Systemischer lupus erythematodes uns seine Klassifikationskriterien

Bei Autoimmunerkrankungen – wie Systemischer Lupus erythematodes – spielt die Produktion von Interleukin 6 aus Keratinozyten der Haut eine Schlüsselrolle bei der Entstehung und Progression der Erkrankung. © Artemida-psy / shutterstock.com

Bei Autoimmunerkrankungen – wie Systemischer Lupus erythematodes – spielt die Produktion von Interleukin 6 aus Keratinozyten der Haut eine Schlüsselrolle bei der Entstehung und Progression der Erkrankung. © Artemida-psy / shutterstock.com

Saubere Klassifikationskriterien bei systemischen Lupus erythematodes spielen wegen der vielen unterschiedlichen Symptome eine große Rolle.

Unter Leitung deutscher Rheuma-Experten hat unlängst ein internationales Projektteam die neuen Klassifikationskriterien für den systemischen Lupus erythematodes (SLE, Lupus) entwickelt. Diese neuen Kriterien sollen die Basis für jede weitere Forschungen und die Versorgung auf dem Gebiet des systemischen Lupus erythematodes darstellen. Im Grunde genommen tritt die systemische Autoimmunerkrankung etwa zehnmal häufiger bei Frauen auf. Und zwar vor allem bei jungen Frauen. Unter dem Strich zählt der Lupus zu den 15 häufigsten Todesursachen bei jungen Frauen.

 

Autoimmunerkrankung Lupus erythematodes

Im Grunde genommen leiden Betroffene mit systemischen Lupus erythematodes infolgedessen unter den Symptomen wie Hautveränderungen sowie Gelenkschmerzen. Wobei sogar auch lebensbedrohlichen Entzündungen auftreten können. Beispielsweise von Nieren oder Gehirn. Hinzu kommen starke allgemeine Symptome, wie eine unerklärte Müdigkeit. Diese Betroffenen schränken die Teilhabe der Patienten weiter ein und behindern sie häufig bei ihrer beruflichen Tätigkeit.

Einerseits hat sich die Prognose – in diesem Sinne die Lebenserwartung – des systemischen Lupus erythematodes in den letzten 30 Jahren deutlich verbessert. Und zwar durch verbesserte Verfügbarkeit von Laboruntersuchungen und Optimierung. Andererseits scheinen die Möglichkeiten dieses Prozesses der internationalen Gewinnung und Verbreitung von Evidenz weitgehend ausgeschöpft. Dies zeigt beispielsweise die fehlende Verbesserung der Bedingungen für Lupus-Patienten in den letzten 10 Jahren deutlich. Jedenfalls benötigt man in diesem Sinne aktualisierte Optionen zur Therapie, deren Basis eine optimale Klassifikation ist.

 

Klassifikationskriterien für den systemischen Lupus erythematodes

Die saubere Klassifikation einer Erkrankung als systemischen Lupus erythematodes ist jedenfalls gerade für einen so heterogenen Symptomenkomplex von entscheidender Bedeutung. Hierzu bilden die neuen Lupus-Kriterien zur Klassifikation jetzt das Fundament mit einer bisher nicht bekannten Sensitivität und Spezifität. Damit geben die neuen Kriterien eine deutlich verbesserte Startbasis für klinische Studien zum systemischen Lupus erythematodes. Allerdings sind diese bisher viel zu häufig gescheitert.

Zur weiteren Optimierung dieser Studien werden zudem weitere Differenzierungsmerkmale und Ansprechparameter („Biomarker“) benötigt. Für diese stellen die neuen Klassifikationskriterien ebenfalls die Basis dar.

Auch wenn diese neuen Kriterien für die Klassifikation und nicht für die Diagnose eines systemischen Lupus erythematodes entwickelt wurden, werden sie auch wie ihre Vorgänger für die Diagnose eingesetzt werden. Die Verknüpfung von klinischen Symptomen und Laborbefunden, wie die Kriterien sie fordern, erleichtern sicher auch eine frühe Diagnose und damit Behandlung.

Die hohe Spezifität der Kriterien verhindert jedenfalls weitgehend, dass Menschen fälschlicherweise die noch immer schwerwiegende Diagnose systemische Lupus erythematodes bekommen. Zudem erlaubt die neue Gewichtung der verschiedenen Symptome und Organbefunde ein einfacheres Erkennen der Schwere des systemischen Lupus erythematodes. So reicht eine gesicherte Entzündung der Nieren teilweise schon zur Klassifikation aus.


Literatur:

M. Aringer, K. H. Costenbader, R. Brinks, D. Boumpas, D. Daikh, D. Jayne, D. Kamen, M. Mosca, R. Ramsey-Goldman, J. S. Smolen, D. Wofsy, B. Diamond, S. Jacobsen, W. J. McCune, G. Ruiz-Irastorza, M. Schneider, M. B. Urowitz, G. Bertsias, B. Hoyer, N. Leuchten, C. Tani, S. Tedeschi, Z. Touma, B. Anic, F. Assan, T. M. Chan, A. E. Clarke, M. K. Crow, L. Czírják, A. Doria, W. Graninger, S. Hasni, P. Izmirly, M. Jung, B. Kiss, X. Mariette, I. Padjen, J. M. Pego-Reigosa, J. Romero-Díaz, I. Rúa-Figueroa, R. Seror, G. Stummvoll, Y. Tanaka, M. Tektonidou, C. Vasconcelos, E. Vital, D. J. Wallace, S. Yavuz, R. P. Naden, T. Dörner, S. R. Johnson.

Neue Klassifikationskriterien für den systemischen Lupus erythematodes (SLE, Lupus) – von einem internationalen Projektteam entwickelt: Abstract, EULAR 2018: Topic: 16. SLE, Sjögren’s and APS – clinical aspects (other than treatment) Submission N°: EULAR18-3679. VALIDATION OF NEW SYSTEMIC LUPUS ERYTHEMATOSUS CLASSIFICATION CRITERIA.


Quelle:

Statement » Neue Klassifikationskriterien für Lupus lupus erythematodes: Schneller erkennen – besser behandeln « von Professor Dr. med. Matthias Schneider, Direktor der Poliklinik und des Funktionsbereichs für Rheumatologie am Universitätsklinikum Düsseldorf zum 46. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) und der 32. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh), September 2018, Berlin

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