Kürbiskerne unterstützen die Blase und die Prostata

Kürbiskerne können die Beschwerden bei gutartig vergrößerter Prostata lindern und Inkontinenz-Episoden reduzieren. © Dora Zett / shutterstock.com

Kürbiskerne können die Beschwerden bei gutartig vergrößerter Prostata lindern und Inkontinenz-Episoden reduzieren. © Dora Zett / shutterstock.com

Kürbiskerne wirken positiv auf Blase und Prostata, Kürbis spezifische Lignane – aus der Gruppe der Phytohormone – scheinen für diese Wirksamkeit verantwortlich zu sein.

Bis vor kurzem wurde die Wirksamkeit der Kürbiskerne vorwiegend im Kernöl gesucht. Kernöl spielt nach neuesten Erkenntnissen aber mehr eine ernährungsbezogene Rolle. Denn Kernöl ist reich an ungesättigten Fettsäuren und Vitamin E. Zudem zeigen neuere Daten, dass die früher diskutierten eher lipophilen Delta-7-Phytosterole, welche im Kürbis nur in Spuren vorkommen, nur in sehr geringen Mengen resorbiert werden. Im Grunde genommen wirken Kürbiskerne jedenfalls positiv auf Blase und Prostata.

 

Kürbiskerne für die Reiz-Blase und benigne Prostatahyperplasie

In der zeitgemäßen Phytotherapie werden laut Monographie der Kommission E, der Expertengruppe für Phytopharmaka, Kürbiskerne für die Anwendungsgebiete Reiz-Blase und benigner Prostatahyperplasie (BPH) der Stadien I und II empfohlen. Zusätzliche mögliche Anwendungen ergeben sich laut neuesten Erkenntnissen bei Stress-Inkontinenzstörungen hauptsächlich postmenopausaler Frauen als auch bei einer Überlauf-Inkontinenz – tropfenweiser Harnabgang –  im Falle einer Prostatahyperplasie.

Unter Stressinkontinenz oder Belastungsinkontinenz versteht man den unfreiwilligen Harnverlust ohne Harndrang bei Lachen, Husten, Niesen oder körperlicher Anstrengung infolge einer Schwäche der Beckenbodenmuskulatur. Nach dem gegenwärtigen Wissensstand sind vor allem hormonelle Ungleichgewichte die Ursachen für letztgenannte Inkontinenz-Formen.

Die In-vitro- und In-vivo-Untersuchungen nach den aktiven Wirkprinzipien wurden mit einem lipidfreien Extrakt aus Kürbiskerne durchgeführt. Dies lässt den Schluss zu, dass vor allem wasserlösliche Substanzen – unter anderem auch Kürbis spezifische Lignane – für die Wirksamkeit verantwortlich sind. Es wurde festgestellt, dass mehrere Mechanismen den positiven Einfluss der Kürbiskerne auf Blase und Prostata bewirken.

 

Lignane aus der Gruppe der Phytohormone

Lignane werden wie Isoflavone zur Gruppe der Phytohormone gezählt. Im Gegensatz zu diesen weisen sie jedoch eine andere chemische Struktur auf und zeigen zudem keine Wirkung an Östrogenen a,b-Rezeptoren. In den Pflanzen stellen Lignane pharmakologisch inaktive Vorstufen dar, welche erst im Darm durch mikrobielle Tätigkeit zu den pharmakologisch aktiven Metaboliten Enterodiol und weiter zu Enterolacton bzw. deren Derivaten umgewandelt werden.

Diese Verbindungen finden sich nach Aufnahme der Lignane im Harn, im Plasma, im Brustgewebe der Frauen sowie in der Prostata-Flüssigkeit der Männer wieder. Zudem wird Lignanen eine protektive Wirkung auf Brust, Prostata und Darm zugeschrieben.

So hemmte der wässrige Extrakt aus Kürbiskerne die 5-α-Reduktase und Aromatase. Eine erhöhte Aktivität des Enzyms 5-α-Reduktase gilt unter anderem als wichtiger Faktor bei der Entstehung einer benignen Prostatahyperplasie, da es die Umwandlung von Testosteron in das stärker wirkende Androgen Dihydrotestosteron bei Männern im zunehmenden Alter katalysiert.

Hingegen wandelt die Aromatase bei Frauen Testosteron in 17-β-Estradiol um. Eine diesbezügliche Hemmung führt zur Erhöhung eines natürlich vorhandenen Testosteronspiegels, der eine anabole Stärkung der Beckenbodenmuskulatur und der Blasenfunktion bewirkt. Der Extrakt aus Kürbiskerne zeigt in vitro auch eine erhöhte Bindungsaffinität zum Androgenrezeptor, wodurch sich wiederum ein physiologisch anaboler Effekt erwarten lässt.

 

Studien mit Extrakten aus Kürbiskerne

In vivo wurde in einem Tierversuchsmodel durch einen Extrakt aus Kürbiskerne eine signifikante Erhöhung der Blasenkapazität und eine Verminderung in der Miktionshäufigkeit festgestellt, welches sich positiv bei einer BPH auswirkt.

Zwei in Japan durchgeführte klinische Studien (an jeweils 39 postmenopausalen Frauen im Alter von 55-79 Jahren und 50 Frauen im Alter von 35-84 Jahren) führten zu einer signifikanten Besserung bei Stressinkontinenz. Bei einer täglichen Gabe von 525 mg Kürbiskernextrakt erfolgte bereits nach zwei Wochen eine Verringerung der täglichen Inkontinenzepisoden um 60 % und nach 6 Wochen um 80 %, nämlich von 7,3 auf 1,5 Inkontinenzfälle täglich. Zudem wurde eine deutliche Verbesserung der nächtlichen sowie täglichen Blasenentleerung festgestellt. Dieselben Ergebnisse wie in den zwei Studien erbrachte auch ein Konsumenten-Test an 10 Frauen im Alter von 45 -65 Jahren über 8 Wochen.

Fazit

Mehrere Mechanismen sowie polare Inhaltsstoffe bestimmen die Wirkung von Extrakten aus Kürbiskerne auf Blase und Prostata sowie auf die Beckenbodenmuskulatur der Frau.


Literatur:

ElJalby M, Thomas D, Elterman D, Chughtai B. The effect of diet on BPH, LUTS and ED. World J Urol. 2019;37(6):1001-1005. doi:10.1007/s00345-018-2568-0

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Vahlensieck W, Theurer C, Pfitzer E, Patz B, Banik N, Engelmann U. Effects of pumpkin seed in men with lower urinary tract symptoms due to benign prostatic hyperplasia in the one-year, randomized, placebo-controlled GRANU study. Urol Int. 2015;94(3):286-295. doi:10.1159/000362903


Quelle: Kürbis für Männer und Frauen. MEDMIX 9/2007.

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