Mobile Herz-Lungen-Maschine zur extrakorporalen Herz-Lungen-Wiederbelebung

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Rainer Muller
Rainer Mullerhttp://www.afcom.at
MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

Bei Herz-Kreislauf-Stillstand soll eine mobile Herz-Lungen-Maschine zur Wiederbelebung die Zeit bis zur lebensrettenden Klinikbehandlung überbrücken.

Wenn ein Mensch einen Herz-Kreislauf-Stillstand hat und selbst unter fortgesetzter Herzdruckmassage das Herz nicht wieder in Gang kommt, so steht für solche dramatischen Fälle seit einigen Jahren die mobile Herz-Lungen-Maschine als neue Methode zur Verfügung.

Denn die mobile Herz-Lungen-Maschine ermöglicht die akute Notfallversorgung von Herzpatienten vor Ort. Das Notfallteam kann dann die Betroffenen sicher in das Spital transportieren. Doch es gibt auch kritische Stimmen bezüglich der Anwendung dieser extrakorporalen Herz-Lungen-Wiederbelebung.

 

Extrakorporale Herz-Lungen-Wiederbelebung

Bei der extrakorporalen Herz-Lungen-Wiederbelebung (eCPR) kommt in unseren Breiten zunehmend die mobile Herz-Lungen-Maschine zum Einsatz. Diese soll die Zeit bis zu einer lebensrettenden Klinikbehandlung überbrücken. Schließlich soll die extrakorporale Herz-Lungen-Wiederbelebung die Überlebensrate bei den zwischen Leben und Tod schwebenden Patienten zu erreichen.

Die extrakorporale Herz-Lungen-Wiederbelebung bringt den stillstehenden Kreislauf des Patienten wieder in Gang. Dabei wird eine mobile Herz-Lungen-Maschine oft noch außerhalb der Klinik über die großen Leistengefäße an den Patientenkreislauf angeschlossen. Das Gerät übernimmt dabei – wie eine klinisch-stationäre Herz-Lungen- Maschine auch – sowohl die Pumpfunktion des Herzens als auch die Funktion der Lunge, das Blut mit Sauerstoff anzureichern. Jedenfalls soll die mobile Herz-Lungen-Maschine die Überlebensrate von Patienten mit Herzinfarkt oder Lungenembolie steigern können, lassen zahlreiche Einzelfallberichte und erste Beobachtungsstudien vermuten.

 

Zahlreiche offene Fragen, mobile Herz-Lungen-Maschine

Allerdings ist der Nutzen der eCPR durch Studien noch nicht ausreichend belegt. Außerdem erfordert die mobile Herz-Lungen-Maschine einen immensen logistischen Aufwand. Deshalb fordern Experten der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) dringend weitere Studien. Und auch eine Diskussion über die großen ethischen Fragen, die durch den Einsatz von eCPR entstehen.

Zwar könnte die mobile Herz-Lungen-Maschine angesichts der noch immer geringen Überlebenszahlen unter konventioneller Herzdruckmassage eine wichtige Entwicklung darstellen. „Allerdings ist die Datenlage dafür auch noch sehr dünn“, so Professor Dr. med. Stefan John. Er ist Leiter des Funktionsbereichs Intensivmedizin am Klinikum Nürnberg und Präsident der DGIIN.

 

Erhebliche Risiken

Nach Ansicht des Experten birgt der Einsatz einer eCPR nämlich auch erhebliche Risiken. „Es braucht dringend randomisierte Studien, die untersuchen, bei welchen Patientengruppen und unter welchen Voraussetzungen eine eCPR aussichtsreich ist“, sagt John.

Der mit einer eCPR verbundene Aufwand ist enorm und eine Entscheidung für oder gegen die eCPR muss in jedem Fall sehr schnell getroffen werden, oft ohne, dass alle relevanten Informationen zur Verfügung stehen. „Der wichtigste Faktor ist sicherlich die Dauer, für die das Gehirn nicht oder nur unzureichend durchblutet war“, erläutert der Experte. Dafür müsse der genaue Zeitpunkt des Herzversagens ebenso bekannt sein, wie der Beginn und die Qualität der Reanimation. Für die Prognose ist es auch essentiell zu wissen, welche Ursache der Herz-Kreislauf-Stillstand hat und ob diese überhaupt beseitigt werden kann. Im Idealfall sollten auch das Alter des Patienten, mögliche Grunderkrankungen sowie der Wille des Patienten bekannt sein.

Insgesamt steht die eCPR beispielhaft für die Entwicklung moderner Intensiv- und Notfallmedizin. Diese kann heute bis bis vor wenigen Jahren noch undenkbare Überlebenschancen in absoluten Akutsituationen bieten. Allerdings verursacht die eCPR auch einen proportional immer größer werdenden Aufwand. Dadurch besteht auch die große Gefahr einer Übertherapie. Damit sind schließlich auch ganz besondere ethische Herausforderungen verbunden.

Quelle:

Statement » Herz-Kreislauf-Stillstand: Überlebensvorteil durch extrakorporale Herz-Lungen-Wiederbelebung (eCPR)? « Professor Dr. med. Stefan John. Präsident der DGIIN. Leiter des Funktionsbereiches Intensivmedizin sowie Leiter des Arbeitskreises Intensivmedizin der Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität, Nürnberg. 51. gemeinsamen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) und der Österreichischen Gesellschaft für Internistische und Allgemeine Intensivmedizin & Notfallmedizin (ÖGIAIN)

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