Fieber unbekannter Ursache – Management und Diagnostik

Bei Fieber unbekannter Ursache liegt meist eine weit verbreitete Krankheit mit ungewöhnlicher Präsentation ­als eine seltene Erkrankung vor. © Naumov S / shutterstock.com

Bei Fieber unbekannter Ursache liegt meist eine weit verbreitete Krankheit mit ungewöhnlicher Präsentation ­als eine seltene Erkrankung vor. © Naumov S / shutterstock.com

Bei Fieber unbekannter Ursache muss der Arzt die Diagnostik unabhängig vom Alter des Patienten einleiten, zudem muss man eine mögliche Therapie finden.

Fieber unbekannter Ursache (FUO) ist ein definiertes Krankheitsbild, das vorliegt, wenn ein Patient über mindestens drei Wochen bei mehreren Gelegenheiten dokumentiertes Fieber zeigt und trotz einer 3 bis 5 Tage dauernden, engagierten Diagnostik im Krankenhaus keine Ursache gefunden werden kann. Für Fieber unbekannter Ursache selbst gibt es keine Therapie. Es ist absolut nicht gut, wenn man dann einfach mit einem Breitspektrumantibiotika die Therapie beginnt.

Je nach Altersgruppe sind übrigens nur 25 bis 50% der Erkrankungen mit Fieber unbekannter Ursache auf Infektionen zurück­zuführen. Wobei man selbst hier die Erkrankungen – wie beispielsweise die Tuberkulose – nicht mit normalen Breitspektrumantibiotika behandeln kann.

Daher gilt es als Fehler, bei einem Patienten, der die Definition von Fieber unbekannter Ursache erfüllt, ohne Grundlage eine Therapie zu beginnen. Bei einzelnen Patienten gibt es im Laufe der Abklärung Hinweise auf eine bestimmte Fieber-Ätiologie, obwohl das Krankheitsbild schwer nachzuweisen ist. So wird man bei ­einem fiebernden Patienten aus einem Tuber­kulose-Risikogebiet mit passender Histologie eine Tuber­kulose-Therapie probieren. Und zwar auch wenn der Nachweis des ­Erregers fehlt.

 

Sympto­matische Maßnahmen bei Fieber unbekannter Ursache (FUO)

Unter dem Strich ist Fieber grundsätzlich nicht schlecht. Zudem haben viele Patienten mit Fieber ­unbekannter Ursache haben auch kein sehr hohes Fieber. Trotzdem kann Fieber ­unbekannter Ursache auch hoch sein oder diverse Verläufe – hektisch oder kontinuierlich – annehmen.

Wenn ein Patient sehr stark fiebert, dann sollte man gegen die Beschwerden Fieber senkende Maßnahmen einleiten. Besonders bei schwer vorgeschädigten Patienten, mit Erkrankungen der Lunge, von Herz und Gefäßen sowie mit zerebralen Erkrankungen sind der erhöhter Bedarf an Sauerstoff und die Tachykardie eine Belastung. Hier kann man eventuelle Komplikationen vermeiden, indem man den Bedarf an Sauerstoff verringert.

Die Fiebersenkung kann in einigen Situationen hingegen zu Verwirrung führen. Denn auch Medikamente – beispielsweise Fieber senkender Art und selbst Kortison – können Fieber unbekannter Ursache auslösen. Je weniger Medikamente eingesetzt werden, desto leichter ist eine Abklärung der Ursache möglich.

 

… wenn bei Fieber die Diagnostik kein Ergebnis bringt

Bei etwa 10% der Fälle kann keine Kausalität gefunden werden. Wobei es wichtig ist, dass diese 10% für alle Patienten gelten. Sehr oft scheuen sich Ärzte bei älteren Patienten – von 60 Jahren aufwärts – noch eine Abklärung anzugehen, weil sie kein sinnvolles Ergebnis erwarten. Doch gerade bei Fieber unbekannter Ursache in dieser ­Altersgruppe gibt es eine Aufklärungsquote von über 90%. Die Diagnostik muss unabhängig vom Alter des Patienten erfolgen und besonders wichtig ist, die behandelbaren Ursachen abzuklären.

Wenn ein 80-jähriger Patient beispielsweise eine Verschattung der Lungen hat, dann geht der Untersucher daher von einem Fieber wegen des Karzinoms aus. Wobei man diesen Patienten aber vermutlich nicht mit denselben – teilweise belastenden – Optionen therapiert. Und zwar im Vergleich mit einem 40-Jährigen. Hingegen wäre es ein Fehler, eine Tuberkulose oder einen Abszess im Bereich der Gallenwege zu übersehen, die man auch im ­Alter gut behandeln kann.

Ganz wichtig ist, besonders bei Betagten, immer die Arteriitis temporalis auszuschließen. Wobei die gar nicht so selten auftritt und in spezialisierten Zentren regelmäßig diagnostiziert wird. Klassischerweise haben solche Patienten Kopfschmerzen, doch sind diese nicht immer vorhanden und auch der Lokalbefund kann unauffällig sein. Übersieht man aber diese Erkrankung, erblindet der Patient.

Im amerikanischen Schrifttum gilt es als schwerer Kunstfehler, bei einem Patienten mit Fieber unbekannter Ursache und hoher Blutsenkung nicht an eine Arteriitis temporalis zu denken. Früher war die Dia­gnostik aufgrund der Biopsie unangenehm, heute steht Interleukin 6 als Hinweis und vor allem der PET-Scan zu Verfügung, der bei Befall dieser Gefäße eindeutige Signale zeigt.

 

Worauf man beim Management von FUO ­besonders achten muss

Unter dem Strich ist es wichtig, dass Ärzte ihre Patienten oder die Eltern kranker Kinder über die jeweilige Situation gut aufklären. Laut Definition gilt Fieber in den ersten drei Wochen noch nicht als Fieber unbekannter Ursache. Denn in dieser Zeitspanne sind die üblichen, selbst limitierten Viruserkrankungen enthalten.

Generell muss man Patienten in dieser Zeit genau betrachten. Und man kann bei Fieber, das ohne grobe Anzeichen einer Infektion bis zu drei Wochen andauert, erst einmal warten. Wenn allerdings klare Hinweise für Fieber unbekannter Ursache vorliegen, dann ist es falsch, nichts zu unternehmen. Das ist zum Beispiel der Fall bei einem Gewichtsverlust von 1 kg pro Woche.

 

Intelligente Diagnose von FUO mittels maschineller Lernmethode

Im Grunde genommen umfasst Fieber unbekannter Ursache jedenfalls eine Gruppe von Krankheiten mit heterogenen komplexen Ursachen. In vielen Fällen kommt es entweder zu einer falschen oder einer verzögerten Diagnose. Da aber die Behandlungen für die verschiedenen Kategorien von FUO sehr unterschiedlich sind, lohnt es sich herauszufinden, wie man Fieber unbekannten Ursprungs intelligent in eine bestimmte Kategorie zuordnen kann.

Für eine intelligente Diagnose (FID) von Fieber unbekannter Ursache haben deswegen Forscher in einer rezenten Studie alle verfügbaren medizinischen Daten gesammelt. Damit wollte man mithilfe einer maschinellen Lernmethode Kategorien bestimmen, um den jeweiligen Grund für Fieber unbekannter Ursache bei Patienten automatisch vorhersagen zu können. Diese Einteilung in Kategorien soll vor allem Ärzte dabei unterstützen, FUO zukünftig besser diagnostizieren zu können.

Zunächst haben die Wissenschaftler die verfügbaren Fälle mit FUO nach der Vielzahl unterschiedlicher Ursachen und Therapien in vier Kategorien zu Fieber unbekannter Ursache eingeteilt. Und zwar waren das Infektionen, Immunerkrankungen, Krebserkrankungen und andere. Anschließend bereinigten sie die grundlegenden Informationsdaten und klinischen Ergebnissen aus dem Labor. Dann strukturierten sie die Daten des EHR (Electronic Health Record) mithilfe des BERT-Modells (Encoder Representations from Transformers). Als nächstes extrahierten wir die Features basierend auf den strukturierten Beispieldaten und trainierten die FID mit dem LightGBM. Die Light Gradient Boosting Machine, LightGBM, ist übrigens ein kostenloses und Framework mit Open-Source zu maschinellem Lernen. Ursprünglich hat es Microsoft entwickelt.

Die umfassende Analyse zeigte, dass man bei der intelligenten Diagnose von FUO mit maschinellem Lernen eine Genauigkeit von mindestens über 80% bis zu 96,17% erreichte. Die Ergebnisse zeigten auch, dass bei Tumorpatienten mit FUO das Durchschnittsalter höher war als bei anderen Kategorien. Zudem gab es mehr weibliche Patienten mit Immunerkrankungen und FUO.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass intelligenten Diagnose mittels maschinellem Lernen eine hervorragende Leistung bei der Diagnose von Fieber unbekannter Ursache aufweist.


Literatur:

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Quelle:

Dr. Darko Stamenov. Fieber unbekannter Ursache. MEDMIX 4/2008.

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