Low Carb bei Diabetes – mit weniger Kohlenhydrate in der Ernährung

Kohlenhydrate © Elena Schweitzer / shutterstock.com

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Eine moderate Ernährung mit wenig Kohlenhydrate, Low Carb, kann bei Diabetes durchaus empfehlenswert sein, wichtig ist aber eine individuell zugeschnittene Ernährungsberatung.

Die Amerikanische Diabetesgesellschaft publizierte im Mai 2019 den Konsensusreport der „Nutrition Therapy for Adults with Diabetes or Prediabetes“. Dieser stellt bereits im einleitenden Teil vor den spezifisch ernährungsbezogenen Empfehlungen als Grundannahme fest. Und zwar dass die Diabetes bezogene medizinische Beratung zur Ernährung – einschließlich Low-Carb und den Einfluss der Kohlenhydrate – im Rahmen der Diabetesberatung fundamental wichtig ist.

Die folgenden Empfehlungen sind vor dem Hintergrund dieser Grundannahmen und Forderungen zu sehen.

 

Konsensus-Empfehlungen zu Makronährstoffen

Eine allgemeingültige anteilige Aufnahme von Kohlenhydraten, Eiweiß und Fett in der Ernährung von Menschen mit Diabetes wird als nicht evidenzbasiert angesehen.

Hinsichtlich der Proteinaufnahme bei Diabetes wird zum einen die limitierte Studienlage und zum anderen die Uneinheitlichkeit der Ergebnisse existierender Studien mit möglichen Vorteilen einer eiweißreichen Ernährung im Rahmen einer Gewichtsreduktion konstatiert.

 

Konsensus-Empfehlungen zu Ernährungsmustern

Extrem einseitige und für die Gesundheit bedenkliche Ernährungsformen sind nicht Teil der Empfehlungen.

 

Konsensus-Empfehlungen zu hypokalorischer Ernährung / Gewichtsreduktion, Fett und Kohlenhydrate bei Diabetes

Im Hinblick auf die Ernährung zur Gewichtsreduktion wird in einem eigenen Kapitel des ADAConsensus Report zum Gewichtsmanagement betont, dass es entscheidend darauf ankommt, eine individuell akzeptierte und praktikable hypokalorische Ernährungsweise zu erarbeiten, die zu einem Energiedefizit und letztlich zu einer nachhaltigen Gewichtsabnahme führt, unabhängig von der Makronährstoffzusammensetzung oder dem Ernährungsmuster.

Vergleichbar konstatiert in Deutschland die „Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Prävention und Therapie der Adipositas“ der Deutschen Adipositas-Gesellschaft im Verbund mit der DDG, der DGE und der DGEM [3] folgende Empfehlungen:

Um ein Energiedefizit zu erreichen, können verschiedene Ernährungsstrategien verwendet werden:

 

Abschließende Stellungnahme des Ausschusses Ernährung der DDG mit Schwerpunkt auf Low-Carb-Ernährungsformen

Die Empfehlungen stehen im Einklang mit den vielfältigen Ernährungsweisen, die von der Bevölkerung der USA – und der Bundesrepublik Deutschland – im Alltag praktiziert werden.

Angesichts der Definition der Autoren des ADA Consensus Report einer Low-Carb-Ernährungsform von unter 45 Energie % KH entspricht diese Empfehlung (als eine der möglichen) ohnehin dem aktuellen Ernährungsverhalten in Deutschland, welches aber ansonsten in vielen Punkten nicht den Empfehlungen für eine gesunde Ernährung entspricht (2).

Es macht aus Sicht des Ausschusses Ernährung der DDG zumindest langfristig keinen Sinn, lediglich einen Makronährstoff in einer Ernährungsform zu limitieren.

Der Ausschuss Ernährung weist darauf hin, dass sich die Empfehlungen nicht auf eine rein quantitative Betrachtung der Makronährstoffe beziehen sollten, sondern deren qualitative Bewertung mit einbeziehen müssen. Fettsäurezusammensetzung, Ballaststoffe und glykämische Last sind wichtiger als die reine Makronährstoffrelation. Diese sollte daher nicht unabhängig von den qualitativen Aspekten interpretiert werden.

 

Moderate Low-Carb-Ernährung empfehlenswert

Eine moderate Low-Carb-Ernährung kann durchaus empfehlenswert sein, wenn sie wie bei einer mediterranen Ernährung einen hohen Anteil an einfach ungesättigten Fettsäuren (MUFA) hat und eine High-Carb-Ernährung mit reichlich Kohlenhydrate kann bei hohem Anteil an Ballaststoffen und niedriger glykämischer Last ebenso gesund sein.

Insgesamt bereichert der ADA Consensus Report mit Empfehlungen zur Ernährung bei Erwachsenen mit Diabetes mellitus das therapeutische Denken. Und zwar um die nicht erstmalige, aber erneute Fokussierung auf eine individuell zugeschnittenen umsetzbaren Ernährungsberatung.

In diesem Sinne sind Empfehlungen zur Ernährung erforderlich, die ihre Statements für die verschiedenen Diabetes-Typen, Behandlungsformen und gesundheitlichen Situationen differenzieren und persönliche und soziale Aspekte stärker berücksichtigen.

Diese kurze Stellungnahme geht insbesondere auf den Low-Carb-Aspekt des ADA Consensus Report (Umfang 24 Seiten inklusive Literatur) ein und nicht auf die Gesamtheit seiner zahlreichen weiteren Aspekte zur Ernährung und Kohlenhydrate in der Therapie von Diabetes. Er nimmt keinen Bezug auf die im Konsensusreport inkludierten Empfehlungen für Personen mit gestörter Glukosetoleranz.


Literatur:

1. Evert AB, Dennison M, Gardner CD, Garvey WT, Lau KHK, MacLeod J et al. (2019). Nutrition Therapy for Adults with Diabetes or Prediabetes: A Consensus Report. Diabetes Care 42(5): 731-754.

 


Quelle:

Expertenstatement » Low Carb: Welchen Einfluss hat eine reduzierte Kohlenhydrat-Aufnahme auf Diabetes? «. Professorin Dr. med. Diana Rubin, Chefärztin und Leiterin des Zentrums für Ernährungsmedizin am Vivantes Klinikum Spandau und Humboldt-Klinikum Berlin. 13. Diabetes Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), November 2019, Leipzig.

Auswertung und Kommentierung des amerikanischen Konsensusreports „Therapie zur Ernährung wie Low Carb für Erwachsene mit Diabetes und Prädiabetes“ durch den Ausschuss Ernährung der DDG.

Nationale Verzehrsstudie, Teil II, https://www.bmel.de

S3-Leitlinie „Prävention und Therapie der Adipositas“, Version 2.0 (2014), AWMF-Register Nr. 050/001.

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