Nahrungsmittelunverträglichkeit: Laktasemangel durch Laktoseintoleranz

Heute wird auch Laktose arme Milch und fermentierte Milchprodukte mit lebenden Laktobazillen angeboten, die bei Laktoseintoleranz gut vertragen werden. © nevodka / shutterstock.com

Heute wird auch Laktose arme Milch und fermentierte Milchprodukte mit lebenden Laktobazillen angeboten, die bei Laktoseintoleranz gut vertragen werden. © nevodka / shutterstock.com

Laktasemangel durch Laktoseintoleranz, wobei im Darm das Verdauungsenzym Laktase fehlt, das die Laktose – den Milchzucker – normalerweise abbaut.

Die Laktoseintoleranz, auch als Milchzuckerunverträglichkeit, Laktosemalabsorption oder Laktasemangel-Syndrom bezeichnet, ist die weltweit mit Abstand am häufigsten verbreitete Nahrungsmittelunverträglichkeit. In vielen Regionen der Welt ist diese Verdauungsstörung eigentlich der Normalfall. So leiden in Südostasien fast 100% der Bevölkerung an einem Laktasemangel, in Südamerika ca. 70%, in Schweden dagegen nur 2%. Dies erklärt auch, warum man bei einem Thailandurlaub nur selten Milch angeboten bekommt. In Ländern mit weit verbreiteter Laktoseintoleranz gilt das daher auch nicht als Krankheit. In Österreich sind schätzungsweise 15 bis 25% der Bevölkerung betroffen.

 

Enzymmangel bei Laktoseintoleranz: im Darm fehlt Laktase

Bei einer Laktoseintoleranz fehlt im Darm das Verdauungsenzym Laktase, welches den mit der Nahrung aufgenommenen Milchzucker (= Laktose) normalerweise verdaut. Gelangt unverdauter Milchzucker aber in den Dickdarm, wird er von den dort ansässigen Darmbakterien aufgenommen und vergoren. Die Gärungsprodukte verursachen dann die typischen Symptome wie Blähungen und Durchfall.

Die Produktion von Laktase ist im Erwachsenenalter vergleichen mit dem Säuglings- und Kindesalter  generell stark vermindert. Das ist für den Menschen ganz normal und erklärt auch, warum die Symptome einer Milchzuckerunverträglichkeit oft erst mit zunehmendem Lebensalter auftreten. Eigentlich ist es der seit mehreren hundert Jahren intensiv betriebenen Milchwirtschaft zu verdanken, dass wir Milchprodukte auch als Erwachsene so gut vertragen, weil sich unser Körper an die Ernährung gewöhnt hat und vermehrt Laktase produziert. Genau genommen ist es zu einer Genmutation gekommen, die sich für uns positiv auswirkt.

Nicht zu verwechseln ist Laktoseintoleranz mit einer echten Allergie gegen Kuhmilch-Eiweiß, die bei Säuglingen häufig vorkommt und durchaus ernste Symptome bis hin zu lebensbedrohlichen Zuständen auslösen kann.

Laktasemangel kann verschiedene Ursachen haben. Neben der schon erwähnten weltweiten Verbreitung eines relativen Laktasemangel, der genetisch bestimmt ist, gibt es auch eine angeborene absolute Laktoseintoleranz, bei der das Enzym Laktase überhaupt nicht gebildet werden kann.

Diese Erkrankung führt aber zu einer schweren Beeinträchtigung des Wachstums und der Kindesentwicklung und muss behandelt werden. Auch diverse Krankheiten unseres Verdauungssystems können zu einer Schädigung jener Zellen des Darmes führen, die das Enzym Laktase produzieren, und damit eine Laktoseintoleranz auslösen.

Bakterielle und virale Darmentzündungen, manche Autoimmunerkrankungen wie chronische Darmentzündungen oder Zöliakie, Operationen mit teilweiser oder totaler Magenentfernung sowie Darmoperationen, Strahlen- und Chemotherapie bei Krebs aber auch chronischer Alkoholmissbrauch sind mögliche Ursachen einer erworbenen Laktoseintoleranz.

 

Laktoseintoleranz verursacht häufig quälende Beschwerden

Die meisten Betroffenen reagieren nach dem Konsum von Milch und Milchprodukten mit Blähungen und übel riechenden Darmwinden, Unwohlsein, Bauchdrücken und Bauchkrämpfen, Übelkeit, Erbrechen aber auch Durchfällen. Je nach dem wie stark der Laktasemangel ist, können die Symptome sehr mild bis aggressiv auftreten und nehmen natürlich mit der Menge des konsumierten Milchzuckers zu.

Wer solche Störungen des Magen-Darm-Traktes ignoriert, läuft Gefahr, eine ständige Reizung der Darmschleimhaut auszulösen, die mit der Zeit irreparabel geschädigt sein kann. In Folge können lebenswichtige Nährstoffe, Vitamine und Mineralien nicht mehr aus der Nahrung aufgenommen werden und es kommt zu schweren Mangelerscheinungen.

Grundsätzlich wird bei Laktoseintoleranz durch die Unverträglichkeit gegenüber Milchprodukten das für den Knochen wichtige Kalzium dem Körper in zu geringen Mengen zugeführt. Das fördert das Entstehen der gefürchteten Osteoporose – der Knochenerkrankung, die häufig zu vermehrten Knochenbrüchen führt. Menschen mit Laktoseintoleranz sollten daher unbedingt Kalzium und Vitamin D als Nahrungsergänzung einnehmen.

 

Diagnose: Laktoseintoleranz erkennen

Die meisten Betroffenen kommen durch eine exakte Selbstbeobachtung bereits zur Diagnose. Wer hier Bedenken hat, kann einen Diättest machen: Wenn durch eine Laktose-freie Diät über mehrere Tage die Beschwerden verschwinden, dann ist eine Laktoseintoleranz sehr wahrscheinlich. Für eine solche Diät müssen alle Milchprodukte gemieden werden. Man muss aber auch auf versteckte Milchzucker in vielen Fertiggerichten und Medikamenten achten.

 

Expositionstest

Um noch sicherer zu gehen, kann man nach einem solchen Diättest einen Expositionstest durchführen. Dabei trinken Betroffene ein Glas Wasser mit darin aufgelösten 50 bis 100g Milchzucker. Wenn danach innerhalb kurzer Zeit die bekannten Symptome wieder auftreten, besteht eine Laktoseintoleranz. Milchzuckerlösungen sind in Apotheken und Drogerien erhältlich. Ist durch Selbstbeobachtung die Diagnose nicht eindeutig zu belegen, stehen verschiedene medizinische Tests zur Verfügung.

 

H2-Atemtest

Wenn Laktose in den Dickdarm gelangt, dann entsteht bei der bakteriellen Zersetzung neben Milchsäure und Kohlendioxid auch Wasserstoff (H2). Dieser kommt über das Blut in die Lunge und wird dort ausgeatmet. Normalerweise ist kein Wasserstoff in der Ausatemluft nachzuweisen. Wieder wird eine gewisse Menge an Milchzucker zum Trinken verabreicht und die Wasserstoffkonzentration beim Ausatmen vor und nach dem Trinken gemessen. Weist das Testergebnis einen Unterschied von über 20ppm auf, gilt der Test als positiv. Allerdings kann es passieren, dass dieser Test in manchen Fällen trotz einer vorliegenden Laktoseintoleranz negativ.

 

Blutzucker-Test

Der mit der Nahrung aufgenommen Milchzucker wird im Dünndarm zu anderen Zuckerarten wie Glucose abgebaut und dann ins Blut aufgenommen. Dadurch steigt der Blutzuckerspiegel, was bei einem Laktasemangel aber kaum der Fall ist. Wieder muss der Patient eine standardisierte Menge von Milchzucker trinken. Davor und in bestimmten Abständen danach wird der Blutzucker gemessen. Steigt diese kaum an, ist eine Laktoseintoleranz sehr wahrscheinlich. Für Diabetiker ist dieser Test weniger geeignet.

 

Gentest und Gewebsprobe

Gentest: ein Abstrich der Wangenschleimhaut oder eine Blutprobe ermöglichen einen Gentest zum Nachweis des Enzymmangels.

Gewebsprobe: die Entnahme einer Gewebsprobe aus dem Dünndarm zum Nachweis von Laktasemangel ist selten erforderlich.

 

Wie der Laktasemangel bei Laktoseintoleranz behandelt wird

Die meisten Arten von Laktoseintoleranz und Laktasemangel (natürlich, angeboren) sind nicht heilbar. Ein erworbener Laktasemangel nach bestimmten Krankheiten kann sich manchmal wieder geben, wenn die Grundkrankheit erfolgreich behandelt wurde.

Generell kann man die durch eine Laktoseintoleranz verursachten Beschwerden durch eine Milchzucker-arme bis -freie Diät reduzieren – dies muss lebenslang eingehalten werden, bei einem teilweisen Laktosemangel werden geringe Mengen an Milchprodukten relativ gut vertragen.

 

In der Nahrung

Der größten Mengen Milchzucker sind in der normalen Kuhmilch – in unseren Breiten auch als süße Milch bezeichnet – enthalten. Vergorene Milchprodukte wie Buttermilch, Joghurt, Schlagobers und Käse enthalten hingegen weniger Milchzucker, da dieser beim Herstellungsprozess durch bestimmte Milchzucker abbauende Bakterien aufgebraucht wird.

Je länger ein Lebensmittel gereift ist, desto kleiner ist generell der Gehalt an Milchzucker. Käsesorten wie Parmesan oder Appenzeller, die lange reifen, bevor sie verzehrt werden, sind daher besser verträglich wie ein junger Käse wie Gouda.

Sauermilchprodukte werden trotz eines hohen Gehalts an Laktose meist wesentlich besser vertragen. Diese Lebensmittel enthalten viele Milchsäurebakterien, die noch nach dem Verzehr dieser Speisen den Milchzucker im Darm des Menschen aufspalten können. Lactose gelangt damit nicht in den Dickdarm. Allerdings kann es bei gereiften Lebensmitteln zu anderen Problemen kommen: durch den Abbau von Eiweiß und Aminosäuren entstehen sogenannte biogene Amine, die wie Histamin zu einer Reizung des Darmes und Verdauungsbeschwerden führen können.

Leider ist Laktose vielen anderen Nahrungsmitteln wie Brot, Getreideriegel, Salatsaucen, Fertigprodukten im Supermarkt, Wurstwaren, Teigwaren und mariniertem Fleisch zugesetzt. Auch diverse Süßigkeiten wie Bonbons, Speiseeis, Mehlspeisen und Schokolade enthalten oft Milchzucker. Da heutzutage durch Verordnung zur Kennzeichnung von Lebensmitteln auch Milchzucker auf der Packung angeführt werden muss, können Betroffene sich selbst von der Unbedenklichkeit eines Produktes überzeugen.

 

Alternativen

Mittlerweile gibt es als Alternative auch Laktose-arme Milch und fermentierte Milchprodukte mit lebenden Laktobazillen, die generell gut vertragen werden.

Milchzucker ist als Bindemittel auch in vielen Medikamenten enthalten. Arzt oder Apotheker können hier Milchzucker freie Alternativen empfehlen.

Medizinisch wird Milchzucker übrigens in höheren Konzentrationen auch als Abführmittel eingesetzt. Natürlich nicht bei einer bekannten Laktoseintoleranz.

Ergänzend zu einer Diät kann das Verdauungsenzym Laktase auch in Form von Kapseln oder Kautabletten zugeführt werden. Die Produkte müssen bereits im Magen wirken. Die Dosierung sollte dem Gehalt an Milchzucker in der Nahrung angepasst werden. Dies ist oft schwer abzuschätzen und bedarf einiger Erfahrung.

Am wichtigsten ist es aber, dass sich betroffene Personen mit Laktoseintoleranz richtig ernähren.


Literatur:

Talia F. Malik; Kiran K. Panuganti. Lactose Intolerance. StatPearls [Internet]. Last Update: May 19, 2021.

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