Erhöhtes Risiko für Kurzsichtigkeit durch Smartphones und Tablets

Viel Licht setzt Dopamin in der Netzhaut frei – mit diesem Hintergrund soll das Spielen im Freien gegen Kurzsichtigkeit bei Kindern helfen. ©BLUR LIFE 1975 / shutterstock.com

Die intensive Nutzung von Smartphones und Tablets erhöht das Risiko für Kurzsichtigkeit, Kindern sollten auf Tageslicht und Abstand zum Gerät achten.

Mehr als 2,5 Stunden täglich verbrachten deutsche Smartphone-Nutzerinnen und Nutzer im Jahr 2020 an ihren mobilen Endgeräten. Dies geht aus einem aktuellen Report des Datenanalyse-Anbieters App Annie hervor. Die Stiftung Auge betrachtet die Tendenz zur immer intensiveren Handynutzung schon durch Kinder mit Sorge. Denn darunter kann das räumliche Vorstellungsvermögen leiden und es wächst das Risiko, eine Kurzsichtigkeit zu entwickeln. Die Experten der Stiftung Auge raten, dass Kinder weniger Zeit an Smartphones und möglichst viel Zeit im Freien verbringen sollten, um einem höheren Risiko für Kurzsichtigkeit durch Smartphones entgegenzuwirken.

 

Nachrichten lesen, Serien schauen oder schnell nebenbei die sozialen Netzwerke checken

Auch für Jüngere gehören Smartphones zu den ständigen Begleitern im Alltag – eine Tatsache, die in der aktuellen Corona-Pandemie sogar noch zugenommen haben dürfte. Augenärzte betrachten diesen Trend mit Sorge. Der Grund: Wenn Kinder täglich mehrere Stunden auf Smartphones oder Tablets schauen, erhöht dies das Risiko für die Entwicklung einer Kurzsichtigkeit.

„Daran ist zum einen die meist schlechte Beleuchtung in Innenräumen Schuld,“ sagt Professor Dr. med. Frank G. Holz, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Auge. Zum anderen komme es zu einem erhöhten Längenwachstum des Augapfels, wenn Kinder wiederholt über längere Zeiträume auf Dinge in geringer Entfernung schauen, so der Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn. Dies führt dazu, dass sich der Abstand zwischen Netzhaut und Linse vergrößert. Dadurch stimme die Brennweite des Auges nicht mehr und Betroffene sehen in der Ferne unscharf, erklärt Holz.

 

Kurzsichtigkeit durch Smartphones und Tablets

Wenn Kinder über lange Zeit auf einen Bildschirm schauen, drohen neben Kurzsichtigkeit weitere Folgen. „Da Smartphone- und Tabletbildschirme immer flach sind, kann Kindern bei intensiver Nutzung der Geräte der Wechsel zwischen Nah- und Fernsehen schwerer fallen und im schlimmsten Fall das räumliche Vorstellungsvermögen leiden“, sagt Professor Dr. med. Christian Ohrloff, Mediensprecher der Stiftung Auge. Um dem entgegenzuwirken, sei es wichtig, dass Kinder täglich im Freien spielen, so der ehemalige Direktor der Universitäts-Augenklinik Frankfurt am Main. „Draußen muss sich das Auge immer wieder an unterschiedliche Distanzen anpassen“, erklärt Ohrloff.

Studien zur Nutzung von Smartphones und Tablets haben zudem gezeigt, dass zwei Stunden helles Tageslicht pro Tag die Entwicklung einer Kurzsichtigkeit bremsen.

 

Viel Tageslicht und ausreichend Abstand zwischen Bildschirm und Augen

Da in der aktuellen Corona-Pandemie viele Kinder etwa beim Homeschooling auf Smartphones oder Tablets angewiesen sind, sollte hierbei vor allem auf zwei Dinge geachtet werden: „Der Arbeitsplatz der Kinder sollte möglichst hell sein und viel Tageslicht abbekommen. Außerdem ist es wichtig, dass der Abstand zwischen Bildschirm und Augen mindestens einen halben Meter, besser noch mehr, beträgt,“ rät der Frankfurter Experte. Insgesamt sei es immens wichtig, bei Kindern auf eine gesunde Entwicklung der Augen zu achten. „Wenn der Augapfel im Kindesalter erst einmal falsch gewachsen ist und sie kurzsichtig sind, lässt sich dies später nicht mehr umkehren,“ so Ohrloff.


Literatur:

Wu PC, Chen CT, Chang LC, Niu YZ, Chen ML, Liao LL, Rose K, Morgan IG. Increased Time Outdoors Is Followed by Reversal of the Long-Term Trend to Reduced Visual Acuity in Taiwan Primary School Students. Ophthalmology. 2020 Nov;127(11):1462-1469. doi: 10.1016/j.ophtha.2020.01.054. Epub 2020 Feb 8. PMID: 32197911.


Quellen:

Stiftung Auge, DOG Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft: https://www.dog.org

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