Mutter-Kind-Beziehung nach traumatischen Kindheitserlebnissen

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Gute Mutter-Kind-Beziehung verlangt Müttern mit traumatischen Gewalterfahrungen mehr ab als unbelasteten Frauen. Wie kann man solche Mütter am besten unterstützen?

Eine neue Studie zur Mutter-Kind-Beziehung des Zentrums für Psychosoziale Medizin Heidelberg verglich zwei Konzepte zur psychischen Entlastung betroffener Mütter: Wie gehe ich mit meinem Kind richtig und vor allem liebevoll um? Diese Frage ist für Mütter, die in ihrer eigenen Kindheit oder Jugend Gewalt erfahren haben, nicht selbstverständlich aus dem Bauch heraus zu beantworten und kann ziemlich anstrengen, wie aktuelle Ergebnisse aus der Universitätsklinik für Allgemeine Psychiatrie Heidelberg zeigen.

 

Auswirkungen auf die Mutter-Kind-Beziehung

Traumatische Erlebnisse in der Kindheit oder Jugend können sich nicht nur auf die eigene seelische Gesundheit, sondern auch auf eine spätere Mutter-Kind-Beziehung auswirken, wie internationale Studien der letzten Jahre sowie Erfahrungsberichte von Klinikern zeigten. Warum die Mutter-Kind-Beziehung beeinflusst wird, zeigt die Erkenntnis, dass Eltern grundsätzlich kindliche Signale wie Gesten, Mimik und Laute wahrnehmen, sie intuitiv interpretieren und so auf die Bedürfnisse ihrer Kinder eingehen. Müttern, die in ihrer eigenen Kindheit Missbrauch, Misshandlungen oder Vernachlässigung erlebt haben, fällt all dies häufig schwerer als unbelasteten Eltern.

Psychisch gesunde Frauen mit Gewalterfahrungen in der eigenen Kindheit unterscheiden sich in ihrer Empfänglichkeit für die Signale ihrer Kinder zunächst einmal kaum von Müttern ohne belastende Erfahrungen. Sie können sich aber, das zeigen unsere Untersuchungen, weniger auf ihre Intuition verlassen. Die Deutung der kindlichen Signale fordert ihnen viel Aufmerksamkeit ab. Das zeigten Messungen mit Hilfe der Magnetresonanztomographie (MRT): Bei den Frauen sind die Gehirnregionen, die wichtig sind, um sich bewusst in andere Menschen hineinzuversetzen, stärker ausgeprägt als bei unbelasteten Müttern. In diesen Bereichen muss ihr Gehirn mehr Arbeit leisten.

Dazu kommt, dass viele Mütter, die in ihrer Kindheit Gewalt erlebt haben, das eigene Verhalten ständig kritisch hinterfragen. Schließlich möchten sie mit den eigenen Kindern anders umgehen und diesen eine schöne Kindheit bereiten – eben alles richtig machen. Die Frauen stehen unter enormem Druck im täglichen Umgang mit dem Kind und brauchen deswegen Unterstützungsangebote, damit die belastenden Lebenserfahrungen der Mütter nicht in anderer Form auf die Kinder übertragen werden. Müttern muss dafür Sicherheit im täglichen Umgang mit ihrem Kind vermitteln werden, um sie zu entlasten. Bewährt haben sich ein spezielle Interaktionstrainings sowie Methoden der Stressbewältigung.

Wie belastende Kindheitserfahrungen die Mutter-Kind-Beziehung erschweren

Die eingangs zitierte Studie ist Teil des von Heidelberg aus koordinierten Verbundprojekts „Von Generation zu Generation: Den Kreislauf der Misshandlung verstehen und durchbrechen (Understanding and Breaking the Intergenerational Cycle of Abuse, UBICA)“. Koordinator ist Professor Romuald Brunner, Stellvertretender Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Heidelberg. Ziel ist es, langfristige Auswirkungen belastender Kindheitserfahrungen besser zu verstehen – insbesondere in Hinblick auf die Elternrolle der Betroffenen – und Strategien zur Bewältigung und Prävention zu entwickeln, Eltern sinnvoll zu unterstützen und Kinder besser zu schützen. Das multizentrische Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit insgesamt zwei Millionen Euro gefördert.

Weitere Informationen: Zentrums für Psychosoziale Medizin Heidelberg

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