Midlife Crisis und Wechseljahre – Magersucht tritt immer öfter bei älteren Frauen auf

Im Gegensatz zu jugendlichen Betroffenen haben Erwachsene meist eine gewisse Krankheitseinsicht, was die Prognose der Magersucht durch eine Midlife Crisis deutlich verbessert. © Stefan Redel / shutterstock.com

Im Gegensatz zu jugendlichen Betroffenen haben Erwachsene meist eine gewisse Krankheitseinsicht, was die Prognose der Magersucht durch eine Midlife Crisis deutlich verbessert. © Stefan Redel / shutterstock.com

Bei Frauen mit Midlife Crisis und in den Wechseljahren ist immer häufiger das gleichzeitige Auftreten einer Magersucht zu beobachten.

Anorexia Nervosa – die Magersucht, eine der gefährlichsten psychosomatischen Erkrankungen – ist nicht nur für Teenager ein Problem. Immer häufiger tritt die Magersucht in Folge einer Midlife crisis auf. Dementsprechend steigen die Zugangszahlen in Krankenhäusern zur Behandlung von Essstörungen und Magersucht bei älter werdenden Frauen in den Wechseljahren. Bei Frauen ab einem Alter von 40 Jahren hat sich beispielsweise die Diagnose Midlife Crisis Magersucht in letzten Jahrzehnten verdoppelt.

 

Wechseljahre, Magersucht und Midlife crisis

Nicht nur junge Mädchen haben in der Zeit des Erwachsenwerdens eine schwierige Phase. Und sie haben deswegen ein höheres Risiko für Magersucht. Ähnliches gilt auch für Frauen in den Wechsel­jahren. Als Ursache für das gehäufte Auftreten der Magersucht bei älteren Frauen vermuten Psychologen und Ärzte einerseits ­psychische Belastungen.

Viele Frauen der Baby Boomer Generation merken, dass ihr Lebensgefühl nicht mit ihrem Geburtsdatum am Führerschein zusammenpassen. Dies kann in Folge zu Magersucht bei älteren Frauen führen, so die Harvard Women’s Health Watch.

 

Die können etwa im Fall von Scheidung, Untreue des Partners oder beispielsweise dem Tod eines ­Elternteils auftreten. Oder es kann auch die Umstellung schuld sein, wenn die Kinder erwachsen werden und das Heim verlassen.

Rezente Daten ergänzen bestehende Hinweise darauf, dass der Wechsel der Wechseljahre mit Ess- und Körperbildstörungen sowie mit Magersucht verbunden sein kann. Allerdings kann das berichtete Wechseljahrsstadium, das schwer zuverlässig zu definieren ist, als Prädiktor für Essstörungen und damit verbundene Symptome weniger aussagekräftig sein als Wechseljahresbeschwerden.

 

Jugendlichkeitsideal fördert Magersucht bei älteren Frauen

­Andererseits fühlen sich besonders Frauen durch das Jugendlichkeitsideal bedrängt und wollen möglichst schlank und fit sein und bleiben. Dadurch ­geraten sie leicht in die gefährliche Spirale der Essverweigerung, oft verbunden mit dem Missbrauch von Abführmitteln.

Auch die zunehmend beworbene kosmetische Chirurgie kann sich auf das Selbstbild von Frauen auswirken, die Miflife crisis und Magersucht fördern. Dazu gehören Botox-Injektionen gegen Falten. Aber ebenfalls auch andere medizinische Möglichkeiten zur zumindest zeitweisen Erhaltung eines jugendlichen Äußeren.

So können scheinbar nicht alternden Prominenten in der Öffentlichkeit dazu verleiten, einen jungen schlanken Körper als »machbar« zu empfinden. Und viele streben durch übermäßiges körperliches Training und zu geringe Nahrungsaufnahme ein gefährliches Untergewicht an.

 

Möglichkeiten der Behandlung

Auch die Heilung von Magersucht bei älteren Frauen gilt als schwierig und langwierig. Denn man muss sowohl den unterernährten Körper als auch die gekränkte Seele behandeln.

Während jedoch Jugendliche oft von besorgten Eltern zum Arzt gebracht werden müssen, haben Erwachsene eher eine gewisse Krankheitseinsicht. Dann suchen sie auch häufiger von sich aus Hilfseinrichtungen auf. Das ist die wichtigste Maßnahme und verbessert die Prognose der Magersucht bei älteren Frauen mit Midlife crisis deutlich.

Zur Behandlung der Magersucht bei älteren Frauen sollte man einerseits Psychotherapie und Ernährungsberatung einsetzten. Andererseits können auch Medikamente helfen. Allerdings sollte man die Medikamente nur in Kombination mit der psychotherapeutischen Beratungen einnehmen.

Die besten Therapie ist ja eigentlich die richtige, gesunde Nahrung mit angemessener körperlicher Aktivität. Allerdings verschreiben Ärzte durchaus auch Antidepressiva und Antipsychotika, um die begleitenden Depressions- und Angstzustände in den Griff zu bekommen.

In letzter Konsequenz muss eine Patientin im Krankenhaus aufgenommen werden, wenn das Untergewicht lebensbedrohliche Formen annimmt. Oder wenn sogar Suizidgefahr besteht. Oder auch, wenn keine der oben angeführten Therapiestrategien nützen und die Patientin somit nicht auf eine etwaige Behandlung anspricht.


Literatur:

Wick MR, Brown TA, Fitzgerald EH, Keel PK. How changing life roles predict eating disorder pathology over 30-year follow-up. J Abnorm Psychol. 2021 May;130(4):388-398. doi: 10.1037/abn0000669. PMID: 34180703; PMCID: PMC8244170.

Mangweth-Matzek B, Rupp CI, Vedova S, Dunst V, Hennecke P, Daniaux M, Pope HG. Disorders of eating and body image during the menopausal transition: associations with menopausal stage and with menopausal symptomatology. Eat Weight Disord. 2021 Feb 17. doi: 10.1007/s40519-021-01141-4. Epub ahead of print. PMID: 33595812.


Quellen:

http://www.health.harvard.edu/womens-health/disordered-eating-in-midlife-and-beyond

Eating Disorders Guide to Medical Management www.aedweb.org

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