Myokarditis – eine Herzmuskelentzündung – tritt oft als Folge einer verschleppten Grippe oder vermeintlich banaler Virus-Infekte auf. Wobei diese Infektionskrankheit des Herzens in vielen Fällen kaum oder nur sehr allgemeine Symptome und bleibt daher unerkannt. Allerdings kann eine Myokarditis in schweren Fällen massive Beschwerden verursachen. Manchmal entstehen sogar lebensbedrohliche Zustände. Etwa 22 Fällen pro 100.000 Patienten erkranken pro Jahr daran.

 

Zahlreiche Krankheitserreger können eine Myokarditis auslösen

Die Myokarditis kann durch ein breites Spektrum an Infektionserregern ausgelöst werden. Allerdings können auch nicht‐infektiöse immunologische Erkrankungen. Die häufigsten Ursachen sind in Europa und Nordamerika Virusinfektionen.

Jedoch ist global gesehen der Parasit Trypanosoma cruzi, der Erreger der Chagas‐Krankheit, hauptverantwortlich für die Herzmuskelentzündung. Da allerdings viele verschiedene Viren als potenzielle Auslöser infrage kommen, ist das eigentlich verursachende Virus in den meisten Fällen nicht feststellbar.

 

Menschen mit hohem Myokarditis-Risiko

Myokarditis stellt bei Wettkampfathleten Todesursache Nummer 3 mit plötzlichem Herztod dar. Junge Frauen sind weniger häufig betroffen, die Erkrankung tritt überwiegend bei jungen Männern auf. Bei älteren Frauen kommt es jedoch gehäuft zu schweren Verläufen mit lebensbedrohlichen Rhythmusstörungen.

 

Symptome und Beschwerden sowie mögliche Komplikationen

Eine Herzmuskelentzündung kann asymptomatisch, das heißt ohne Beschwerden, auftreten. Das Spektrum der möglichen Symptome ist breit und reicht von bis zum fulminanten kardiogenen Schock.

Die Anfangssymptome sind uncharakteristisch, die Herzsymptomatik reicht von Herzklopfen oder ‐stolpern (Palpitationen) und Atemnot unter körperlicher Aktivität (Belastungsdyspnoe) über Angina pectoris bis zum Myokardinfarkt.

Gefürchtet ist neben dem akuten Verlauf das Risiko, dass als Spätfolge eine Herzinsuffizienz und weiters eine chronische Kardiomyopathie auftritt.

 

Diagnose – ambulant und stationär

Die Diagnose kann sowohl im niedergelassenen Bereich als auch im Krankenhaus gestellt werden. Sie erfolgt einerseits durch die Bestimmung herzspezifischer Parameter sowie Entzündungsparameter. Schließlich können aber auch die Elektrokardiographie (EKG) und ein Herzultraschall (Echokardiographie syn. Herzecho) sowie die Magnetresonanztomopgraphie (MRT) des Herzens die Diagnose unterstützen.

Im Regelfall versucht der Arzt darüber hinaus, serologisch oder molekularbiologisch einen Erregernachweis zu erhalten. Jedoch gelingt dies nur in seltenen Fällen.

 

Herzmuskelentzündung (Myokarditis) behandeln

Im Grunde genommen sollten Patienten mit Myokarditis vor allem körperliche Belastungen und Sport für mindestens drei Monate absolut vermeiden, und zwar neben der Therapie der Herzmuskelentzündung beziehungsweise einer Herzinsuffizienz. Wenn ein spezifischer Erregernachweis gelingt, so kann der Arzt eine spezifische Therapie durchführen, sofern es eine Option zur Therapie gibt.

Cyclosporin oder Kortikosteroide können in machen Fällen die den Patienten gut helfen. Nichtsteroidale Antiphlogistika sollten keinesfalls eingesetzt werden, denn im Tiermodell haben sie die Entzündungsreaktion sogar verlängert.


Literatur:

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Quelle:

Statement » Myokarditis und Perikarditis: Symptome, Diagnose, Therapie«. Univ.‐Prof. Dr. Florian Thalhammer, Facharzt für Innere Medizin, ZFA für Infektionen & Tropenmedizin, Klinische Abteilung für Infektionen und Tropenmedizin der MedUni Wien/AKH Wien. Medizinische Gesellschaft Niederösterreich – www.medgesnoe.org

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