Mutterkraut zur Migräneprophylaxe

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Mutterkraut ist eine sehr gute pflanzliche Option in der Migräneprophylaxe, seine Wirksamkeit wurde in zahlreichen wissenschaftlichen Studien betätigt.

Bereits im 1. Jahrhundert nach Christus hat Dioskurides – der auf MEDMIX häufig zitierte berühmteste Pharmakologe der Antike – das Mutterkraut (Tanaceti parthenii herba) als Heilpflanze beschrieben. In unseren Breiten wird Mutterkraut seit dem Mittelalter bei Fieber, Kopfschmerzen und Schwangerschaftsbeschwerden (daher auch der Name) – sogar bei Wehenschwäche und befürchteter Fehlgeburten sowie bei Zahnschmerzen und Insektenstichen eingesetzt. Im Sinne dieser zahlreichen Anwendungsgebiete stehen vor allem die antiphlogistischen und analgetischen Effekte von Mutterkraut im Fokus.

 

Migräneprophylaxe mit Mutterkraut

Migräne gehört mit einer Prävalenz von 12 bis 14% bei Frauen bzw. 6 bis 8% bei Männern zu den häufigsten Kopfschmerzarten. Die medikamentöse Migräneprophylaxe als vorbeugende Behandlung der Migräne soll die Häufigkeit, die Dauer und die Intensität von Migräneattacken vermindern helfen. Gleiches gilt für die gut verträgliche, pflanzliche Alternative: dem wissenschaftlich vielfach untersuchten und in seiner Wirksamkeit bestätigten Mutterkraut. Dazu wird eine regelmäßige prophylaktische Anwendung empfohlen.

Vor allem nach zahlreichen positiven Berichten in England über die günstigen Wirkungen von Mutterkraut bei Patienten mit Migräne, wurde mit klinischen Prüfungen – darunter mehrere randomisierte, doppelblinde und kontrollierte Studien – begonnen. Dabei zeigte sich vor allem bei Anwendung von pulverisierten Darreichungsformen ein positiver Nutzen, und hier allen voran bei chronischen Patienten mit mehr als vier Migräneattacken im Monat.

 

Die Pflanzenkraft von Mutterkraut in der traditionell ursprünglichen Form bewährt

Das Mutterkraut ist eine äußerst potente Arzneipflanze, die im östlichen Mittelmeergebiet beheimatet ist – traditionell werden die getrockneten oberirdischen Pflanzenteile eingesetzt. Allen voran in England wird Mutterkraut seit Jahrhunderten zur Bekämpfung von Kopfschmerzen eingesetzt.

Zu den Wirkstoffen zählen über 30 unterschiedliche Sesquiterpenlaktone mit Parthenolide als Leitsubstanz. Außerdem sind Flavonoide und ätherische Öle enthalten. Damit die wertgebenden Inhaltsstoffe und deren Wirkung erhalten bleiben, wird kein Mutterkraut-Extrakt hergestellt, sondern die gepulverte Droge verabreicht.

 

Welche Rolle Serotonin bei Migräne spielt

Für das Verständnis des Wirkmechanismus von Mutterkraut ist zunächst die Ätiologie eines Migräneanfalles zu betrachten: Überschießende Serotonin-Freisetzung aus den Thrombozyten führt zu Vasodilatation der glatten Gefäßmuskulatur in der Hirnhaut. In weiterer Folge werden die Blutgefäße durchlässiger und Entzündungsmediatoren ausgeschüttet.

Diese dringen in die Gefäßwände ein und verursachen neurogene Entzündungen und Schmerzen. Mit jedem Pulsschlag werden über perivaskuläre Rezeptoren und den Nervus trigemnius Schmerzreize in Hirnareale weitergeleitet, die für Lichtsensibilisierung, Übelkeit und Erbrechen verantwortlich sind und die Migräne-Attacke begleiten.

 

Mutterkraut und sein mehrfaches Wirkprinzip

  1. Mutterkraut hemmt die überschießende Serotoninausschüttung aus den Thrombozyten durch Aktivierung der Proteinkinase C.
  2. Mutterkraut normalisiert die Vasomotorik der glatten Gefäßmuskulatur durch selektive Blockade der spannungsabhängigen Calcium-Kanäle.
  3. Mutterkraut reduziert die Freisetzung von Entzündungsmediatoren (u.a. Prostaglandine und Interleukine) in die Gefäßwand.

Nebenwirkungen: vor allem aufgrund des allergenen Potenzials sind oft Hautirritationen anzutreffen. Selten kann es zu Verdauungsbeschwerden und Bauchbeschwerden sowie Entzündungen der Mundschleimhaut kommen. Auch aufgrund des Nebenwirkungsprofils scheint die Anwendung von Mutterkraut-Extrakt gegenüber einer Teezubereitung vorzuziehen zu sein.

 

Wirksamkeit von Mutterkraut in Studien belegt

Die Wirksamkeit von Mutterkraut konnte in zahlreichen (siehe unten Links) placebokontrollierten Doppelblindstudien gezeigt werde (Johnson et al. 1985; Murphy et al. 1988; Palevitch et al. 1997; Pfaffenrath et al. 2002; Diener et al. 2005). So kam es etwa bei einer 6-monatigen Anwendung in einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie zu einer signifikante Abnahme der Anfallshäufigkeit um 67 %. (Johnson et al.) Zusätzlich verringerten sich charakteristische Begleiterscheinungen wie Übelkeit und Erbrechen.

 

Fazit. Eine prophylaktische Einnahme von Mutterkraut – vor allem in pulverisierter Darreichungsform – kann die Häufigkeit und Intensität von Migräne-Attacken reduzieren und Begleiterscheinungen lindern.

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Weitere Informationen:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3210009/

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12230594

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1418227/pdf/bmjcred00463-0017.pdf

http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(88)92289-1/abstract

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16232154

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Axel Rhindt

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

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