Zur Gewichtsreduktion Metformin gegen Adipositas bei Kindern: Pro und Kontra

Den Einsatz des Diabetes-Mittels Metformin gegen Adipositas bei Kindern sehen Experten vor allem wegen gastrointestinalen Nebenwirkungen als „problematisch“ an. © The Turtle Factory / shutterstock.com

Den Einsatz des Diabetes-Mittels Metformin gegen Adipositas bei Kindern sehen Experten vor allem wegen gastrointestinalen Nebenwirkungen als „problematisch“ an. © The Turtle Factory / shutterstock.com

Kinder mit Adipositas haben ein hohes Risiko für spätere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Metformin steht zur effektiven Gewichtsreduktion immer wieder am Prüfstand.

Unter dem Strich ist Adipositas bei Kindern weit verbreitet. Beispielsweise sind in Deutschland 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen übergewichtig. Wobei etwa ein Drittel von ihnen sogar die Kriterien der Adipositas erfüllen. Weil zu dicke Kinder auch ein hohes Herz-Kreislauf-Risiko haben, ist die effektive Gewichtsreduktion so wichtige für die Vorbeugung. Das Antidiabetikum Metformin hat in den vergangenen Jahren diesbezüglich als Ergänzung zu Lebensstilinterventionen „großes Interesse der Forschung geweckt“. Dazu ist die aktuelle Studienlage allerdings unklar.

 

Suche nach neuen Ansätzen zur Gewichtsreduktion bei Kindern

Einige Studien haben in den letzten Jahren allerdings ergeben, dass der Einsatz von Metformin bei Kindern mit Adipositas für die Gewichtsreduktion nicht zu empfehlen ist. Denn im Kontext mit anderen Therapieoptionen kindlicher Fettsucht hat sich Metformin als klinisch nicht bedeutsam erwiesen. Im Grunde genommen war der Effekt in diesen Untersuchungen zu bescheiden. Hingegen ist eine hohe Frequenz von gastrointestinalen Nebenwirkungen gegeben. Deswegen sehen die manche Experten den Off-Lable-Use von Metformin bei Kindern zur Gewichtsreduktion bei Adipositas weiterhin kritisch.

Die Schlussfolgerung beruhte beispielsweise auf einer Meta-Analyse mit 14 klinischen Studien, in denen Lebensstil-Interventionen mit Diät und viel Bewegung bei übergewichtigen Kindern und Jugendlichen mit einer Kombination von Lebens-Änderungen und dem für den Zweck der Gewichtsreduktion nicht zugelassenen Diabetes-Medikament Metformin zu wenig positive Wirkung brachte.

Unter dem Strich gibt es einen Hintergrund, warum das Antidiabetikum trotz fehlender Zulassung zur Gewichtsreduktion bei Kindern überhaupt zum Einsatz kommt. Denn vielen Kindern fällt es schwer, mit Diät und Bewegung signifikant an Gewicht zu verlieren.

Metformin wurde Off-Label wegen des deutlichen Gewichtsverlusts, den Erwachsene unter dieser Therapie erzielen konnten, eingesetzt. Auch gibt es gute Langzeiterfahrungen mit Metformin bei Kindern ab 10 Jahren, die an Diabetes Typ-2 erkrankt sind.

 

Ohne Diabetes problematisch: mit Metformin Kinder mit Adipositas behandeln

In den analysierten, durchwegs kleinen Studien führte das Medikament bei Kindern mit Adipositas zu einer statistisch signifikanten, aber sehr moderaten BMI-Reduktion. Und zwar in Kombination mit Lifestyle-Interventionen über die kurze Untersuchungszeit. Eine größere Untersuchung war notwendig, um genauer potenzielle Subgruppen zu identifizieren, die von Metformin profitieren könnten. Zudem müsste man verzerrende Faktoren wie etwa den Einfluss der Pubertät auf Ergebnisse ausschließen können.

 

Auswirkungen der Verabreichung von Metformin auf endokrin-metabolische Parameter, viszerale Adipositas und kardiovaskuläre Risikofaktoren bei Kindern mit Adipositas

Im Grunde genommen ist die Behandlung mit Metformin in den Dosierungen von 1000 bis 2000 mg pro Tag über 6 Monate bei pubertären Kindern und / oder Jugendlichen mit Adipositas und Hyperinsulinismus mit einer Verringerung des Body-Mass-Index (BMI) und des Insulinresistenzindex (HOMA-IR) verbunden.

Nun wollten Forscher in einer rezenten Pilotstudie herausfinden, ob eine Langzeitbehandlung (24 Monate) mit niedrigeren Dosen von Metformin (850 mg / Tag) bei Kindern vor der Pubertät sowie frühe pubertäre Kinder beider Geschlechter mit Adipositas wirksam ist. Im Blickpunkt stand zudem, ob Metformin auch mögliche endokrin-metabolische Anomalien normalisieren, die Körperzusammensetzung verbessern und die Intima-Media-Dicke der Karotis im präpuberalen Bereich verringern könnte.

Unter dem Strich schien die Behandlung mit Metformin bei Kindern vor und nach der Pubertät mit Adipositas die Körperzusammensetzung und die Entzündungsmarker zu verbessern. Die Daten lassen vermuten, dass weitere Studien mit 850 mg / Tag Metformin bei kleinen Kindern und Adipositas Sinn machen könnten. Und zwar um die gute Verträglichkeit und den potenziellen langfristigen Nutzen zu bestätigen.


Literatur:

Bassols J, Martínez-Calcerrada JM, Osiniri I, Díaz-Roldán F, Xargay-Torrent S, Mas-Parés B, Dorado-Ceballos E, Prats-Puig A, Carreras-Badosa G, de Zegher F, Ibáñez L, López-Bermejo A. Effects of metformin administration on endocrine-metabolic parameters, visceral adiposity and cardiovascular risk factors in children with obesity and risk markers for metabolic syndrome: A pilot study. PLoS One. 2019 Dec 10;14(12):e0226303. doi: 10.1371/journal.pone.0226303. PMID: 31821361; PMCID: PMC6903728.


Quelle:

Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK)

Eyermann., Kardiovaskuläres Risiko bei Kindern und Jugendlichen und Prävention: Intervention von Übergewicht und Adipositas. Eignet sich Metformin für fettsüchtige Kinder ohne Typ2-Diabetes? Clin Res Cardiol 103, Suppl 2, Oktober 2014 – Beitrag P389. DGK Abstract

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