Mit Botulinumtoxin Falten entfernen

Botulinumtoxin direkt in den Muskel eingespritzt glättet die »Zornesfalte« in der Stirnmitte, weiters quere Stirnfalten sowie kleine Falten um die Augen.

Das starke Nervengift Botulinumtoxin zeigt in stark verdünnter Form verschiedene positive medizinische Effekte. Die Substanz lässt Muskeln für eine bestimmte Zeit erschlaffen. Dabei blockiert Botulinumtoxin die Übertragung vom ansteuernden Nerv auf den zugehörigen Muskel. Auch die Speicheldrüse und die Schweißdrüse sowie die Tränendrüse können mögliche Ziele sein. Botulinumtoxin beeinträchtigt nicht andere Nervenfunktionen wie das Fühlen oder Tasten. Es gibt verschiedene medizinische Anwendungen, die nicht dauerhaft wirken. Die Wirkung baut sich nach einer Injektion langsam auf und erreicht nach etwa 10 Tagen ihren Höhepunkt.

 

Geschichtliches

Ende des 18. Jahrhunderts wütete in Süddeutschland eine Botulismus-Epidemie, die auf den Verzehr geräucherter, nicht gekochter Blutwürste zurückzuführen war. Häufige Symptome waren Erschlaffung aller Muskeln und Sistieren der Darmtätigkeit. 1812 schrieb der deutsche Arzt und Dichter Justinus Kerner erstmals diese Beobachtungen der Lebensmittelvergiftungen in Zusammenhang mit diesem »Fettgift« nieder.

Schließlich konnte der belgische Mikrobiologe van Ermengem, ein Schüler Robert Kochs, im Jahr 1897 durch die Isolierung des dafür verantwortlichen Bakteriums – Chlostridium botulinum – die Ursache aufklären und die Fettsäuretheorie von Kerner widerlegen. Der Name der von diesem Mikroorganismus gebildeten toxischen Substanz Botulinumtoxin leitet sich von lat. »botulus« = »Wurst« ab.

 

Muskelrelaxierenden Wirkung von Botu­linumtoxin

Die Erfolgsgeschichte von Botu­linumtoxin als Therapeutikum ist in der muskelrelaxierenden Wirkung begründet. Schließlich entsteht diese durch die präsynaptische Acetyl­cholinhemmung zur Blockade der neuromuskulären Reizübertragung an den motorischen Endplatten. Damals war somit erstmals eine Behandlung von spastischen Zuständen möglich.

Der Augenarzt A. Scott hatte bereits bei der Botulinumtoxin-Behandlung von Lidspasmen beobachtet, dass periorbitale Falten verstreichen. Alastair Carruthers, ein Dermatologe aus Vancouver (Kanada), behandelte erstmals 1989 erfolgreich die Zornesfalte mit Botulinumtoxin.

Heute wird Botulinumtoxin beispielsweise zur Behandlung von Spasmen der Gesichts- und Halsmuskulatur, Dystonien, Spastizität, Strabismus sowie bei gewissen Formen von Migräne eingesetzt. Der Anwendungsbereich reicht buchstäblich von A (Analfissur) über H (Hyperhidrose) bis Z (Zähneknirschen = Bruxismus). Bei der Behandlung von Gesichtsfalten mit Botulinumtoxin handelt es sich um eine kosmetische Maßnahme.

 

Entfernung von Gesichtsfalten mit Botulinumtoxin A

Eine Lösung dieses Medikaments wird mit sehr feinen Nadeln direkt in den Muskel eingespritzt, der die Faltenbildung hervorruft. Besonders geeignet erweist es sich zur Glättung der so genannten »Zornesfalte« in der Stirnmitte und für die queren Stirnfalten sowie zur Entfernung der so genannten »Krähenfüße«. Letztere beschreiben die kleinen, lästigen Falten um die Augen. Während der Behandlung ist ein Einstich wahrzunehmen, ein leichtes Brennen kann spürbar sein.

 

Gut verträglich

Die Behandlung wird generell gut toleriert. In den vielen Fällen tritt am Tag der Therapie eine leichte Rötung der Haut mit geringer Schwellung auf. Allerdings ist am nächsten Tag die Hautoberfläche wieder völlig normal.

Schließlich ist mit dem Wirkungseintritt in drei bis sechs Tage nach der Behandlung zu rechnen, denn der jeweilige Muskel entspannt sich recht langsam. Die Synapsen an den motorischen Endplatten bauen sich langsam wieder auf. Deswegen kann man damit rechnen, dass die Wirkung nach 4 bis 6 Monaten nachlässt.

Wenn man mit dem Ergebnis zufrieden ist, so kann man dieses Verfahren beliebig oft wiederholen. Grundsätzlich korreliert Erfolg unmittelbar mit der Kenntnis der Zugrichtungen der verschiedenen Gesichtsmuskeln. Wenn die Schließlich hat die Applikation, sofern sie fachgerecht durchgeführt wird, keine gesundheitlichen Nachteile.


Quelle: Falten »wegspritzen«: Pro und Contra – die Wirkungsweise von Botulinumtoxin. Univ.-Prof. Dr. Daisy Kopera. MEDMIX 5/2007


Literatur: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/?term=Botulinum+toxin

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