Lungenerkrankungen bereits im Kindesalter fokussieren

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Sehr viele Menschen leiden an Lungenerkrankungen. Vor allem chronische Lungenerkrankungen wie Asthma und COPD erzeugen einem hohen Leidensdruck.

Unter dem Strich betreffen Lungenerkrankungen in unseren Breiten Millionen von Menschen. Vor allem die chronischen Lungenerkrankungen wie Asthma oder die chronisch-obstruktive Bronchitis (COPD) verursachen einen hohen Leidensdruck bei den betroffenen Patienten. Eine große Menge wissenschaftlicher Daten hat in den letzten Jahren belegt, dass sie Weichen für eine gesunde Lunge bereits im Kindesalter gestellt werden. Dementsprechend zeigen zahlreiche Studienergebnisse, dass bestimmte Faktoren die Entwicklung der Lunge zu einem bestimmten Verlauf „programmieren“ können, der mitentscheidend für das Krankheitsrisiko im Erwachsenenalter sein kann.

 

Säuglinge mit niedriger Lungenfunktion leben auch als Erwachsene mit einer weniger belastbaren Lunge

Eine der ersten Studien, die den Zusammenhang zwischen frühkindlichen Ereignissen und späteren Lungenerkrankungen untersucht hat, ist die Tucson-Studie. Diese zeigte erstmals, dass Säuglinge, die mit einer niedrigen Lungenfunktion auf die Welt kommen auch als Erwachsene eine weniger belastbare Lunge haben. Dieser Zusammenhang wurde mittlerweile von anderen Studien bestätigt. Dabei geht man von folgender Entwicklung aus: Die Lungenfunktion nimmt bis zum 30. Lebensjahr zu, erreicht dann einen Bestwert (Plateau) und fällt ab dem 40. Lebensjahr langsam wieder ab.

Die Theorie ist, dass Menschen mit schlechter Lungenfunktion entweder einen niedrigeren Bestwert erreichen und/oder dass der Abfall bei ihnen schneller erfolgt. Zu den wichtigsten Faktoren, die die Lungengesundheit beim Kind beeinflussen, zählen Luftschadstoffe, Tabakrauch, kindliches Asthma, Frühgeburt und Atemwegsinfektionen.

Viele Studien haben gezeigt, dass Schadstoffe in der Luft die Entwicklung der Lunge ungünstig beeinflussen und zu Erkrankungen führen können. So belegte eine kalifornische Studie, dass Kinder, die in weniger schadstoffbelasteten Gebieten aufwachsen eine bessere Lungenfunktion haben, als Kinder die an viel befahrenen Straßen leben und täglich große Mengen Feinstaub einatmen. Die Auswirkung zeigen sich bereits unterhalb der hierzulande gültigen Grenzwerte.

 

Rauchen und Lungenerkrankungen in der Kindheit

Aktives und passives Rauchen beeinträchtig die Lunge während der Kindheit besonders stark. Wenn die Mutter während der Schwangerschaft raucht, so kann ihr Kind mit einer verkleinerten Lunge und einer geringeren Anzahl an Lungenbläschen zu Welt kommen als nicht-rauchende Mütter. Die Lungenbläschen bei Raucher-Kindern sind zudem vergrößert, sodass der Sauerstoffaustausch weniger effizient ist.

Beispielweise erhöht das Passivrauchen nach der Geburt bei Mädchen das Risiko, im höheren Alter eine COPD zu entwickeln. Weitere Studien liefern Hinweise dafür, dass rauchende Väter häufiger Kinder zeugen, die an Asthma erkranken. Auch wenn sie das Rauchen während und nach der Schwangerschaft aufgegeben haben.

Asthma im Kindesalter kann auch die Lungenfunktion im Erwachsenenalter negativ beeinflussen. So zeigte die CAMP-Studie, dass 3 von 4 Kindern, die früher an Asthma litten, bereits mit 26 eine eingeschränkte Lungenfunktion haben. Von ihnen zeigte bereits jedes zehnte Anzeichen für eine COPD – eine Erkrankung, die man im Volksmund als Raucherhusten kennt. Schweres Asthma scheint die Entwicklung der Lunge für das gesamte Leben negativ zu programmieren. Es gibt keine Möglichkeit, die während der Kindheit verlorene Lungenfunktion zu einem späteren Zeitpunkt zu kompensieren.

 

Frühgeborene haben ein besonders hohes Risiko für chronische Lungenerkrankungen

Rund jedes zehnte Kind kommen vor dem errechneten Termin als Frühgeborene zur Welt. Je unreifer die Kinder bei der Geburt sind, umso höher ist das Risiko für chronische Lungenerkrankungen. Neugeborene, die über längere Zeit künstlich beatmet werden müssen, entwickeln infolge häufig eine Bronchopulmonale Dysplasie (BPD) mit lebenslangen unumkehrbaren Lungenschäden. Als mögliche Spätfolge dieser Erkrankung kann eine COPD auftreten.

Ob Viruserkrankungen im frühen Kindesalter die Entstehung von Asthma begünstigen können, wird derzeit noch diskutiert. Langzeitstudien zeigen aber, dass frühe Infektionen der unteren Atemwege eine COPD im späteren Lebensalter begünstigen können. Es ist nicht möglich, anhand der kindlichen Entwicklung Vorhersagen über spätere Lungenerkrankungen zu treffen. Wer jedoch die Faktoren kennt, kann seine erwachsenen Patienten gezielt danach fragen und somit die individuelle Erkrankung besser verstehen und eventuell sogar gezielter behandeln.

Auf jeden Fall sollten Eltern und Ärzte versuchen, Faktoren, die die Lungengesundheit ihres Kindes ungünstig beeinflussen zu vermeiden.

Literatur:

Taussig LM, Wright AL, Morgan WJ, Harrison HR, Ray CG. The Tucson Children’s Respiratory Study. I. Design and implementation of a prospective study of acute and chronic respiratory illness in children. Am J Epidemiol. 1989 Jun;129(6):1219-31.


Quelle:

EXPERTENSTATEMENT Lungengesundheit beginnt im Kindesalter Professor Dr. med. Monika Gappa, Chefärztin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Marien-Hospital Wesel. 60. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), März 2019, München

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Rainer Muller

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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