Magnesiumoxid und Magnesiumcitrat im Fakten-Check

Must Read

Ernährung bei Gicht: Was man essen darf, und was nicht

Die Gicht ist eine schmerzhafte Rheuma-Erkrankung, bei der der Ernährung eine sehr wichtige Rolle zukommt. Zu empfehlen ist bei Gicht beispielsweise die...

6 Tipps für eine FODMAP-arme Ernährung gegen Magen-Darm-Beschwerden

6 Tipps für eine FODMAP-arme Ernährung für Betroffene mit Reizdarmsyndrom, entzündlichen Darmerkrankungen und Unverträglichkeiten. Bekanntlich können viele kurzkettige Kohlenhydrate solche Magen-Darm-Beschwerden...

Blutzucker senkende Wirkung der Bittermelone

Die Bittermelone – Momordica charantia – hilft dabei, den Blutzucker zu senken. Diese hypoglykämische Wirkung könnte bei Typ II Diabetes...
Axel Rhindt
Axel Rhindt
MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

Ob Magnesiumoxid oder Magnesiumcitrat zu empfehlen ist, hängt von der individuellen Situation und Verträglichkeit ab. Schließlich haben beide Magnesium-Varianten ihre Vorteile.

Im Grunde genommen hat das Spurenelement Magnesium hat im menschlichen Körper verschiedene Funktionen. Es wirkt als Kofaktor für mehr als 300 Enzyme und reguliert eine Reihe grundlegender Funktionen. Dazu gehören die Muskelkontraktion, neuromuskuläre Funktionen, die Blutzuckerkontrolle und die Myokardkontraktion sowie der Blutdruck. Zudem spielt das Magnesium auch eine wichtige Rolle bei der Energieerzeugung des Körpers. Wobei ein Magnesiummangel mit zahlreichen Krankheiten in Verbindung stehen. Zusätzlich zeigten viele Studien vorteilhafte Wirkungen einer zusätzlich zur Ernährung eingesetztes Magnesium. Es gibt eine ganze Reihe von Produkten mit Magnesium. Im Grunde genommen kommt das Magnesium jedenfalls in anorganischen oder organischen Verbindungen vor. Hierzu untersuchen Forscher immer wieder die unterschiedlichen Auswirkungen von Magnesiumcitrat, Magnesiumoxid sowie Magnesiumsulfat.



 

Welche Rolle das Magnesium im Körper spielt

Der Körper des Erwachsenen Menschen enthält etwa 25 Gramm Magnesium. Davon befinden sich etwa 60 Prozent in den Knochen. Weiter sind etwa 30 Prozent in der Muskulatur vorhanden. Im Langzeitdepot Knochen nimmt im Laufe des Lebens der Magnesiumgehalt um bis zu 70 Prozent ab.

Das Magnesium ist für zahlreiche Energie liefernde (wie Phosphorylierung, ATP-Synthese) oder Energie verbrauchende Reaktionen (wie Ionenpumpe, Muskelkontraktion) notwendig. Zudem ist es für die Erregungsleitung in Nerven- und Muskelzellen notwendig.

Ein Magnesiummangel verursacht zu Kaliumverluste in den Zellen. Dadurch kommt es zu einer Überladung der Zellen mit Natrium und Calcium. Das kann wiederum den Organismus in Stress versetzen. Daher gilt das Magnesium auch als wichtig gegen Stress. Denn es hemmt den Einstrom von Calcium in die Herzmuskelzellen sowie die Freisetzung von Adrenalin und Noradrenalin.

 

Magnesiummangel und Referenzwerte

Der Mangel an Magnesium im Körper ergibt sich durch die Abnahme der Magnesiumkonzentration im Blut. Fachlich bezeichnet man das als Hypomagnesiämie. Ein Magnesiummangel kann aus verschiedenen Gründen auftreten. Magnesium ist für den Menschen lebenswichtig. Es ist an vielen Stoffwechselvorgängen beteiligt.

Viele Menschen nehmen nicht die empfohlene Menge an Magnesium zu sich. Das gilt insbesondere für Jugendliche und alte Menschen sowie Schwangere. Zudem haben auch Menschen mit Diabetes beziehungsweise chronisch entzündlichen Darmerkrankungen einen Mehrbedarf.  Auch Stresssituationen und psychische Erkrankungen können die körperlichen Reserven aufbrauchen.

Menschen, die intensiv Sport betreiben, haben einen zwei- bis dreifach erhöhten Bedarf an Magnesium. Die Auslaugung der Böden, falsche Ernährung und die Zunahme an Fertigprodukten fördern einen ernährungsbedingten Magnesiummangel zusätzlich.


Die derzeitigen D-A-CH-Referenzwerte empfehlen für Erwachsene eine tägliche Aufnahme von 300 bis 400 mg Magnesium. Kindern sollten 80 bis 310 mg aufnehmen:


Säuglinge: 0 bis unter 4 Monate 24 mg; 4 bis unter 12 Monate 60 mg


Kinder: 1 bis unter 4 Jahre 80 mg; 4 bis unter 7 Jahre 120 mg; 7 bis unter 10 Jahre 170 mg;
10 bis unter 13 Jahre 230 bis 250 mg; 13 bis unter 15 Jahre 310 mg.


Jugendliche 15 bis unter 19 Jahre 350 bis 400 mg; 19 bis unter 25 Jahre 310 bis 400 mg;


Erwachsene 25 bis unter 51 Jahre 300 bis 350 mg; 51 und älter 300 bis 350 mg.


Schwangere 310 mg und Stillende 390 mg.




 

Magnesiumoxid oder Magnesiumcitrat

Es gibt eine ganze Reihe von Produkten mit Magnesium. Sie enthalten den Mineralstoff in anorganischen oder organischen Verbindungen. Für die pharmakologische Bioäquivalenz und allgemeine Resorption von Magnesium spielt die Verbindung jedoch keine Rolle.

Die Annahme, Magnesium aus organischen Salzen sei das „bessere“ ist weit verbreitet. Das gilt aber nicht für den langfristigen Versorgungsstatus. Ob Magnesiumoxid oder Magnesiumcitrat zu empfehlen ist, hängt von der individuellen Situation und Verträglichkeit ab. In der Natur kommt Magnesium hauptsächlich in anorganischer Form vor. Der Körper nimmt es dann meist als Oxid und Chlorid über die Nahrung auf.

 

Natürliches Vorkommen

In der Natur liegt Magnesium hauptsächlich in anorganischer Form als Oxid, Carbonat und Chlorid vor. Beispiele sind Dolomit, Magnesit sowie Meerwasser.

In Pflanzen ist das Magnesium hauptsächlich im Chlorophyll. Hingegen kommen organische Salze wie Magnesiumcitrat nur in geringen Spuren vor.

Der Körper nimmt Magnesium hauptsächlich im Dünndarm auf (Resorption). Die orale Absorptionsrate steigt nicht linear sondern nimmt mit steigendem Angebot ab. Zudem beeinflusst die Zusammensetzung der Nahrung wesentlich, wie der Körper das Magnsium verwertet.

Beispielsweise können fett- und ballaststoffreiche Speisen sowie Calcium, Phytate, Oxalate und Phosphate die Resorption deutlich verringern. Durchschnittlich resorbiert der Organismus etwa 40 Prozent des mit der Nahrung aufgenommenen Magnesiums.

 

Magnesiumoxid für eine bessere Speicherung in den Zellen (Depot)

Das Magnesiumoxid ist in Wasser unter Normalbedingungen (pH 7.0, 20°C) begrenzt löslich. Entsprechend der natürlichen Nahrungsaufnahme und Verwertung im Körper wird Magnesiumoxid im alkalischen Milieu des Darms gleichmäßig und über einen längeren Zeitraum aufgenommen.

Die Grundlage dieser biologischen „Retard-Resorption“ bildet das Massenwirkungsgesetz nach folgender Dissoziationsgleichung: schlecht lösliches MgO + 2 H2O -> lösliches Mg(OH) 2.

Sobald der Darm die Magnesiumionen aufnimmt, ist das Gleichgewicht gestört. Dann wird sofort neuerlich Magnesium aus Magnesiumoxid freigesetzt.



Dieser Prozess verläuft während der gesamten Transitzeit durch den Darm. Und das soll eine konstante Aufnahme über mehrere Stunden bis Tage ermöglichen. Das soll dabei helfen, dass der Körper langfristig die Magnesiumspeicher aufbaut und erhalten kann.

Eine Studie von Shechter et al. (2012) ergab, dass der Körper das Magnesium aus Magnesiumoxid nach mehreren Wochen signifikant besser in den Zellen speichern konnte. Und zwar verglichen mit dem Magnesiumcitrat. Magnesiumcitrat hingegen nimmt der Körper dafür schneller auf, was aber eben nicht immer besser sein muss.

 

Homöostase und Aufnahme im Organismus

Die Konzentration an freien Magnesium-Ionen ist in den Körperflüssigkeiten in einem sehr engen Bereich reguliert. Denn sonst wäre die Homöostase (die Aufrechterhaltung der inneren Ausgewogenheit mit Hilfe von Regelsystemen) im Körper gefährdet. Das bedeutet, dass sich der Körper vor zu hohen Aufnahmeverlusten bei sehr geringer Magnesiumzufuhr sowie vor einer zu starken Aufnahme schützen muss. Daher gibt es im Wesentlichen zwei Transportwege, die für die Resorption der Magnesium- Ionen im Darm verantwortlich sind.

Der aktive Transport bleibt immer konstant bei etwa 7,1%. Und zwar egal wie hoch oder niedrig die Magnesiumzufuhr ist. Der passive Transport erfolgt in Richtung des Wasserflusses und des Konzentrationsgradienten. Er ist bei einer einmaligen Zufuhr von etwa 250 bis 300 mg gesättigt.

In Summe bedeutet das, dass zwischen der Magnesiumzufuhr und der Magnesiumaufnahme kein linearer Zusammenhang besteht, sondern dass die Aufnahme eher einer Sättigungskurve gleicht. Daher sinkt die Resorption von 65% bei sehr geringer Zufuhr (70 mg) auf rund 11% bei extrem hoher Zufuhr (2 g).4

 

Magnesiumaufnahme und Dosierung

Wenn man beispielsweise täglich über den Tag verteilt 3 x 150 mg Magnesium einnimmt, dann werden rund 208 mg bzw. 46% vom Körper aufgenommen. Wenn man die gleiche Menge in nur einer Dosierung zuführt, d.h. 1 x 450 mg, dann werden hingegen nur 108 mg bzw. rund 24% aufgenommen.

 

Individuelle Empfehlung und Verträglichkeit von Magnesiumoxid oder Magnesiumcitrat

Ob Magnesiumoxid oder Magnesiumcitrat zu empfehlen ist, hängt in erster Linie von der jeweiligen Situation ab. Denn beide Varianten haben klare Vorteile. Weder Magnesiumoxid noch Magnesiumcitrat sind für sich gesehen besser oder schlechter.

Magnesiumcitrat gilt als besser wasserlöslich, das ist jedoch nicht immer von Vorteil. Die schnelle Aufnahme lässt den Magnesiumspiegel kurzfristig ansteigen. Aufgrund der Homöostase wird das resorbierte Magnesium aber ebenso rasch wieder ausgeschieden. Durch diese kurze Verweildauer im Körper können die Speicherdepots in Knochen und Muskel nicht effizient aufgefüllt werden.



Magnesiumcitrat ist daher ideal für die rasche und kurzzeitige Versorgung mit Magnesium im Sportbereich und bei Muskelkrämpfen. Für den langfristigen Aufbau eines Magnesiumspiegels und das Auffüllen der körpereigenen Magnesiumdepots empfiehlt sich hingegen Magnesiumoxid.

Übrigens werden Magnesiumoxid und Magnesiumcarbonate in Brauseformen (mit Zitronensäure granuliert) beim Auflösen in Wasser in Magnesiumcitrat umgewandelt.

Im Grunde genommen kann zu hoch dosiertes Magnesiumcitrat bei empfindlichen Personen eine abführende Wirkung hervorrufen. Betroffen sind häufig Männer oder Personen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen.

Übrigens legte eine Studie unlängst nahe, dass Magnesiumoxid zur Linderung nächtlicher Beinkrämpfe nicht signifikant besser war als Placebo.

 

Magnesiumcitrat-Supplementierung verbesserte die arterielle Steifheit

Die arterielle Steifheit ist eng mit dem Prozess der Atherosklerose verbunden. Die Atherosklerose ist wiederum ein unabhängigen Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkranungen. Es beeinflusst er zukünftige kardiovaskuläre Ereignisse und die Sterblichkeit.

Kürzlich haben Forscher gezeigt, dass eine Magnesiumcitrat-Supplementierung zu einer klinisch relevanten Verbesserung der arteriellen Steifheit führt. Es blieb unklar, ob der beobachtete Effekt auf Magnesiumcitrat zurückzuführen war. Oder ob auch andere Magnesiumverbindungen ähnliche Wirkungen haben könnten.

Daher wollen Wissenschaftler jetzt die langfristigen Auswirkungen von Magnesiumcitrat, Magnesiumoxid und Magnesiumsulfat auf die arterielle Steifheit untersuchen. Darüber hinaus will man mögliche zugrunde liegende Mechanismen untersuchen. Dazu gehören auch Veränderungen des Blutdrucks und Veränderungen der Darmflora.




Literatur:

Joëlle C. Schutten, Peter J. Joris, Ronald P. Mensink, Richard M. Danel, Frans Goorman, M. Rebecca Heiner-Fokkema, Rinse K. Weersma, Charlotte A. Keyzer, Martin H. de Borst, Stephan J. L. Bakker. Effects of magnesium citrate, magnesium oxide and magnesium sulfate supplementation on arterial stiffness in healthy overweight individuals. A study protocol for a randomized controlled trial. Trials. 2019; 20: 295. Published online 2019 May 28. doi: 10.1186/s13063-019-3414-4

Abdullah M. Al Alawi, Sandawana William Majoni, Henrik Falhammar. Magnesium and Human Health: Perspectives and Research Directions. Int J Endocrinol. 2018; 2018: 9041694. Published online 2018 Apr 16. doi: 10.1155/2018/9041694

Shechter M, Saad T, Shechter A, Koren-Morag N, Silver BB, Matetzky S. Comparison of magnesium status using X-ray dispersion analysis following magnesium oxide and magnesium citrate treatment of healthy subjects. Magnes Res 2012; 25: 28–39.

Fine KD, Santa Ana CA, Porter JL, Fordtran JS. Intestinal absorption of magnesium from food and supplements. J Clin Invest 1991; 88: 396–402.

Lindberg JS, Zobitz MM, Poindexter JR, Pak CY. Magnesium bioavailability from magnesium citrate and magnesium oxide. J Am Coll Nutr 1990; 9: 48–55.

Noga Roguin Maor, Mordechai Alperin, Elena Shturman, Hassan Khairaldeen, Moran Friedman, Khaled Karkabi, Uzi Milman. Effect of Magnesium Oxide Supplementation on Nocturnal Leg Cramps: A Randomized Clinical Trial. JAMA Intern Med. 2017 May; 177(5): 617–623. Published online 2017 Feb 20. doi: 10.1001/jamainternmed.2016.9261


Quelle:

Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. © 2019 DGE

Magnesiumoxid und Magnesiumcitrat im Fakten-Check. Albert Kompek, Maria-Anna Bornik. MEDMIX online, 2017.

Latest News

Eisensupplementierung bei Eisenmangelanämie: nicht zuviel Eisentabletten!

Wenn Menschen an einer Eisenmangelanämie leiden, dann bekommen sie täglich eine Eisensubstitution. Fraglich ist aber, welche Menge Eisensupplementierung für den...

Bludrucksenkung durch Magnesium: Zusatztherapie bei Bluthochdruck

Eine dosisabhängige Bludrucksenkung durch Magnesium ist beispielhaft, wie man eine medikamentöse Therapie durch Mikronährstoffe optimieren kann. Eine der Medikamentendosis angepasste Bludrucksenkung durch Magnesium unterstützt die medikamentöse antihypertensive Therapie. Der...

Muskelsucht, Bigorexia, Muskeldysmorphie: gestörte Körperwahrnehmung

Die Muskelsucht wird auch als Bigorexia oder Muskeldysmorphie bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine gestörte Körperwahrnehmung vorwiegend bei Männern. Einer von 10 Männern, die in Großbritannien...

Bedeutung von Vitamin D für unsere Gesundheit

Für unseren Körper ist die Bedeutung von Vitamin D beträchtlich, denn der Mensch benötigt sein ganzes Leben lang Vitamin D für die ganzheitliche Gesundheit. Vitamin D...

Eustress und Distress – positiver und negativer Stress

Durch die Bewertung einwirkender Reize und deren Auswirkungen unterscheidet man positiven und negativen Stress. Das bezeichnet man als Eustress und Distress. Als Stress bezeichnet man allgemein Belastungen...

More Articles Like This