Mitgefühl für Fremde kann man lernen, die Empathie steigern

Flüchtlinge © Giannis Papanikos / shutterstock.com

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Überraschend positive Erfahrungen mit Fremden lösen im Gehirn einen Lerneffekt aus und steigern rasch Empathie und Mitgefühl.

Mitgefühl für fremde Menschen kann man lernen. Wie Forschende der Universität Zürich unlängst zeigen konnten, reichen schon wenig positive Lernerfahrungen aus, um Empathie und Mitgefühl steigern zu können. Konflikte zwischen Menschen verschiedener Nationalitäten und Kulturen gehen häufig auf einen Mangel an Mitgefühl oder Empathie für «den Fremden» zurück. Mehr Mitgefühl für Mitglieder anderer Gruppen könnte somit ein friedliches Miteinander fördern.

 

Überraschendes Verhalten beeinflusst Lernen

In diesem Sinne wollten jedenfalls Forscher der Universität Zürich untersuchen, ob man Mitgefühl für Fremde lernen kann. Weiter wie wie positive Erfahrungen mit Anderen empathische Hirnreaktionen beeinflussen. Dazu wurden die Hirnaktivierungen von Probanden gemessen. Diese machten positive Erfahrungen mit einem Mitglied ihrer eigenen Gruppe (ingroup member) oder einem Mitglied einer Fremdgruppe (outgroup member). Beim Test erwarteten die Probanden schmerzhafte Schocks am Handrücken. Sie machten dann aber die Erfahrung, dass ein Mitglied der eigenen oder der fremden Gruppe Geld bezahlte, um so den Schmerz für sie zu verhindern. Vor und nach diesen Erfahrungen wurden die Hirnaktivierungen beim Beobachten des Schmerzes einer Person der Eigen- und Fremdgruppe erfasst.

Zu Beginn der Studie löst der Schmerz des Fremden beim Beobachter schwächere Hirnaktivierungen aus als wenn ein Mitglied der eigenen Gruppe betroffen war. Nur wenige positive Erfahrungen mit einer Person der Fremdgruppe führten zu einer deutlichen Erhöhung der empathischen Hirnreaktionen, wenn einer anderen Person der Fremdgruppe Schmerz zugefügt wurde. Die neuronale Empathie nahm umso mehr zu, je stärker das neuronale Lernsignal war, das durch die positive Erfahrung mit dem Fremden hervorgerufen wurde.

 

Lernen und Erfahrungen helfen, Empathie und Mitgefühl zu steigern

Die erhöhte empathische Hirnreaktion für die Fremdgruppe treibt ein neuronales Lernsigna, das durch die überraschend positiven Erfahrungen mit einem Fremden entsteht. Diese Ergebnisse zeigen jedenfalls, dass man positive Erfahrungen mit einem Fremden auf andere Mitglieder dieser Gruppe überträgt. Und dass sich schließlich damit die Empathie für diese Gruppe im Gesamten steigern lässt.


Literatur:

FeldmanHall O, Nassar MR. The computational challenge of social learning. Trends Cogn Sci. 2021 Dec;25(12):1045-1057. doi: 10.1016/j.tics.2021.09.002. Epub 2021 Sep 25. PMID: 34583876; PMCID: PMC8585698.

Kang P, Burke CJ, Tobler PN, Hein G. Why We Learn Less from Observing Outgroups. J Neurosci. 2021 Jan 6;41(1):144-152. doi: 10.1523/JNEUROSCI.0926-20.2020. Epub 2020 Nov 17. PMID: 33203741; PMCID: PMC7786220.

Hein G, Engelmann JB, Vollberg MC, Tobler PN. How learning shapes the empathic brain. Proc Natl Acad Sci U S A. 2016 Jan 5;113(1):80-5. doi: 10.1073/pnas.1514539112. Epub 2015 Dec 22. PMID: 26699464; PMCID: PMC4711838.


Quelle: http://www.mediadesk.uzh.ch

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