Mangelernährung im Krankenhaus – kaum Unterschiede in Europa und den USA

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Die Risikofaktoren für Mangelernährung im Krankenhaus sind weltweit gleich. Das ergab eine Analyse von etwa 92.000 Patientendaten in 56 Ländern.

In einer internationalen, dreijährigen Analyse wurden bei rund 92.000 stationär aufgenommenen Patienten in 56 Ländern das Ess-Verhalten im Krankenhaus exakt analysiert. Es zeigte sich, dass die schwerwiegendsten Risikofaktoren für Mangelernährung im Krankenhaus und der damit einhergehenden erhöhten Mortalität und Morbidität überall die Gleichen – egal ob in Europa oder den USA..

 

Zu wenig Essensaufnahme und Mangelernährung im Krankenhaus als wichtiges sozio-ökonomisches, gesundheitspolitisches Thema

Bei vielen Patienten sind die unzureichende Nahrungsaufnahme und Mangelernährung ein wichtiges gesundheitspolitisches und Public Health-Thema, das die Sozio-Ökonomie von Ländern mit sowohl niedrigem als auch mit hohem Einkommen beeinflusst. Eine adäquate Ernährungsversorgung von Patienten sollte daher Teil eines ganzheitlichen Therapiekonzepts sein. Bei mangelernährten Patienten und Patientinnen ist die Morbidität und Mortalität bis zu 8-fach erhöht, die Krankenhausaufenthaltsdauer folglich länger. Hier ist zu beachten, dass 50 bis 60 Prozent der Patienten und Patientinnen eine angebotene Mahlzeit nicht vollständig aufessen und diese reduzierte Nahrungsaufnahme selten ernährungsmedizinisch therapiert wird.

 

Mangelernährung im Krankenhaus durch deutlich weniger Appetit 

In der eingangs zitierten Studie wurden die Faktoren und die Muster, die die Nahrungsaufnahme der PatientInnen an einem bestimmten Tag, beeinflussen und die ernährungsrelevanten Versorgungsstrukturen bei 91.245 hospitalisierten PatientInnen weltweit untersucht. Es zeigte sich, dass die Faktoren »geringe Mobilität«, »ungewollter Gewichtsverlust« und »PatientIn hat in der Vorwoche nicht genug gegessen« ein erhöhtes Risiko ergaben, dass Patienten weniger essen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer und ganz Junge und ganz Alte mehr als Menschen im Alter zwischen 40 und 79. Diese vier Faktoren sind in den untersuchten Ländern praktisch gleich stark – auch in den USA, wo die Patienten generell mit einem höheren Body-Mass-Index ins Spital kommen. Es ist immer das gleiche Muster: Krankheit sorgt für weniger Appetit.

Betroffene Patienten sollten in ihrem Essverhalten kontrolliert, begleitet und beraten werden – wenn einer der Faktoren erkannt wird, sollten Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Die vielfach vernommene Entschuldigung des Patienten oder der Patientin‚ ‚ich bin krank, also ess‘ ich nichts‘, oder auch ‚fein, dann nehme ich wenigstens ab‘ sind nicht hinnehmbar und schlecht für die Prognose des Patienten. Solche Risikopatienten brauchen eine spezielle Aufmerksamkeit, die auch in das ganzheitliche Behandlungskonzept gegen Mangelernährung im Krankenhaus einfließen muss.

Grundsätzlich sollte das Ess-Verhalten eines Patienten bereits bei der stationären Aufnahme systematisch evaluiert werden. Mit einfachen Fragen und Antworten müssen Patienten informiert werden, warum die ausreichende Nahrungsaufnahme so eine große Bedeutung hat.

Für das Management im Krankenhaus sind strukturelle Anpassungen überlegenswert, wie etwa die Möglichkeit, kleinere Portionen oder angereicherte Zwischenmahlzeiten und ganz spezielle, individuelle Speisen anzubieten. Grundsätzlich kann auch die Einbeziehung von Angehörigen zur Unterstützung beim Essen hilfreich sein.

Literatur: „To eat or not to eat? Indicators for reduced food intake in 91 245 patients hospitalised on nutritionDays 2006–2014 in 56 countries worldwide – a descriptive analysis.“ K. Schindler, M. Themessl-Huber, M. Hiesmayr, S. Kosak, M. Lainscak, A. Laviano, O. Ljungqvist, M. Mouhieddine, S. Schneider, M. de van der Schueren, T. Schütz, C. Schuh, P. Singer, P. Bauer, C. Pichard, AJCN, October 2016, doi: 10.3945/ajcn.116.137125.

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MEDMIX Online-Redaktion

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