L-Dopa und Dopaminagonisten – Standard

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Axel Rhindt
Axel Rhindt
MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

Bei jüngeren Parkinson-Patienten zögert man heute die Behandlung mit L-Dopa hinaus und beginnt mit Dopaminagonisten wegen der besseren Verträglichkeit.

Im Grunde genommen fällt es heutzutage sehr schwer, dass man sich vor der L-Dopa- und Dopaminagonisten-Ära der Parkinson-Krankheit (PD) versetzt. Und zwar in der Position des Arztes sowie des Patienten. Vor den 1960er Jahren waren nur die klinischen Merkmale und die grundlegende Neuropathologie der Erkrankung bekannt. Medikamentös kamen Anticholinergika zum Einsatz. Außerdem waren stereotaktische Eingriffe populär. Allerdings schritt die Krankheit unaufhaltsam voran und verursachte verschiedene Behinderungen. In den frühen 1960er-Jahren hat sich das dann alles verändert.

 

L-Dopa – oder Levodopa

Der klassische Parkinson-Wirkstoff L-Dopa ist nach wie vor die wirksamste und sicherste Therapie des M. Parkinson. Der Wirkstoff L-Dopa – oder Levodopa – ist eine Vorstufe des Nervenüberträgerstoffes Dopamin, der beim Morbus Parkinson fehlt. Übrigens scheint das Dopamin an verschiedenen Aspekten der kognitiven Funktionen beteiligt zu sein. Zudem beschrieben Stiudien die Beziehung zwischen Kreativität und Dopamin bei der Parkinson-Krankheit (PD)..

Vor mehr als 50 Jahren wurde L-Dopa in Österreich entwickelt, 1973 hat der Pharmakonzern Hoffmann-La Roche den Arzneistoff Levodopa unter dem Markennamen Madopar zur Behandlung der Parkinson-Krankheit auf den Markt gebracht. Die Fixkombination Levodopa + Carbidopa wurde vier Jahre später von der WHO in die Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation aufgenommen.

L-Dopa (oder Levodopa) ist immer noch die wirksamste und sicherste Therapie des Morbus Parkinson. Allerdings treten bei langem Gebrauch, zu hoher Anfangsdosierung und jüngeren Betroffenen im Laufe der Zeit Nebenwirkungen auf. Aufgrund dieser Nebenwirkungen in der Langzeitanwendung wird heutzutage besonders bei jüngeren Parkinson-Patienten die Behandlung mit L-Dopa hinausgezögert und primär mit Dopaminagonisten die Behandlung begonnen.

Dopaminagonisten gehören heute wie L-Dopa zum Standardrepertoire der Parkinsontherapie. Sie haben den Gold-Standard der L-Dopa Therapie besonders in den ersten Krankheitsjahren und bei jüngeren Betroffenen sogar abgelöst.

 

Wirkzeit von L-Dopa (Levodopa) und Dopaminagonisten wird während des Krankheitsverlaufs immer kürzer

Im Laufe der Erkrankung wird die Wirkzeit der Medikamente immer kürzer, und es ist nicht selten, dass Einnahmezeitpunkte 6 bis 8 Mal pro Tag festgelegt werden müssen, um den Nebenwirkungen der Therapie vorzubeugen und eine ausreichende Beweglichkeit zu gewährleisten.

Die Menge von L-Dopa im Blut sollte gleichmäßig gehalten werden, was durch zusätzliche Gabe eines Stabilisators – den sogenannten COMT-Hemmer – erreicht werden kann. Der Effekt sind eine bessere Ausnutzung von L-Dopa und geringere Langzeit-Nebenwirkungen.

Dopaminagonisten wirken an den gesunden Nervenzellen des motorischen Systems, was eine Schonung der erkrankten Bahnen bedeutet und eine bessere Steuerbarkeit der Therapie bewirkt. Zudem wird den Dopaminagonisten eine neuroprotektive Wirkung zugeschrieben, die für die Beeinflussung des Krankheitsverlaufes von entscheidender Bedeutung ist.

 

Dopaminagonisten seit Jahrzehnten bewährt

Wie L-Dopa sind auch Dopaminagonisten ebenfalls seit Jahrzehnten in Verwendung. Gemeinsam sind ihnen eine notwendige Aufdosierung beginnend mit sehr geringen Gaben und langsamer Steigerung bis zum Wirkungseintritt. Wobei die Betroffenen über eine Phase einer vorübergehenden Verschlechterung aufgeklärt werden müssen, um Therapieabbrüchen vorzubeugen.

Nach etwa drei Wochen ist dann bei allen Substanzen mit einem Wirkungseintritt zu rechnen. Als unerwünschte Wirkung kann anfänglich Übelkeit – meistens vorübergehend – auftreten.

Weiters werden wie bei vielen anderen Antiparkinsonmitteln Müdigkeit und Einschlafneigung hervorgerufen. Durch abendlich verstärkte Gabe fällt das aber weniger ins Gewicht und hat eher einen positiven Effekt auf den Schlaf. Man konnte in Einzelfällen aber bei manchen Substanzen auch Schlafattacken am Tag beobachten.

Zunächst werden Dopaminagonisten als Monotherapie eingesetzt, besonders bei jüngeren Patienten, bei denen die Gefahr des Dopa-Langzeitsyndroms am ausgeprägtesten ist. Alle bisherigen Studien zeigen übereinstimmend einen hochsignifikanten Vorteil einer Dopaminagonisten-Monotherapie hinsichtlich motorischer Spätkomplikationen.

 

Erstens Dopaminagonisten-Monotherapie, zweitens L-Dopa kombiniert mit COMT-Hemmer

Der Beginn mit einer Dopaminagonisten-Monotherapie und erst späterer Zugabe von L-Dopa nach Möglichkeit in Kombination mit einem COMT-Hemmer ist heute praktisch Standard geworden. Die gefürchteten Spätkomplikationen mit on/off-Phänomenen und Wirkungsfluktuationen erfordern in späteren Stadien keine Verstärkung, sondern eine Reduktion von L-Dopa-Gaben. Um einen ausreichenden Therapie-Effekt trotzdem zu erreichen, ist die zusätzliche Gabe von Dopaminagonisten notwendig.

Literatur:

Radwa Khalil, Ben Godde, Ahmed A. Karim. The Link Between Creativity, Cognition, and Creative Drives and Underlying Neural Mechanisms. Front Neural Circuits. 2019; 13: 18. doi: 10.3389/fncir.2019.00018

Oleh Hornykiewicz. L-DOPA. J Parkinsons Dis. 2017; 7(Suppl 1): S3–S10.
doi: 10.3233/JPD-179004

Ries V et al. Replacing a dopamine agonist by the COMT-inhibitor tolcapone as an adjunct to L-dopa in the treatment of Parkinson’s disease. A randomized, multicenter, open-label, parallel-group study. Clin Neuropharmacol. 2010 May;33(3):142-50. doi: 10.1097/WNF.0b013e3181d99d6f.

Montastruc J, Rascol O, Senard JM. Treatment of Parkinson’s disease should begin with a dopamine agonist. Mov Disord. 1999 Sep;14(5):725-30.


Quellen:

MEDMIX 4/2007. L-Dopa versus Dopaminagonisten bei Parkinson.

http://www.parkinsons.org.uk/content/dopamine-agonists

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