Methadon zur Tumortherapie und zur Behandlung von Schmerzen

Methadon

Methadon

Man muss Methadon zur Tumortherapie kritisch hinterfragen und bewerten, denn bislang ist die Wirkung gegen Krebs beim Menschen völlig unklar.

Im Grunde genommen kommt Methadon zunehmend wegen seiner Schmerzen stillenden Wirkung verwendet. Trotz der zunehmenden Popularität sind viele Ärzte mit der komplexen Pharmakologie von Methadon und den bewährten Verfahren zu seiner Anwendung aber nicht vertraut. Besondere Vorsicht ist bei der Umstellung von Patienten von anderen Opioiden auf Methadon geboten. Deshalb sollten nur erfahrene medizinische Fachkräfte eine solche Aufgabe durchführen. Die Evidenz zur Verwendung von Methadon in der akuten Behandlung der Schmerzen im Rahmen einer Tumortherapie ist gering. Und zwar sowohl bei chronischen Krebserkrankungen als auch bei nicht-krebsartigen Schmerzen.

Methadon hat im Vergleich zu allen anderen Opioiden einen einzigartigen Wirkmechanismus. Deswegen nimmt Methadon eine Nischenrolle bei der Behandlung von opioidinduzierter Hyperalgesie und zentraler Sensibilisierung ein. Jedenfalls betonen Experten, dass es keine Belege dafür gäbe, dass Methadon beim Menschen eine Hemmung des Gewebewachstums bewirkt. Deswegen raten sie von der Verwendung von Methadon zur Tumortherapie ab.

 

Methadon zur Tumortherapie

Unter dem Strich gibt es zum Einsatz von Methadon in der Tumortherapie verschiedene kritische Stellungnahmen. Jedenfalls sollte man sehr klar trennen zwischen dem Einsatz von Methadon zur Behandlung von Schmerzen sowie zur Tumortherapie. Einerseits hat der Wirkstoff zwar hat eine unbestrittene Wirkung auf Schmerzen, wie sie auch im Rahmen von Tumorerkrankungen vorkommen können. Andererseits gibt es bisher keinen ausreichenden Nachweis für eine direkte wachstumshemmende Wirkung auf das Tumorgewebe beim Menschen.

Es ist jedenfalls dringend notwendig, sehr schwer kranke Menschen nicht allein zu lassen. Hierzu muss man ihre Verzweiflung sowie die Ängste, Nöten und Überlegungen zur Behandlung berücksichtigen. Dementsprechend ist es auch wichtig, den Patienten Informationen und Raum für ihre Entscheidungsfindung zu geben. Damit sollte weiter ein klares Angebot zur Begleitung auf diesem Weg verbunden sein. Trotz einer massiven Berichterstattung über eine Antitumorwirkung von D,L-Methadon konnte dieser Effekt als Tumortherapie bei Menschen bisher noch nicht durch entsprechend notwendige klinische Studien nachgewiesen werden.

 

Häufig zu starke Dosierung von Methadon zur Tumortherapie

Außerdem warnen Experten, dass beim Einsatz von Methadon durch Unerfahrene die Gefahr einer zu starken Dosierung besteh. Das kann dann sogar zu einem potentiell tödlichen Ausgang führen. Im Grunde genommen besteht auch ein erhöhten Risikos für Nebenwirkungen im Vergleich mit anderen Opioiden. Deswegen stellt – auch nicht zu letzt wegen der hohen Anzahl an Fällen mit zu starker Dosierung – das D,L-Methadon deshalb „nicht das Mittel der ersten Wahl“ dar.

Aus Sicht der Pharmazeuten der DGP sind die Aussagen zur Wirkung von D,L-Methadon bei Patienten mit Tumortherapie sehr kritisch zu hinterfragen sowie auch zu bewerten. Denn bislang bleibe die Wirkung gegen Krebs am Menschen völlig unklar. Viele Aussagen zur Wirksamkeit von D,L-Methadon zur Tumortherapie entsprechen somit nicht dem derzeitigen wissenschaftlichen Stand. Denn viele Ergebnisse aus Studien sind nicht auf die Situation beim Menschen nicht übertragbar.


Literatur:

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Quelle:

http://www.dgpalliativmedizin.de/images/20170705_DGP_Stellungnahme_Methadon.pdf

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