Magnesiumdefizit bei Diabetes mellitus

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Vor allem Diabetes-Patienten, bei denen eine Schädigung des Gefäßsystems vorliegt, zeigen bei schlechter Blutzuckereinstellung oft ein hohes Magnesiumdefizit.

Magnesium – ein lebensnotwendiges, essenzielles Mineral – muss dem Körper exogen zugeführt werden. Der Tagesbedarf von Magnesium liegt offiziell beim Erwachsenen zwischen 350 und 400 mg. Allerdings erhöht er sich mit körperlicher Bewegung oder Stresssituationen. Schließlich haben beispielsweise Hobby- und Berufssportler häufig einen zwei- bis dreifach höheren Magnesiumbedarf. Grundsätzlich gibt es Befürworter von einem Tagesbedarf von 600 bis 900mg, um so ein Magnesiumdefizit zu vermeiden.

 

Bedeutung von Magnesium

Magnesium ist mit ca. 55% in Knochen gebunden, rund 44% befinden sich in den Organen, vor allem auch in der Muskulatur. Nur 1% zirkuliert im Blut, sodass das System der Depots von der Freisetzung in das Blut abhängig ist. Die Bedeutung von Magnesium liegt in der Aktivierung von vielen Enzymen sowie elektrischen Pumpen an der Muskelzelle (Herzmuskelzelle), weiters in der Stimulation der oxidativen Phosphorylierung und in der Regulation der Zellpermeabilität, was wiederum für eine Membranstabilität bzw. bei Mangel zu Instabilität und Rhythmusstörungen führen kann. Darüber hinaus bestehen enge Zusammenhänge zwischen Magnesium, Kalzium- und Kaliumstoffwechsel, wobei Kalium und Magnesium miteinander wichtige Transportsysteme in die Zelle darstellen und vor allem Magnesium als Antagonist zu Kalzium gilt.

Die Ausscheidung von Magnesium erfolgt über den Darm bzw. die Niere, die selbst ein Regulativ darstellt. Im Weiteren ist auch die Schweißsekretion ein wichtiger Eliminationsort.

 

Magnesiumdefizit bei Typ 1- und Typ 2-Diabetes

Verschiedene Studien zeigen, dass sowohl bei Patienten mit Typ 1- als auch mit Typ 2-Diabetes in einem hohen Prozentsatz eine Hypomagnesiämie – medizinisch für Magnesiummangel bzw. Magnesiumdefizit –  vorliegt. Beim Typ 1-Diabetes wurde ein klarer Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der Hypomagnesiämie und der Stoffwechselsituation nachgewiesen.

Beim Typ 2-Diabetes konnten Experten festhalten, dass eine Hypomagnesiämie durch eine Stoffwechseloptimierung nicht beeinflusst werden kann, andererseits sind günstige Effekte einer Magnesiumsubstitution auf die Insulinresistenz zu sehen. Weiters wird auch die Insulinsekretion und Thrombozyten­aggregation beim Typ 2-Diabetiker positiv beeinflusst.

Zu berücksichtigen sind allerdings auch Umstände, die mit einer Stoffwechselerkrankung wie Diabetes mellitus einhergehen, wobei allein eine falsche Ernährung, die beim Diabetes mellitus häufiger vorkommt, auch zusätzlich zu einem Magnesiumdefizit führen kann, z.B. aufgrund einseitiger Kost, Alkoholabusus, übermäßiger Eiweißzufuhr und Mal­absorption (Zöliakie, Mb. Crohn, Colitis ulcerosa).

 

Magnesiumdefizit bei Diabetiker mit Herzinsuffizienz bzw. KHK

Bei fortgeschrittenen Formen einer chronischen Herzinsuffizienz, die beim Diabetiker aufgrund der Gefäßsituation über eine koronare Herzkrankheit zu einer ischämischen Cardiomyopathie führen kann, ist vor allem in höheren Stadien wie NYHA III und IV eine Diuretikamedikation, zumindest intermittierend, angezeigt. Hier finden sich dann renale Verluste von Kalium und Magnesium, die wiederum substituiert werden müssen. Zusätzlich weisen diese Patientengruppen auch Herzrhythmusstörungen gehäuft auf, die sich bei Kalium und Magnesiumdefiziten in einer Membraninstabilität und damit in gehäuften Ektopien reflektieren.

Bei der koronaren Herzkrankheit wird die Leistungsfähigkeit unter Magnesium verbessert (Shechter et. al. Ams Cardiol. 2003). Daneben steigt die Lebensqualität, was besonders beim Diabetiker mit KHK entscheidend ist.

 

Stress

Viele Diabetiker, egal ob im Beruf oder in der Freizeit, sind chronischen Stressprozessen ausgesetzt. Burn out zählt zu den Modekrankheiten, wobei Diabetiker häufiger zur psychischen Instabilität neigen. Bei chronischem Stress kommt es nicht nur zu einer hormonellen Überreaktion von Katecholaminen wie Adrenalin und Kortisol; die gesamte Reaktionskette verbraucht über Depletion der Leber, die ebenfalls ein magnesiumreiches Organ ist, den Mineralstoff im höheren Maß, so dass Magnesiumverluste nachzuweisen sind. Daraus folgt, dass eine Magnesiumsubstitution auch hier sinnvoll und damit der Magnesiumtagesdarf gesteigert ist.

 

Magnesiumdefizit bei Diabetes und Schmerz

Erstmals wurde vor einigen Jahren beobachtet, dass unter Oxaliplatintherapie kälte­induzierte Neuropathien auftreten können, die unter vorheriger Magnesiuminfusionstherapie und später oraler Therapie viel schwächer auslösbar sind. Daraus entstanden Überlegungen, in wie weit eine Magnesiumtherapie bei der diabetischen Polyneuropathie von Vorteil ist.

Beobachtungen ergaben, dass in Frühstadien der Polyneuropathie unter Optimierung des Blutzuckers zusammen mit einer Magnesiumsubstitution von 350 bis 700 mg täglich zu empfehlen sind. Körperliche Aktivität Viele Diabetiker betreiben erfreulicherweise Hobbysport, benützen die Sauna und sind letztlich im Sommer höheren Temperaturen ausgesetzt.

Durch die Schweißsekretion kommt es zu Verlusten von Magnesium und Kalium sowie auch Natrium, wobei eine Substitution von Magnesium sinnvoll ist. Auch hier spielt die richtige Ernährung sowie ein richtiges Trinkverhalten zusammen mit Kalium- und Magnesiumsubstitution eine maßgebliche Rolle.

 

Magnesiumsubstitution bei Diabetes

In der Beratung des Diabetikers hat daher eine Magnesiumsubstitution einen hohen Stellenwert. Magnesium verbessert die Begleiterkrankungen, die aus einem Diabetes mellitus entstehen können. Wichtig dabei ist die Form der Magnesiumsubstitution, die mit einer magnesiumreichen Kost und magnesiumreichem Mineralwasser beginnt und mit einer oralen Magnesiumsubstitution wie ­Magnesiumcitrat ergänzt wird.

Literatur: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/?term=Magnesium+Diabetes

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About Author

Rainer Muller

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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